Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.
Liebe Gemeinde, als Pfarrer habe ich viele Rollen. Ich bin Beerdigungsredner. Ich vertrete die Amtskirche. Ich stehe symbolisch für alles, was die Menschen mit Christentum verbinden und der ganzen Geschichte des Christentums. Ich bin Chef, zusammen mit meiner Frau natürlich von einem Unternehmen mit einigen Angestellten. Ich bin Lehrer und für euch Konfis hoffentlich ein Begleiter in der Glaubensentwicklung, wenn euer Glaube von einem Kinderglauben zu einem Erwachsenenglauben wird.
Heute kommt eine weitere Rolle dazu. Ich bin Marktschreier. Dafür ist es ganz gut, dass das, was ich anzupreisen habe, mit Lautsprecher verstärkt auch noch auf der anderen Seite der Straße zu verstehen ist. Das ungewöhnliche ist: ich will kein Geld. Und was ich anbiete, ist sehr gut. Eigentlich müsste es weggehen wie warme Semmeln.
Ich lese Jesaja 55 die Verse 1-5.
Auf, ihr Durstigen, hier gibt es Wasser!
Auch wer kein Geld hat, kann kommen.
Kommt, kauft euch zu essen!
Kommt und kauft ohne Geld!
Wein und Milch – sie kosten nichts.
2Warum wollt ihr Geld ausgeben für Brot,
das nicht wie Brot schmeckt?
Warum wollt ihr euren mühsam verdienten Lohn
für etwas vergeuden, das nicht satt macht?
Hört doch auf mich, dann bekommt ihr Gutes zu essen
und könnt köstliche Speisen genießen.
3Hört mich an und kommt zu mir!
Hört, dann lebt ihr auf!
Ich will mit euch einen Bund schließen,
der für immer besteht.
Was ich David für immer versprochen habe,
gilt auch für euch.
4Ihn habe ich ja dazu bestimmt,
Völker zu beherrschen und ihnen Befehle zu erteilen.
So sollte er meine Macht vor den Völkern bezeugen.
5Ihr werdet Leute herbeirufen, die ihr nicht kennt.
Und Leute, die euch nicht kennen, kommen herbei.
So will es der Herr, euer Gott,
der Heilige Israels.
Er lässt euch diese Ehre zuteil werden.
Hier im christlichen Glauben gibt es Wasser und Milch, die wirklich den Durst löschen. Hier gibt es Brot, das wirklich nach Brot schmeckt und den Hunger stillt. Und das, ohne dass Menschen ihr sauer verdientes Geld dafür opfern müssen. Umsonst gibt es das, was wahrhaft den Durst und den Hunger stillt.
Beim Abendmahl sage ich es immer wieder zu. Dort essen und trinken wir symbolisch, um uns klar zu machen. Ja, Gott ist der, der unseren Durst nach Sinn und Leben und Fülle stillt. Ja, Gott ist der, der unseren Hunger nach Leben wahrhaft stillt.
Wieso geht diese Botschaft nicht weg wie warme Semmeln? Wieso muss ich noch den Marktschreier spielen?
Es ist nicht so einfach, dass unser Glaube in die Tiefe dringt und wirklich unseren tiefsten Hunger und Durst stillt. Das geschieht nur manchmal, wenn wir Gott besonders nahe kommen. Wenn uns im Gottesdienst oder auch in anderen Situationen etwas besonders in der Tiefe anspricht.
Alles, was wir tun, ist eigentlich auf diesen Gott ausgerichtet. Auf den Gott, der beschrieben wird als der Brunn alles Heils. Als die Quelle aller Liebe und freundlichen nahen Zuwendung. Aber in all dem Durcheinander des normalen alltäglichen Lebens geht etwas davon verloren. Wir sind immer auf der Suche nach diesem Wasser, das wahrhaft den Durst stillt, nach diesem Brot, das wahrhaft den Hunger stillt.
Wir können uns im Alltag gutes Essen und Trinken besorgen und eine möglichst entspannte Atmosphäre zum Essen und Trinken. Das hilft schon viel. Aber das ist nur der allererste Schritt. Damit auch unsere Seele ernährt wird, braucht es viel mehr.
Wir müssen überlegen: was tut mir wirklich gut? Was tut den Menschen gut, die mir nahe sind? Wie kann es geschehen, dass wir Hunger und Durst nicht nur oberflächlich und mit Schlechtem stillen?
Meine Aufgabe als Pfarrer ist es, aus dem reichen Schatz der Christentumsgeschichte etwas zu zuzubereiten, dass heutige Menschen etwas davon kosten können und auf den Geschmack kommen.
Wir haben dieses dicke Gesangbuch und das dünne Gesangbuch. Wir haben die Bibel in verschiedenen Übersetzungen. Aber alte Texte und der Hunger unserer Seele – das muss zusammenkommen und das ist schwierig. Ich versuche zu übersetzen. Ich versuche, mundgerechte Häppchen zu servieren. Sie, liebe Gemeinde, müssen Appetit mitbringen. Neugierig probieren. Mal etwas kosten, was Sie noch nicht kennen. Etwas von dem Reichtum entdecken.
