Okuli 7.3.21

Epheser 5,1-2 Nehmt euch also Gott zum Vorbild! Ihr seid doch seine geliebten Kinder.2Und führt euer Leben so, dass es ganz von der Liebe bestimmt ist. Genauso hat auch Christus uns geliebt und sein Leben für uns gegeben –als Opfer und als Duft, der Gott gnädig stimmt.

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

Genauso hat auch Christus uns geliebt und sein Leben für uns gegeben –als Opfer und als Duft, der Gott gnädig stimmt.

Ich kenne Leute, die würde es bei diesem Satz gruseln. „Das ist genau das, was ich am Christentum schrecklich und auch unverständlich finde“, würden sie sagen. „Also von mir aus hätte Gott mir gerne meine Schuld vergeben können, ohne dass Jesus sich für mich opfert. Und was ist das für ein Gott, der seinem eigenen Sohn so etwas zumutet. Und dann soll dieses Opfer Gott auch noch gefallen? Das ist mir zu brutal. Ist Gott nicht von sich aus gnädig? Wieso muss er dann noch durch ein Menschenopfer gnädig gestimmt werden?“

Ja, in der Kirchengeschichte gab es diese Satisfaktionslehre. Anselm von Canterbury war dafür bekannt, dass er fand: „Unsere Sünde beleidigt Gott, und durch das Opfer Jesu wird die Ehre Gottes wieder hergestellt, so dass Gott uns vergeben kann.“

Das ist aber nicht das, was in der Bibel steht. Sondern es ist ein Missverständnis der biblischen Vorstellungen.

Es gibt nicht nur eine sondern mehrere biblische Vorstellung davon, was Jesu mit seinem Opfer bewirkt hat.

Die Schülerinnen und Schüler Jesu haben erlebt, dass Jesus brutal hingerichtet wurde. Und sie wussten, dass das irgendwie zu ihren Gunsten geschah. Denn wenn Jesus den Aufstand gegen die Römer angeführt hätte, wie zum Beispiel Judas das wollte, hätte es ein Blutbad gegeben. Stattdessen hat Jesus entschieden, dass er sterben würde und dafür sie und die Bevölkerung von Jerusalem leben soll. Und dann mussten sich sich die Schülerinnen und Schüler Jesu damit auseinander setzten, dass ihr Rabbi, sein Leben zu ihren Gunsten gegeben hat.

Niemand hat behauptet, dass Gott Jesus geopfert hat. Es war immer klar, dass Jesus selbst entschieden hat für sie in den Tod zu gehen. Er hat sich für sie geopfert. Und dann haben sie die Opfertheologie der Bibel aufgegriffen, um zu erklären, was dieses Opfer bedeutet.  Alle waren sich einig, dass dieses Opfer sühnende Wirkung hat. Das Ergebnis des Opfers ist: Gott vergibt uns Menschen die Schuld. Aber wie genau geschieht das? Und auch mit Opfertheologie wurden die Erklärungen ganz unterschiedlich.

Der Hebräerbrief zum Beispiel sagt: Jesus ist unser Hohepriester. Das Opfer Jesu war das letzte Opfer. Und ab sofort soll es keine Opfer mehr geben. Wir haben direkten Zugang zu Gott und sollen nichts und niemanden mehr opfern.

Der Epheserbrief sagt: Christus hat uns geliebt. Seiner Liebe verdanken wir es, dass Gott uns unsere Schuld vergibt. Christus ist bei Gott für uns eingetreten und dafür ist unsere Schuld jetzt weg.

Die Evangelien sehen es ähnlich. Aus Liebe zu uns Menschen ist Jesus in den Tod gegangen. Und Gott hat dieses Opfer bestätigt, indem Gott Jesus das geschenkt hat, was er so geliebt hat, also uns Menschen.

Also, Gott fordert kein Opfer von Jesus. Und es gefällt ihm auch nicht, dass Jesus zum Opfer der menschlichen Brutalität wird. Aber Gott nimmt das, was Jesus tut zum Anlass uns Menschen zu zeigen, wie groß seine Liebe zu uns Menschen ist. Indem er Jesus von den Toten auferweckt und uns allen ewiges Leben anbietet, sagt Gott: „Ihr habt meinen Sohn umgebracht, ihr habt nicht auf Jesus gehört, obwohl er so viele geheilt hat und obwohl er euch einen Weg zu einem guten Leben gezeigt hat, habt ihr Menschen ihn umgebracht. Und ich zeige euch nun, dass ich euch trotzdem liebe, und dass ich euch eure Schuld vergebe. Gerade jetzt – und trotz eurem Handeln. Wenn ihr es jetzt nicht kapiert, fällt mir dazu auch nichts mehr ein. Ich Gott reagiere auf die Ermordung meines geliebten Sohnes nicht mit Rache sondern mit noch mehr Liebe und Vergebung. Vielleicht könntet ihr jetzt mal verstehen, wie wichtig ihr mir seid.“

Dies alles sind unterschiedliche Deutungen des Opfers Jesu in der Bibel. In keiner dieser Deutungen ist Gott ein brutales Wesen, das den Mord an Jesus gut findet. In keiner dieser Deutungen hat Gott Spaß an Gewalt. Und die Bibel weiß in jeder dieser Deutungen, dass Gott uns natürlich auch, ohne dass Jesus sich am Kreuz für uns opfert, unsere Schuld vergeben würde.

Nicht Gott ist hier das Problem sondern wir. Wir müssen verstehen wie groß die Liebe Gottes zu uns ist. So groß, dass Gott an das menschliche Verbrechen Jesus gegenüber, die Vergebung unserer Schuld bindet. Größer kann keine Liebe sein als die Liebe Gottes, die uns trotzdem weiter liebt.

Bedenken wir das in der Passionszeit. Wir haben einen liebevollen Gott an unserer Seite. Noch nicht einmal die schlimmste Brutalität unsererseits kann Gott davon abbringen, für uns zu sein und uns ewiges Leben anzubieten. Und in all unserem Leid wissen, Gott ist bei uns an unserer Seite und versteht, was wir durchmachen. Wenn das kein Grund ist, dankbar zu sein und uns zu freuen!

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!

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