Ostersonntag 20.4.25

Albrecht: Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

es ist Ostern. Das Licht bricht in die Finsternis. Christus ist auferstanden.

Elke: Und wir haben heute eine richtig romantische Ostergeschichte als Predigttext.

Ich lese: Johannes 20

11Maria blieb draußen vor dem Grab stehen und weinte.

Mit Tränen in den Augen beugte sie sich vor

und schaute in die Grabkammer hinein.

12Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern dort sitzen,

wo der Leichnam von Jesus gelegen hatte.

Einer saß am Kopfende, der andere am Fußende.

13Die Engel fragten Maria: »Frau, warum weinst du?«

Maria antwortete:

»Sie haben meinen Herrn weggenommen.

Und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben!«

14Nach diesen Worten drehte sie sich um

und sah Jesus dastehen.

Sie wusste aber nicht, dass es Jesus war.

15Jesus fragte sie:

»Frau, warum weinst du? Wen suchst du?«

Maria dachte: Er ist der Gärtner.

Darum sagte sie zu ihm:

»Herr, wenn du ihn weggebracht hast,

dann sage mir, wo du ihn hingelegt hast.

Ich will ihn zurückholen!«

16Jesus sagte zu ihr: »Maria!«

Sie wandte sich ihm zu

und sagte auf Hebräisch: »Rabbuni!« –

Das heißt: »Lehrer«.

17Jesus sagte zu ihr: »Halte mich nicht fest!

Ich bin noch nicht hinaufgegangen zum Vater.

Aber geh zu meinen Brüdern und Schwestern

und richte ihnen von mir aus:

›Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater,

zu meinem Gott und eurem Gott.‹«

18Maria aus Magdala ging zu den Jüngern.

Sie verkündete ihnen: »Ich habe den Herrn gesehen!«

Und sie erzählte, was er zu ihr gesagt hatte.

Albrecht: Mir ist das noch nie aufgefallen erst beim Spielen der Geschichte für das himmlische Frühstück: Hier kommt zweimal die Frage an Maria Magdalena: Frau warum weinst du?

Elke: Frau, warum weinst du? Hier wird die Trauer um den toten Jesus ernst genommen. Die Tränen von Maria Magdalena sind der Anfang. Und sie sind wichtig.

Albrecht: Der Tod ist nichts, was man übergehen darf. Das Leben nach dem Tod ist nicht einfach das Gleiche wie vorher. Es ist etwas abgeschnitten, um das man trauern muss.

Elke: Maria kann Jesus erst mal nicht erkennen, weil sie so in ihrer Trauer versunken ist, ihre Tränen so ihre Wahrnehmung beherrschen, dass sie keinen Zugang zu dem findet, was vor Augen ist.

Albrecht: Und Jesus ist da sehr vorsichtig und sehr zärtlich im Umgang mit Maria. Er will sie nicht schockieren. Er erklärt ihr nicht, was geschehen ist. Sondern er nennt ihren Namen. Damit holt er sie soweit aus ihrer Trauer, dass sie ihn erkennen kann.

Elke: Als sie ihren Namen hört, blickt Maria auf. Sie wird an die gemeinsame Zeit mit Jesus erinnert. Und diese Erinnerung hilft ihr zu erkennen, was passiert ist.

Albrecht: Und dann schickt Jesus sie los, den anderen zu erzählen, dass er lebt. Maria Magdalena ist die erste Apostelin. Sie ist die erste, die die Auferstehungsbotschaft weiter trägt. Und Jesus selbst hat sie beauftragt.

Elke: Hier zeigt sich wie absurd die Idee ist, Frauen könnten keine Priester werden. Jesus sieht das offensichtlich anders. Aber das nur als Anmerkung am Rande.

Albrecht: Maria geht. Maria erzählt, was sie erlebt hat. Maria ist Zeugin der Osterbotschaft. Und die Osterbotschaft verändert die Welt. Hier gibt es eine Hoffnung auf die Überwindung des Todes, die nicht mehr aus der Welt gedrängt werden kann. Sie ist da.

Elke: Diese Botschaft ist der Kern des christlichen Glaubens und der christlichen Hoffnung.

Albrecht: Jesus lebt bei Gott und mit ihm werden auch wir dort leben.

Elke: Paulus sagt: Ohne diese Botschaft hat alles, was er tut keinen Sinn.

Albrecht: Ich bin in einer Zeit aufgewachsen als es fast einen Konsens gab, dass es kein Leben nach dem Tod gibt. Das hat sich in den letzten 30 Jahren stark verändert.