Meine Frau und ich beobachten seit gut 10 Jahren, dass ihr Konfis viel ernsthafter schaut, was da am christlichen Glauben dran ist. Ihr wisst und spürt, dass wir in einer gefährdeten Welt leben. Man kann froh sein, wenn etwas noch funktioniert. Und ich kann euch sagen und das können viele ältere hier im Gottesdienst sagen: das mit dem christlichen Glauben funktioniert. Der Glaube hilft einem, Schwieriges zu verarbeiten und zu überwinden. Der Glaube hilft einem, einen Sinn zu finden und den tiefen Hunger nach Leben und Liebe, nach Sinn und Dazugehören zu stillen. Redet ruhig mit den Menschen hier in der Kirchengemeinde. Z.B. mit den Paten aus dem Kirchenvorstand, die euch in der Konfizeit und darüber hinaus begleiten sollen.
Allmählich verstehen wir, wieso das mit dem christlichen Glauben nicht so einfach weggeht wie warme Semmeln. Es geht nicht nur um einfache Häppchen. Mal so ein Appetithäppchen zwischendurch. Irgendwie muss da eine regelmäßige Nahrung her.
Was heißt das für unseren christlichen Glauben und die Entwicklung unseres Glaubens im Lauf des Lebens?
Ich bin jetzt 62 Jahre alt und ich habe noch Zugang zu den alten Lieder bekommen, weil ich in einer Gemeinde groß geworden bin, wo das wichtig war. Das ist schon in meiner Generation ungewöhnlich. Ihr, liebe Konfis, lernt die Bibel jetzt über eure Konapp kennen. Ihr müsst nicht so viel auswendig lernen wie frühere Konfigenerationen. Dafür lernt ihr anderes. Ihr lernt selbst zu denken und mit eurem Konfispruch etwas zu machen dann zu eurem Vorstellungsgottesdienst. Ich hoffe, die Konfizeit tut euch gut und hilft euch. Und ich hoffe, ihr nehmt mit: man kann immer in den Gottesdienst kommen. Es kostet nichts. Man darf auch kommen, wenn man aus der Kirche ausgetreten ist.
Viele Menschen haben heute nur selten noch Kontakt zur Kirche oder zu christlichen Inhalten. Um so wichtiger ist es dann, hinzuhören, wenn einen die göttliche Stimme ansprechen will. Und zuzugreifen, wenn es Wasser gibt, das wahrhaft den Durst stillt und Brot, das wahrhaft den Hunger stillt.
Was das ist, das kann sehr unterschiedlich sein. Wichtig ist nur: da ist Gott. Gott, die Quelle. Der Brunnen. Das Brot. Aus seiner Fülle haben wir genommen Gnade um Gnade. Das gilt für uns. Daran können wir immer, zu jeder Lebenszeit, anknüpfen. Selbst wenn wir im Altersheim sind – Gott, die Fülle, ist nur ein Gebet weit von uns entfernt.
Ihr Konfis lernt Beten in der Konfizeit. An den Konfitagen und im Gottesdienst sagt ihr eine Fürbitte. Das ist sehr wichtig. Und ihr wisst: in eurem Herzen könnt ihr Gott alles sagen. Sogar das, was man anderen nicht sagen würde.
Das mit dem Hunger und Durst stillen, das findet ja tief in uns statt. Da, wo wir von Gott bei unserem Namen gerufen werden. Wo wir entscheiden, wer wir sein wollen.
Vielleicht wird für euch Konfis im Lauf des Lebens etwas wichtiger, was schon heute wichtig ist. Am Ende unseres Predigttextes ist davon die Rede. Menschen aus anderen Völkern kommen. Die Sache mit Gott weitet sich so aus. Und so wird aus diesem Hunger und Durst stillen etwas, das über die Grenzen eines Landes hinausgeht. Vielleicht findet das Hunger und Durst stillen gerade zwischen den Völkern statt.
Für den christlichen Glauben stimmt das immer mehr. Bei uns in Westeuropa und den USA wird der christliche Glaube ausgedünnt und randständiger. In vielen Ländern wächst der christliche Glaube und hat mehr Kraft. Vielleicht werden wir mehr von anderen Ländern lernen in der nächsten Zeit. Damit wir nicht unseren Hunger stillen mit Kram, der erst mal gut aussieht und erst mal gut schmeckt, aber nicht wirklich gut tut. Das, was wahrhaft Hunger stillt, ist da. Es gibt es umsonst. Wir müssen nur zugreifen. Essen, was den Hunger stillt. Trinken, was den Durst stillt. Trinken wir aus dem Brunnen unerschöpfter Güt. Von dem singen wir gleich.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben. Amen.