Ostermontag 5.4.21 Albrecht Burkholz

Offenbarung 5,6-14

Da sah ich ein Lamm. Es stand zwischen dem Thron und den vier Lebewesen, mitten unter den Ältesten. Das Lamm sah aus, als ob es geschlachtet wäre. Es hatte sieben Hörner und sieben Augen. Diese Augen sind die sieben Geister Gottes, die in die ganze Welt gesandt worden sind.7Das Lamm ging zu dem, der auf dem Thron saß. Und es nahm das Buch aus seiner rechten Hand.8Als es das Buch genommen hatte, warfen sich die vier Lebewesen vor dem Lamm nieder. Dasselbe taten auch die 24 Ältesten. Jeder von ihnen hatte eine Leier und eine goldene Schale voller Räucherwerk. Der Weihrauch, das sind die Gebete der Heiligen.9Und sie sangen ein neues Lied:» Du bist würdig, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen. Denn du wurdest geschlachtet und hast mit deinem Blut die Menschen für Gott freigekauft –Menschen aus allen Stämmen, Völkern und Nationen und mit allen Sprachen.10Du hast ihnen Anteil am Reich Gottes gegeben und sie zu Priestern gemacht. Und sie werden auf der Erde herrschen.«11Dann sah ich viele Engel und hörte ihre Stimmen. Sie standen rings um den Thron, außen um die Lebewesen und die Ältesten. Es waren 10.000mal 10.000 und 1000mal 1000.12Sie riefen mit lauter Stimme: »Das Lamm, das geschlachtet wurde ,ist würdig, die Macht zu bekommen –dazu auch Reichtum und Weisheit, Kraft und Ehre, Herrlichkeit und Lob.«13Und alle Geschöpfe im Himmel und auf der Erde, unter der Erde und im Meer– alles, was in der Welt ist –,sie alle hörte ich rufen:» Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm sei Lob und Ehre. Sie regieren in Herrlichkeit und Macht für immer und ewig.«14Die vier Lebewesen antworteten: »Amen. «Und die Ältesten warfen sich nieder und beteten sie an.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Liebe Gemeinde am heutigen Ostermontag 2021 inmitten des zweiten coronaeingeschränkten Osterfestes. Meine Botschaft heute lautet: Der Gekreuzigte wird Weltenherrscher – und wir Christinnen und Christen weltweit werden mit ihm wichtig für das Heil der Welt.

Wir haben gerade den Predigttext aus Offenbarung 5 gehört. Auch wenn das in heutiger verständlicher Sprache, in der Basisbibel, extra für Jugendliche entwickelt, vorgetragen wurde – es ist doch sehr fremd, was uns da beschrieben wird.

Da ist ein himmlischer Thronsaal. Viele verschiedene Figuren gibt es da, die zum Thronstaat gehören. Und dann wird das Lamm in sein Amt als Weltenherrscher eingeführt. Mit großem liturgischem Aufwand findet dieser feierliche Gottesdienst zur Amtseinführung statt. Jesus Christus, der Gekreuzigte, wird zum Richter der Welt, zum Weltenherrscher. Er hat mit seinem Blut die Menschen für Gott freigekauft. Deshalb steht es ihm zu, die geheimnisvolle Schriftrolle zu öffnen, das Buch mit 7 Siegeln, in dem das wahre Geheimnis steht. Die eigentliche Wirklichkeit, das was uns alle ausmacht, die Zukunft, wird hier enthüllt. Und damit die Lösung für alle Probleme der Menschheit. Denn jetzt beginnt der Weg zum Ende. Der Weg wird durch Katastrophen hindurch führen. Aber am Ende steht die himmlische Stadt. Gott wird in ihrer Mitte wohnen. Die Tränen werden abgewischt sein. Und Gott wird sein alles in allem. Die Harmonie und der Frieden des Anfangs, damals im Paradiesgarten, werden wiederkommen in der himmlischen Stadt mit Gott mitten unter den Menschen.

Und dieses Geschehen beginnt mit dem Kreuz.

Der, der verachtet war, kommt jetzt zu höchsten Ehren.

Der, der beleidigt wurde, wird jetzt anerkannt und alle verbeugen sich vor ihm.

Der, der ohnmächtig war, bekommt nun alle Macht.

Der, den sie aus der Stadt ausgestoßen haben, steht nun als Herrscher im Mittelpunkt.

Das feiern wir an Ostern. Aus dem Kreuz wird die Auferstehung. Der gekreuzigte Jesus wird zum himmlischen Herrscher.

Und wir Christinnen und Christen sind mit Jesus in der Taufe verbunden. Wir machen diese Bewegung mit. Wir gehen mit Jesus durch die Tiefe hindurch und dabei geschieht die entscheidende Veränderung. Das Heil der Welt beginnt. Und weil wir zu Jesus gehören, beginnt es auch bei uns und durch uns. Manchmal auch trotz uns. Die Sache Jesu ist stark. Sie lässt sich durch das Kreuz nicht aufhalten. Und sie lässt sich auch nicht aufhalten, wenn wir wie Petrus verleugnen, wie Judas verraten, wie die anderen Jünger wie feige Hasen weglaufen. Trotzdem beginnt für uns alle eine neue Zeit. Eine Zeit des Heils. Das Osterwunder kommt auch zu uns.

