Mehr als materielle Wünsche 14.12.25 Albrecht Burkholz

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Liebe Gemeinde,

auf dem Weg zum Netto hängt ein Plakat. Da steht: ein Ort für alle Wünsche. Damit ist gemeint das Loop 5. Meine Frau und ich haben es bei unserem Spaziergang gelesen. Meine Frau regte sich auf: Das ist doch schrecklich, wenn alle Wünsche nur noch materiell sind. Da geht doch das verloren, was uns Menschen ausmacht. Dass wir tief in der Seele mit Gott verbunden sind. Dass wir mehr sind als Konsum. Dass wir von Gott geliebte Menschen sind. Dass wir bei der Taufe bei unserem Namen gerufen wurden. Dass Gott für jeden Menschen einen Sinn und einen Auftrag und einen Plan hat, den es zu entdecken gilt.

Jetzt kann ich im Sinne meiner Frau heute mit dem Predigttext wettern, wie ich es schon immer mal machen wollte: Ihr Schlangenbrut! Wer hat euch auf den Gedanken gebracht, dass ihr dem bevorstehenden Gericht Gottes entgeht? Zeigt durch euer Verhalten, dass ihr euer Leben wirklich ändern wollt!

Das Problem ist: die, das  Plakat gemacht haben, sind heute nicht in der Kirche. Auch Putin ist nicht da. Dem würde ich gerne eine Strafpredigt halten.  Ich schaue mich hier in der Kirche um am dritten Advent und ich sehe, dass wir eher Trost und Entspannung brauchen, keine Strafpredigt. Die Strafpredigt müsste an andere gehen. Menschen in einflussreichen Positionen.

Aber vielleicht brauchen auch wir eine Strafpredigt. Damit wir etwas ändern können. Denn das gibt uns das Gefühl von Kontrolle und Einfluss und Macht. Nur, wenn wir verantwortlich sind in unserem Einflussbereich, können wir auch etwas ändern und sind nicht ohnmächtig. Also, ich lese uns unseren  Predigttext aus Lukas 3,1-20 und  wir hören dabei: wir sind von Gott wert geachtet, in die Verantwortung genommen zu werden. Wir sind von Gott wert geachtet, dass mit uns und bei uns Gottes Wirkung auf diese Welt sich entfalten kann.

1Es war im 15. Regierungsjahr des Kaisers Tiberius.

Pontius Pilatus war römischer Statthalter in Judäa.

Herodes regierte als Landesfürst in Galiläa,

sein Bruder Philippus als Landesfürst

in Ituräa und Trachonitis.

Und Lysanias war Landesfürst in Abilene.

2Die Hohepriester waren Hannas und Kaiphas.

Da rief Gott Johannes in seinen Dienst.

Johannes war der Sohn des Zacharias

und lebte in der Wüste.

3Nun zog er durch die ganze Gegend am Jordan

und verkündete den Menschen:

»Lasst euch taufen und ändert euer Leben!

Gott will euch eure Schuld vergeben.«

4So steht es im Buch des Propheten Jesaja:

»Eine Stimme ruft in der Wüste:

›Macht den Weg bereit für den Herrn,

ebnet ihm die Straße.

5Jede Schlucht soll aufgefüllt werden

und jeder Berg und jeder Hügel abgetragen.

Was krumm ist,

muss gerade werden

und die unebenen Wege eben.

6Alle Welt soll sehen,

dass Gott die Rettung bringt.‹«

 7Die Menschen kamen in Scharen zu Johannes heraus,

um sich von ihm taufen zu lassen.

Er sagte zu ihnen:

»Ihr Schlangenbrut!

Wer hat euch auf den Gedanken gebracht,

dass ihr dem bevorstehenden Gericht Gottes entgeht?

8Zeigt durch euer Verhalten,

dass ihr euer Leben wirklich ändern wollt!

Redet euch nicht ein: ›Abraham ist unser Vater!‹

Denn ich sage euch:

Gott kann diese Steine hier

zu Kindern Abrahams machen.

9Die Axt ist schon an die Baumwurzel gesetzt:

Jeder Baum, der keine gute Frucht bringt,

wird umgehauen und ins Feuer geworfen.«

10Die Leute fragten Johannes:

»Was sollen wir denn tun?«

11Er antwortete: »Wer zwei Hemden hat,

soll dem eins geben, der keines hat.

Wer etwas zu essen hat,

soll auf die gleiche Weise handeln.«

12Es kamen aber auch Zolleinnehmer,

um sich taufen zu lassen.

Die fragten Johannes: »Lehrer, was sollen wir tun?«

13Er antwortete: »Verlangt nicht mehr,

als in euren Vorschriften steht!«

14Es fragten ihn aber auch Soldaten:

»Und wir, was sollen wir tun?«

Er antwortete: »Misshandelt und erpresst niemanden,

sondern gebt euch mit eurem Sold zufrieden!«

 15Das Volk setzte große Erwartungen in Johannes.

