Palmsonntag 28.3.21 Albrecht Burkholz

Hebräer 11,1-2 Der Glaube ist ein Festhalten an dem, worauf man hofft –

ein Überzeugtsein von Dingen, die nicht sichtbar sind.

2Aufgrund ihres Glaubens

hat Gott den Alten das gute Zeugnis ausgestellt.

12, 1-3 Wir sind also von einer großen Menge von Zeugen

wie von einer Wolke umgeben.

Darum lasst uns alle Last abwerfen,

besonders die der Sünde,

in die wir uns so leicht verstricken.

Dann können wir mit Ausdauer

in den Kampf ziehen, der vor uns liegt.

2Dabei wollen wir den Blick auf Jesus richten.

Er ist uns im Glauben vorausgegangen

und wird ihn auch zur Vollendung führen.

Er hat das Kreuz auf sich genommen

und der Schande keine Beachtung geschenkt.

Dies tat er wegen der großen Freude, die vor ihm lag:

Er sitzt auf der rechten Seite von Gottes Thron.

3Denkt doch nur daran,

welche Anfeindungen er durch die Sünder ertragen hat.

Dann werdet ihr nicht müde werden

und nicht den Mut verlieren.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Liebe Gemeinde, heute erkläre ich, wie wir es schaffen, nicht müde zu werden und nicht den Mut zu verlieren. So endet ja unser Predigttext, den wir eben gehört haben. 

Normalerweise würde ich sagen: Kaffeetrinken und das Schwierige mutig und gelassen verdrängen. Das hilft auch schon ziemlich lange weiter. Meine Frau stürzt sich in Arbeit und das hilft auch ziemlich lange weiter. Also zwei verschiedene Wege, nicht müde zu werden und nicht den Mut zu verlieren.

Es gibt noch viele andere Wege. Musik hören. Mit dem Hund rausgehen. Reiten. Sich mit Freunden treffen, wenn es wieder erlaubt ist oder telefonieren. Sport hilft, Schwieriges zu überwinden und wieder gut gelaunt zu sein. Sich etwas besonders gönnen. 

Unser Predigttext empfiehlt uns den Weg des Glaubens. Und das ist ein ziemlich grundlegender Weg. Denn der Glaube ist das, was allem anderen zugrunde liegt. Da geht es um die Sätze, die tief in unserem Inneren verborgen sind und uns ausmachen. Da werden wir als Menschen mit einer bestimmten Geschichte und Lebenszeit, mit besonderen Fähigkeiten und besonderen Schwächen, von Gott beim Namen gerufen. Wenn wir es schaffen, uns diesen Weg des Glaubens mehr zu eröffnen, dann wird es uns weit besser gelingen, nicht müde zu werden und nicht den Mut zu verlieren.

Dieser Weg des Glaubens stärkt unsere Widerstandskraft gegen all die schwierigen Dinge, die uns passieren.

Wie geht das genau? Schauen wir unseren Predigttext an. Da heißt es: Dabei wollen wir den Blick auf Jesus richten. Wir sollen Jesus anschauen, damit wir nicht den Mut verlieren. 

Wen sehen Sie vor sich, wenn Sie an Jesus denken?… Ich vermute mal, keinen dicken, älteren Herrn mit Glatze. Geprägt durch viele Bilder in der Kunstgeschichte sehen wir eher einen jungen Mann mit langen Haaren und einem sanften Gesichtsausdruck. Ich verbinde mit Jesus einen sehr freundlichen und doch mächtigen Menschen. Er kann Wunder tun und er hat die Kinder gesegnet. Vermutlich sind wir alle durch unsere Kinderbibeln geprägt, denn die frühen Eindrücke sind die, die uns am meisten prägen. Die Geschichten, die ich von Jesus kenne, verstärken den Eindruck. Er macht bei einer Hochzeit Wasser zu Wein. Er feiert Feste mit seinen Freunden und überlasst das Fasten anderen Zeiten. Er heilt Kranke und ermutigt seine Jünger, auch zu heilen und zu predigen. Jesus redet von Gott so, dass Gott freundlich, nicht drohend und strafend erscheint. 

Wir sollen auf Jesus schauen, damit wir nicht müde werden und nicht den Mut verlieren. 

