Nacht der Lichter 4.2.24

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

heute feiern wir Nacht der Lichter. Die Kirche ist in Kerzenschein getaucht, und in uns wächst die Hoffnung, dass Gottes Licht uns leuchtet und am Ende alles gut werden wird. Wir gehen auf das Reich Gottes zu und nicht auf den Untergang. Diese Überzeugung brauchen wir gerade in schwierigen Zeiten. Und sie wird genährt von den Texten der Bibel. Unser Predigttext heute ist ein Gleichnis von Jesus. Das heißt Jesus vergleicht etwas, was in der Natur geschieht mit dem Reich Gottes. Ich lese Markus 4,26-29:

26Danach sagte Jesus:

»Mit dem Reich Gottes ist es wie bei einem Bauern.

Er streut die Körner auf das Land,

27dann legt er sich schlafen und steht wieder auf –

tagaus, tagein.

Die Saat geht auf und wächst –

aber der Bauer weiß nicht, wie das geschieht.

28Ganz von selbst bringt die Erde die Frucht hervor.

Zuerst den Halm, dann die Ähre

und zuletzt den reifen Weizen in der Ähre.

29Wenn das Getreide reif ist,

schickt er sofort die Erntearbeiter los,

denn die Erntezeit ist da.«

Ein Gleichnis ist ein Vergleich. Was wird hier mit was verglichen. Ich denke, Jesus vergleicht das Reich Gottes  mit dem Prozess des Getreideanbaus. Zuerst muss jemand etwas tun. Also die Weizenkörner säen. Aber dann muss man warten und braucht viel Geduld und Vertrauen darauf, dass schon das Richtige passieren wird. In dieser Zeit wäre es schädlich etwas zu tun. Und am Ende muss man wieder etwas tun, nämlich die Ernte einfahren.

Der Weizen selbst wächst im Verborgenen. Lange sieht man überhaupt nichts und wenn man das erste Grün sieht, dann kann man sich noch nicht wirklich vorstellen, dass daraus etwas wird, was sich zum Brot backen eignet und von dem man leben kann.

Wir haben heute ja viel Grund zum Klagen. In unseren Land sind viele Bereiche des Lebens nur gerade noch so am funktionieren. Es dauert oft sehr lange bis man einen Facharzttermin bekommt. Manche Rente ist so klein, dass man kaum davon leben kann. Corona hat uns aus unseren sozialen Gewohnheiten herausgerissen und es ist schwer unser soziales Leben wieder aufzubauen. Chöre sind eingegangen. Die Bahn hat oft Verspätung. Essen gehen wird immer teurer und auch die Lebensmittel sind stark im Preis gestiegen. Viele Menschen machen sich Sorgen und fragen sich wie es wie es weiter gehen wird. Die Stimmung ist vieler Orts gedrückt. Und selbst in der Kirche stehen so viele Veränderungen an, dass möglicherweise kein Stein mehr auf dem anderen bleibt. Das alles ist beängstigend. Aber Angst führt uns nicht weiter sondern lähmt uns und verhindert, dass wir die Auswege finden.

Also schlage ich die Bibel auf und bin erstaunt. Im Vergleich zu der Zeit damals ist unsere Zeit heute das Paradies. Mindestens ein drittel der Menschen im römischen Reich waren Sklaven. Und ein großer Teil der ländlichen Bevölkerung war immer in der Gefahr selbst versklavt zu werden, wenn es eine Missernte gab und sie ihre Schulden nicht bezahlen konnten. Die durchschnittliche Lebenserwartung lag bei etwas über 25 Jahren. Das Leben war nicht annähernd so sicher wie heute. Und trotzdem ist Jesus so hoffnungsvoll und erzählt uns in seinem Gleichnis, dass das Reich Gottes im Verborgenen wächst, ohne dass wir etwas dazu tun müssen. Wir brauchen nur Geduld.

Ich glaube Jesus hat recht und das gilt auch für uns. Wir brauchen Hoffnung auf Gott und wir brauchen Geduld. Im Verborgenen geschieht viel Gutes, was wir jetzt noch nicht sehen können.