Elke: Wenn wir heute mit den Konfis diskutieren über „Ist Jesus wirklich auferstanden?“ Und man kann sich auf den Platz setzen: Nein, das kann nichts sein, oder auf den Platz: Natürlich ist er auferstanden. Dann finden sich kaum noch Konfis, die die Meinung vertreten wollen, dass Jesus nicht auferstanden ist.

Albrecht: Na ja vielleicht kommen diese Jugendlichen einfach nicht mehr zu Konfi.

Elke: Das glaube ich nicht. Ich glaube vielmehr, dass gerade unter jungen Leuten die Sehnsucht so groß geworden ist, dass es etwas über dieses Leben hinaus geben muss, weil sie sich nicht vorstellen können, dass mit dem Tod alles aus ist.

Albrecht: Vielleicht haben die jungen Leute einfach eine gute Intuition. Wir Menschen sind auf eine Beziehung mit Gott angelegt. Wir denken automatisch über diese Welt hinaus. Und wir wissen auf irgendeiner Ebene, das es mehr gibt als wir mit unseren Augen sehen können.

Elke: Und da gibt es inzwischen auch die umfangreiche Nachtodforschung. Durch die Fortschritte unserer Medizin gibt es immer mehr Menschen, die zum Beispiel einen Herzstillstand hatten und eine kurze Zeit klinisch tot waren oder sich sonstwie am Rande des Todes befunden haben.

Albrecht: Ungefähr 10% von ihnen berichten davon, dass sie über ihrem sterbenden Körper geschwebt haben und sich durch einen Tunnel auf ein wunderbares Licht zubewegt haben. Sie haben auch wahrgenommen, was die anderen Personen in dem Raum gesagt und getan haben. Außerdem erzählen sie, dass ihr Leben in einem Schnelldurchlauf vor ihnen abgelaufen ist und sie die Empfindungen der Menschen, mit denen sie zu tun hatten, gefühlt haben. Die Berichte sind erstaunlich ähnlich über die Grenzen der verschiedenen Kulturen und Religionen hinweg.

Elke: Diese Erfahrungen passen gut zu der christlichen Auferstehungshoffnung. Ich stelle mir vor, dass dieses das Leben im Schnelldurchgang noch einmal erleben, das ist, was die christliche Tradition das jüngste Gericht  nennt.

Albrecht: das jüngste Gericht?

Elke: Der Sinn des jüngsten Gerichts ist, dass wir erkennen, was wir in diesem Leben falsch gemacht haben.

Albrecht: Ich habe das jüngste Gericht so verstanden, dass Gott die Guten belohnt und die Bösen bestraft.

Elke: Na ja praktisch alle Menschen tun Böses und auch Gutes. Es gibt da eigentlich niemanden, der nur böse oder nur gut handelt.

Albrecht: Aber wie ist dann mit Lohn und Strafe?

Elke: Beides, der Lohn und die Strafe bestehen darin, dass man erkennt, was war. Man kann sich über das freuen, was einem im Leben gelungen ist. Und man wird sich schämen für das, was man falsch gemacht hat.

Albrecht: Reicht das denn als Lohn und Strafe.

Elke: Natürlich weiß ich das nicht. Aber ich kann mir vorstellen, dass das ein Schock sein wird wahrzunehmen wer und wie man wirklich war. Wir neigen ja dazu, uns unsere Handlungen schön zu lügen, und unsere Motive vor uns selbst zu rechtfertigen.

Albrecht: Und du meinst es sei Strafe genug, zu erkennen wie es wirklich war?

Elke: Ja; ich finde diese Vorstellung ziemlich beängstigend.

Albrecht: Aber Jesu Auferstehung bedeutet doch auch, dass Gott uns angeboten hat uns all unsere Schuld zu vergeben, wenn wir ihn darum bitten.

Elke: Ja, wir werden dann halt auch erkennen wie nötig wir das haben.

Albrecht: Ja, und? Sei doch mal ein bisschen optimistischer. Es wird dann ja nicht nur klar werden, was wir verbockt haben sondern auch was wir alles Gutes getan haben. Paulus sagt jeder wird seinen Lohn für die guten Taten empfangen. Vielleicht solltest du dich vor allem über diese Aussichten freuen.

Elke: Ja, ja ich weiß, dass für dich die Gläser immer halb voll sind. Das macht es ja so schön mit dir zu leben.

Albrecht: Und ich weiß, dass es manchmal gut ist, zu sehen, dass die Gläser auch halb leer sind. Und ein bisschen Vorsicht und aufpassen, was das, was man tut, bewirken könnte, ist auch nicht schlecht.

Elke: Also freuen wir uns jetzt über die Auferstehung von den Toten oder fürchten wir uns vor dem jüngsten Gericht.

Albrecht: Also ich bin für freuen.

Elke: Ok, dann schließe ich mich dir ausnahmsweise mal an.

Albrecht: und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!