Was sehen wir bei Jesus? Weiter heißt es im Predigttext: Er hat uns zum Glauben geführt und wird ihn auch vollenden. Was in uns also auf Gott hin ausgerichtet ist, das kommt von Jesus und wird von Jesus weiterentwickelt. Was der christliche Glaube in meinem Leben leisten kann, das hat mit Jesus zu tun. Ich schaue auf Jesus und sehe: Gott ist freundlich. Gott nimmt mich an, so wie ich bin. Deshalb kann ich mich so annehmen, wie ich bin. Deshalb kann ich andere so annehmen, wie sie sind.

Also, auf Jesus sehen, macht nicht Stress, sondern entspannt. Da gibt es keine neue Aufgabe, die mich überfordert. Sondern tief in meinem Inneren spricht der freundliche Gott zu mir. Ich stelle mir Jesus vor, der zu mir spricht: Ich bin in dir und bei dir. Ich stärke deinen Glauben und deinen Mut. Du darfst müde und mutlos sein. Du bist mit mir, der Kraftquelle verbunden. Was noch nicht so ist, wie du gerne sein möchtest, das kann werden. Der Weg des Glaubens liegt offen vor dir. Und ich gehe mit dir als dein Freund. Ich habe damals Wunder getan und ich kann heute dafür sorgen, dass du deinen Weg findest. Die Herausforderungen und Aufgaben, die genau richtig für dich sind. Und sogar wenn etwas schief läuft, kannst du das einbauen in dein Selbstbild. Ich bin dein Freund. Ich Jesus. Schau nur auf mich. Vertraue darauf, dass ich deinen Glauben vollende und dich zum Ziel bringe. 

Wie sehen wir auf Jesus? 

Heute indem wir den Predigttext hören und wirken lassen. Immer wenn wir ein Kreuz sehen. Die Bilder, die wir gesehen haben, und an die wir uns erinnern. 

Ich weiß von einer Frau, die hat ein Kruzifix aus Bayern in ihrer Wohnung und redet mit Jesus am Kreuz. Sie war sich unsicher, ob das richtig ist und hat mich deshalb gefragt. Ich finde es wichtig, dass wir auf Jesus sehen. Egal wie wir das machen.

Ich erinnere mich immer noch an den mächtigen großen Jesus in der evangelischen Kirche in Oberstdorf. Er hat mich sehr beeindruckt. Eigentlich stelle ich mir Jesus lieber als den sanften Kinderfreund vor. Aber dieser Jesus in Oberstdorf, mächtig und den ganzen Kirchenraum beherrschend als Weltenrichter, ist mir sehr nachgegangen. Ich weiß gar nicht, was genau mich da angesprochen hat. Die mächtige Person, das ist jedenfalls auch Jesus. Das ist ebenfalls wichtig.

In vielen Filmen, die wir sehen, sind sehr schnelle Schnitte üblich geworden. Wir bekommen jeden Tag eine Bilderflut zu sehen. Deshalb ist ein Gottesdienst erst einmal eine Verinnerlichung. Wir lassen all die vielen Bilder außen vor. Wir hören auf die Bibelworte und lassen innere Bilder entstehen. Erst mal müssen wir vieles weglassen, damit das wichtige zum Vorschein kommen kann.

Während ich das schreibe, habe ich das Kreuz von Assisi vor Augen, das mir mein katholischer Kollege geschenkt hat. Ich denke dabei an die guten ökumenischen Gespräche und freue mich, dass es so viele christliche Färbungen gibt. Und wir alle gehören zu dem großen Strom des Glaubens, der durch Jesus gespeist wird. Wir alle, die Milliarden Christinnen und Christen weltweit, sind von Jesus zum Glauben geführt worden. Unser aller Glauben wird er vollenden. Und auch wenn da Christen dabei sind, dich ich merkwürdig finde, stärkt es doch unseren Mut, dass so viele unterwegs sind. Mit allen Menschen guten Willens werden wir die Aufgaben bewältigen, die anstehen. Jetzt die Coronakrise und dann auch den Klimawandel. Wir werden nicht müde werden und nicht den Mut verlieren. Nicht nur weil es Kaffee gibt und Dinge, die uns guttun. Sondern weil in uns eine Kraftquelle ist, wenn wir auf Jesus schauen. Weil wir die Chance haben, das Gute zu tun und das Schlechte zu lassen, wenn wir auf Jesus sehen, der in uns das Gute stärkt. Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen, seligen Glauben. Amen.

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