Alle fragten sich: »Ist er vielleicht der Christus?«

16Johannes erklärte ihnen: »Ich taufe euch mit Wasser.

Aber es kommt einer, der ist mächtiger als ich.

Ich bin es nicht einmal wert,

ihm die Riemen seiner Sandalen aufzuschnüren.

Er wird euch mit Heiligem Geist und mit Feuer taufen.

17Er hat die Worfschaufel in seiner Hand.

Damit wird er sein Getreide gründlich aussieben.

Den Weizen wird er in seine Scheune bringen.

Aber das Stroh wird er in einem Feuer verbrennen,

das nicht ausgeht.«

18Mit diesen und vielen anderen Worten

rüttelte Johannes das Volk auf.

So verkündete er die Gute Nachricht.

19Johannes tadelte auch den Landesfürsten Herodes.

Denn Herodes hatte Herodias geheiratet,

die Frau seines Bruders,

und darüber hinaus viel Unrecht getan.

20Zusätzlich zu all dem Unrecht ließ Herodes

auch noch Johannes ins Gefängnis werfen.

Schauen wir uns einmal an, was Johannes der Täufer von den Menschen verlangt. Er verlangt, dass sie sich ändern und als Zeichen dieser großen Lebensveränderung sich von ihm im Fluss Jordan, draußen außerhalb der Dörfer und Städte, taufen lassen. Und dann ist es eigentlich ganz einfach: Wer zwei Hemden hat, soll dem geben, der keines hat. Wer zu essen hat, soll dem geben, der nichts hat. Zöllner sollen nur so viel Zoll nehmen, wie es den Vorschriften entspricht. Soldaten sollen nicht ihre Waffen missbrauchen, um den Leuten etwas wegzunehmen.

Offensichtlich gibt es viel Armut. Es ist nicht selbstverständlich, dass man zu essen hat. Es ist nicht selbstverständlich, dass man Kleidung hat. Es gibt viel Machtmissbrauch. Zöllner und Soldaten stehen mit dem Besatzungsmacht im Bund, den Römern. Und die beuten das Land und die Leute aus. Immer wieder gibt es Aufstände. Manche ziehen sich in Klöster in die Wüste zurück. Die Menschen kommen aus den Städten zu diesem berühmten Bußprediger an den Jordan. Sie lassen sich taufen und versuchen anders zu leben. Damit wird vorbereitet, dass Jesus kommt. Jesus wird Menschen heilen. Ein neues Gottesvolk starten mit den 12 Jüngern. Und Regeln ausgeben, als würde man schon im Reich Gottes leben: Barmherzig. Großzügig. Vergebend. Liebend.

Mitten in einer großen Krise zeigen Johannes und Jesus Möglichkeiten.

Wenn wir heute von Krise reden, dann sind wir weit von den damaligen Krisen entfernt. Wir haben genug Essen und Trinken. Was uns heute stresst, sind die vielen Nachrichten und Bilder und Versuchungen, die auf einprasseln. In den sozialen Medien gibt es ausgefeilte Techniken, die uns süchtig machen und unsere Seele beschädigen. Uns Lebenskraft aussaugen. Sodass wir so weit sind, alle unsere Wünsche in einem Einkaufszentrum verwirklicht zu sehen. Was für eine Seelenlosigkeit. Und wir alle werden davon geprägt.

Advent ist eine Zeit der Buße, der Umkehr, der Veränderung. Das zeigt unser Predigttext und das zeigen der lila Altarbehang und der lila Kanzelbehang. Wir bereiten uns innerlich vor. Weihnachten heißt dann: wir begehen mehr Harmonie als da ist. Damit etwas davon dann wahr werden kann. Und dazu ist es ausgeprochen hilfreich, wenn wir an unserem Ort das tun, was die normale menschliche Hilfsbereitschaft uns nahelegt. Das hilft schon. Das entspannt. Das nimmt Stress raus. Das bringt etwas von Gott auf die Erde. Etwas davon, was Gott will. Dass Menschen wahrhaft menschlich miteinander umgehen. Dazu ist Gott Mensch geworden. Damit wir wahrhaft menschlich werden. Und dazu gehört, dass wir entdecken, dass wir tief in der Seele mit Gott verbunden sind. Unsere Wünsche sind mehr als wir im Loop5 finden können. Unsere Wünsche beziehen sich in der Tiefe unserer Seele auf Gott und sein Reich. Und damit ist uns die ganze lange christliche und jüdische Tradition eröffnet. Die ganze dicke Bibel mit all den ungewöhnlichen Worten, Ideen und Geschichten. Das ganze Gesangbuch mit den Liedern aus soviel Jahrhunderten. Mit ganz anderer Sprache. Mit ganz anderen Bildern. Mit ganz anderen Träumen. Mit Gebeten, die wir zu unseren machen können und die uns über alle den Konsum und all die Manipulationen im Internet hinaus wachsen lassen. Unsere Wünsche gehen weiter als ins Loop 5. Unsere Wünsche richten sich auf den Himmel.

Und  der Friede Gottes…