Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.
Liebe Gemeinde,
der für den heutigen Sonntag vorgeschlagene Predigttext widerspricht all unseren Erfahrungen und allem wie wir gewohnt sind zu handeln. Man könnte ihn für naiv halten, wenn wir nicht wüssten, dass er zu dem Material aus der Bibel gehört, der am sichersten von Jesus selbst stammt. Man kann Jesus viel vorwerfen aber Naivität gehört nicht dazu. Aber hören Sie selbst.
Lukas 6
27»Aber euch, die ihr mir zuhört, sage ich:
Liebt eure Feinde. Tut denen Gutes, die euch hassen.
28Segnet die, die euch verfluchen.
Betet für die, die euch beschimpfen.
29Schlägt dich einer auf die Backe,
halte ihm auch die andere Backe hin.
Und nimmt dir einer den Mantel weg,
überlasse ihm auch das Hemd.
30Gib jedem das, worum er dich bittet.
Und wenn dir jemand etwas wegnimmt,
das dir gehört, dann fordere es nicht zurück.
31Behandelt andere Menschen genauso,
wie ihr selbst behandelt werden wollt.
32Wenn ihr nur die liebt, die euch auch lieben:
Welchen besonderen Dank erwartet ihr von Gott?
Sogar die Sünder lieben ja die,
von denen sie geliebt werden.
33Wenn ihr nur denen Gutes tut, die euch Gutes tun:
Welchen besonderen Dank erwartet ihr von Gott?
Sogar die Sünder handeln so.
34Wenn ihr nur denen etwas leiht,
von denen ihr es wieder zurückerwarten könnt:
Welchen besonderen Dank erwartet ihr von Gott?
Sogar die Sünder leihen sich gegenseitig Geld,
um den gleichen Betrag zurückzubekommen.
35Nein! Liebt eure Feinde.
Tut Gutes und verleiht,
ohne etwas dafür zu erhoffen.
Dann werdet ihr großen Lohn erhalten
und Kinder des Höchsten sein.
Denn Gott selbst ist gut
zu den undankbaren und schlechten Menschen.«
36»Seid barmherzig, so wie euer Vater barmherzig ist.
37Ihr sollt andere nicht verurteilen,
dann wird Gott auch euch nicht verurteilen.
Sitzt über niemanden zu Gericht,
dann wird Gott auch über euch nicht zu Gericht sitzen.
Vergebt anderen, dann wird Gott auch euch vergeben.
38Schenkt, dann wird Gott auch euch beschenken:
Ein gutes Maß wird euch in den Schoß geschüttet –
festgedrückt, geschüttelt und voll bis an den Rand.
Denn der Maßstab, den ihr an andere anlegt,
wird auch für euch gelten.«
Wenn wir so ein Verhalten zur allgemeinen gesellschaftlichen Regel erheben würden, könnten wir die Banken schließen, die Strafverfolgung abschaffen und die internationalen Wirtschaftsbeziehungen beenden.
Bei diesen Empfehlungen Jesu handelt es sich also nicht um einen Vorschlag wie man Staaten oder internationale Beziehungen organisiert. Jesus sagt dies zu seinen Jüngerinnen und Jüngern und er setzt voraus. So soll man Handeln, wenn man von Gott für sein Handeln belohnt werden will. Wer so handelt, wird von Gott reich beschenkt, Gott wird einen nicht verurteilen und alles vergeben, was man bisher getan hat.
Aber ist es nicht viel zu schwer und völlig unrealistisch so zu handeln?
Vielleicht, aber sehen wir uns das mal im Einzelnen an:
Feinde lieben: Lieben Sie ihre Feinde? Vielleicht werden Sie jetzt antworten: Das ist doch ganz einfach. Ich habe keine Feinde und hatte auch noch nie Feinde. Ich erfülle dieses Gebot ganz locker. Mein Mann hat mal gesagt: Vielleicht ist es doch einfacher seine Feinde zu lieben als seine Freunde. Die Leute, die einem nahe stehen gehen einem eher auf die Nerven, während man von seinen Feinden besser Abstand halten kann. Und was heißt hier überhaupt lieben? Ich glaube wie bei den Nächsten lieben ist hier weniger eine Welle von Gefühlen und mehr ein Verhalten gemeint. Ich soll also meine Feinde mit Respekt behandeln, sie nicht verteufeln und versuchen zu verstehen, was sie so feindselig handeln lässt. Und ich sollte mich nicht meinen negativen Gefühlen gegenüber meinen Feinden hingeben. Das heißt ich sollte sie nicht hassen und nicht versuchen mich an ihnen zu rächen. Das finde ich vernünftig. Also ok Feinde lieben kann man zumindest versuchen. Es wird das eigene Leben besser machen.
Wenn dich einer auf die eine Backe schlägt, halte ihm auch die andere hin. Die Matthäusparallele ist das ein bisschen präziser. Die redet hier von linker und rechter Backe: Vorführen. Die Aussage ist also nicht: Wehre dich nicht, sondern versuche jemanden gegen den sich zu wehren zu gefährlich ist, zum Nachdenken zu bringen. Um das gleiche geht es auch bei dem Beispiel mit dem Mantel und dem Hemd. Wenn ich nackt vor dieser Person stehe, die mir den Mantel wegnehmen will, ist das eine peinliche Situation nicht nur für mich sondern auch für den anderen. Beides finde ich gute Ratschläge. Kann man machen.
Behandelt andere Menschen genauso wie ihr selbst behandelt werden wollt. Das ist eine Empfehlung, die plausibel ist in den meisten Religionen und Philosophien zu empfohlen wird. Ich glaube da hat niemand etwas dagegen. Das schöne hier ist, dass diese Empfehlung positiv formuliert ist. Wir kennen das als Sprichwort: Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem anderen zu. Jesus meint, man solle nicht nur etwas unterlassen, sondern aktiv freundlich gegenüber anderen Menschen handeln. Ja, das klingt doch richtig.
Jemandem Geld leihen, wenn man es vielleicht nicht zurück bekommt. Das klingt für mich nach Geld spenden, um die Welt etwas besser zu machen. Das ist doch grundsätzlich eine gute Idee.
Und als letztes: Andere nicht verurteilen. Es ist für alle gut, wenn wir uns darum bemühen andere zu verstehen und nicht gleich mit unseren Urteilen über sie herzufallen. Das klingt doch auch sinnvoll und realistisch.
Also wenn wir uns im einzelnen ansehen, was Jesus hier empfiehlt, ist es doch eigentlich ganz gut. Vielleicht sollten wir uns doch bemühen uns danach zu richten. Um so mehr Leute das tun um so besser wird das Leben für alle. Und eigentlich ist das doch vernünftig.
Jesus bezieht das aber nicht nur auf unser Leben jetzt. So zu handeln ist vernünftig ja, aber es ist auch so wie Gott es will. Und Gottes Willen zu tun, wird positive Folgen haben, jetzt hier auf dieser Erde und in einer weiteren Zukunft, die noch vor uns liegt. Jesus appelliert hier durchaus an den eigenen Nutzen und verspricht uns für solchen Handeln von Gott belohnt zu werden. Also versuchen wir es so gut wir es hinkriegen. Dass wir es nicht umfassend hinkriegen werden, ist ja klar. Aber jeder kleine Schritt ist ein Schritt in die richtige Richtung.
und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!