Wir sind gerade sehr eingesperrt und eingeschränkt. Das waren die Jünger auch, als Jesus gestorben war. Aber dann kam Ostern. Es brauchte Zeit, bis die Herzen bereit waren. Erst zu Pfingsten haben sich die Jünger dann aus dem Haus raus getraut. Aber die entscheidende Sache geschieht hier an Ostern. Das Lamm wird zum Weltenherrscher. Das Buch mit 7 Siegeln wird geöffnet. Damit beginnt die Endzeit. Und was auch immer jetzt noch an Katastrophen geschieht,  es gehört zu einem großen Plan. Und dieser Plan endet gut. Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende. Mit diesem himmlischen Gottesdienst zur Amtseinführung des Lammes beginnt der Anfang vom Ende. Der Anfang vom guten Ende.

Wenn wir Gottesdienst feiern, dann nehmen wir Teil an diesem himmlischen Gottesdienst. Katholische Gottesdienste sind feierlicher und drücken damit mehr das himmlische aus. Evangelische Gottesdienste sind weniger feierlich und drücken mehr aus, dass von uns Christen eine Bewegung zum Heil hin ausgeht. Noch sind wir nicht da. Noch ist nur die Hoffnung gestärkt worden. Unser Haupt Jesus Christus ist in sein Herrscheramt eingesetzt worden. Und wir tragen mit unserem Leben dazu bei, dass seine Sache in unserer Welt vorankommt.

            Ein Beitrag dazu sind schöne feierliche Gottesdienste, die uns verbinden mit dem himmlischen Geschehen. Unser Lobpreis ist verbunden mit dem himmlischen Lobpreis. Ich kenne eine ganze Menge Menschen in Messel, die schon geimpft sind. Vom Kirchenchor sind es schon so viele, dass schon abzusehen ist, dass wir irgendwann wieder singen können. Ich übe schon kräftig das Singen. Damit wir dann wieder richtig schöne feierliche Gottesdienste mit Gesang feiern dürfen.

Wir gehören zum himmlischen Herrscher Jesus. Das hat Auswirkungen. Dass wir eine moderne Demokratie haben und uns trauen, Mächtigen zu widersprechen, das ist eine Wirkung davon. Mächtig ist Gott. Und Könige und Fürsten und Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerinnen und auch Bischöfe, Päpste und Kirchenpräsidenten haben nur eine geliehene Macht. Das wird sichtbar, als Martin Luther am 17. und 18. April 1521, also vor jetzt bald 500 Jahren in Worms vor dem Kaiser steht und sagt: Hier stehe ich. Ich kann nicht anders, Gott helfe mir. Amen. Deshalb widersprechen wir dieses Jahr mit einer Unterschriftenliste zu Ostern unserer Kirchenverwaltung, die alle Gemeindehäuser und Büros und Pfarrhäuser in kleinen Gemeinden schließen wollen. Auch wir Christinnen und Christen hier in Messel gehören zum himmlischen Christus. Was uns wichtig ist, ist genau so bedeutsam, wie das was die Leitung will. Auch wenn es nicht einfach ist, gehört zu werden.

Liebe Mitchristinnen und Mitchristen, was wir machen, ist bedeutsam. Wir sind ein Teil dieses himmlischen Geschehens. Was Jesus wollte, dass Menschen zu wahrer Menschlichkeit finden, das kann durch uns zum Ziel kommen. Wir tragen dazu bei. Wir entwickeln unsere Menschlichkeit. Wir achten andere Meinungen von anderen Menschen. Wir geben in uns und zwischen uns Glaube, Hoffnung und Liebe Raum. Wir sorgen so gut wir können für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Und das heißt gerade: wir kämpfen dafür, dass wir als Kirchengemeinde vor Ort weiter gut arbeiten und glauben, hoffen und lieben können. Wir stärken uns gegenseitig, damit wir nicht die Nerven und die Geduld verlieren.

Wir warten schon 2000 Jahre auf das himmlische Jerusalem. Da können wir auch noch weiter warten. Das himmlische Zukünftige ist ja manchmal schon ganz schön nah. Gott ist nur ein Gebet weit von uns entfernt. Was da im himmlischen Thronsaal passiert, geschieht auch bei uns, wenn wir über unseren Schatten springen. Wenn wir in uns Verzweiflung überwinden. Wenn wir aus dem Zorn was machen, was allen weiterhilft. Wenn wir aufgefangen werden von anderen, auch wenn wir die Nerven verlieren. Wenn also in der christlichen Gemeinde schon etwas von der Zukunft passiert. Die Zukunft kommt uns entgegen. Gott kommt uns entgegen. Und diesen Gott kennen wir. Es ist Jesus, der Menschenfreundliche. Der Gekreuzigte und Auferstandene. Und damit ist auch unser Kreuz, unser Leiden verwandelt und hinein genommen in eine große Bewegung hin zum Heil der Welt. Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere menschliche Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben. Amen.

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