Zum Beispiel war eine Freundin zum ersten Mal in ihrem Leben auf einer Demonstration in Darmstadt. Sie hat sich für Demokratie und Menschenrechte stark gemacht. Und sie hat von der Demonstration erzählt: Es war so eine tolle Stimmung. Es waren Menschen aus allen Generationen da. Und es gab tolle Reden. Und ich habe gemerkt. Wir, die wir für die Demokratie einstehen sind die Mehrheit und gegen uns hat die Hetze und der Versuch unseren Rechtsstaat zu zerstören keine Chance. Und war ein wunderbares Gefühl. Das war vorher auch nicht zu sehen. Das ist im Verborgenen gewachsen. Und plötzlich ging es los und alle machen mit.

Und das war nicht das erste Mal, dass so etwas passiert ist. Es geschieht soviel Gutes, das im Verborgenen wächst. Corona und der Krieg in der Ukraine ist ein Rückschlag, aber vorher waren wir auf einem guten Weg, den Hunger in der Welt zu besiegen. Ich empfehle das Buch von Hans Rosling Factfulness. Hans Rosling hat die Daten zusammengestellt darüber, was sich in der Welt in den letzten 20 Jahren alles verbessert hat. Die extreme Armut und der Hunger sind massiv zurück gegangen. Die Lebensbedingungen der allermeisten Menschen haben sich deutlich verbessert und zwar überall auf der Welt und am meisten in Afrika und Südasien.  Und wir haben das kaum mitbekommen. In Afrika sind die Kinder zum Teil häufiger geimpft als bei uns in Deutschland. Die Malaria wird wirksam bekämpft. Krebs ist inzwischen nicht mehr unbedingt ein Todesurteil. Mit HIV kann man leben ohne dass das Leben kürzer sein muss. Der medizinische Fortschritt ist gewaltig. Und zwar nicht nur bei uns sondern auch in der Zweidrittelwelt.

Und selbst die Verkehrstoten auf unseren Straßen sind nur noch 10% von dem wie es in den 70iger Jahren war. Und auch die Gewalt ist in der Gesellschaft massiv zurück gegangen. Wenn ich mich erinnere, was ich als Grundschulkind erlebt habe und das mit den Schulen heute vergleiche, dann ist das Fortschritt pur. Ich hatte noch einen Lehrer, der die Kinder, wenn sie einen Fehler gemacht haben, schmerzhaft an den Ohren gezogen hat. Und ein Junge wurde von einer Meute immer auf dem Weg von der Schule nach Hause verprügelt. So etwas gibt es zwar immer noch, aber heute kümmert sich jemand darum, dass das abgestellt wird. Damals war das einfach nur normal.

Wir leben heute zwar immer noch nicht im Reich Gottes, aber Gott wirkt in uns und unter uns. Und Gott lässt viel Gutes wachsen. Und im Rückblick können wir sehen, dass die Geduld sich lohnt und vieles immer besser wird. Natürlich gibt es auch die Gegenbewegung. Es gibt Hass und Hetze nicht nur im Internet. Aber wie bei den Demonstrationen jetzt zeigt sich, dass eine Mehrheit der Menschen nicht bereit ist sich damit abzufinden. Wir werden uns die Fortschritte bei Demokratie und Gerechtigkeit nicht nehmen lassen. Und das liegt daran, dass Gott in unseren Herzen ein Gefühl für das Gute hat wachsen lassen. Und deshalb scheint es immer wieder auf und ist letztendlich stärker als alles, was uns runterzieht.

Das Reich Gottes wächst im Verborgenen. Wir können es säen, wir werden es ernten. Wir wissen nicht wie es geschieht. Aber es passiert, selbst wenn die Kirche mit massiven Problemen zu kämpfen hat. Ich verlasse mich darauf, dass auch hier wir einfach nur viel Geduld brauchen und sich dann mit Gottes Hilfe die richtigen Einsichten durchsetzen werden. Denn wenn jemand einmal von Gottes Geist berührt wurde, dann wird er oder sie sich den Glauben nicht mehr wegnehmen lassen und auch nicht mehr darauf verzichten wollen Gottes Gegenwart in allen Dingen zu sehen. Und voller Dankbarkeit auf das zu blicken, was Gott uns geschenkt hat.

und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!