Rogate 17.5.20 Albrecht Burkholz

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Liebe Gemeinde,

es ist schön, nach 2 Monaten Unterbrechung wieder von Angesicht zu Angesicht Gottesdienst mit Ihnen allen feiern zu dürfen. Wir sind bisher in Deutschland sehr gut durch diese Zeit gekommen. Und wir beten, dass wir das so bleibt und dass die Folgen nicht zu schwierig sind, bei uns und weltweit.

Beten – darum geht es heute. Beten ist etwas, das findet in meinem Inneren statt. Dort rede ich mit Gott. Ich bin auf ein Gespräch mit Gott angelegt. Selbst Menschen, die nicht an Gott glauben, reden mit ihm, jedenfalls in schwierigen Zeiten. Bekannt ist ja das Gebet: Gott, wenn es dich gibt, dann hilf mir. Beten geschieht tief in meinem Inneren – aber es geschieht auch in Gemeinschaft. Die Fernsehgottesdienste waren schön, aber irgendwie war besonders beim Vaterunser zu spüren, dass das ein anderer Raum ist. Ich freue mich auf unser Fürbittgebet heute. Auf das Stille Gebet und auf das gemeinsame Vaterunser. Denn es betet sich leichter und besser gemeinsam. In unserem Predigttext heute geht es auch um das Beten allein und gemeinsam. Die wichtigste Rede Jesu ist die Bergpredigt. Und die läuft auf unseren Predigttext zu. Ich lese Matthäus 6 die Verse 5-15 aus der Basisbibel.

5 »Wenn ihr betet,macht es nicht wie die Scheinheiligen: Sie stellen sich zum Beten gernein den Synagogen und an den Straßenecken auf –damit die Leute sie sehen können.Amen, das sage ich euch:Sie haben damit ihren Lohn schon bekommen.6 Wenn du betest,geh in dein Zimmer und verriegel die Tür.Bete zu deinem Vater,der im Verborgenen ist.Und dein Vater,der auch das Verborgene sieht,wird dich dafür belohnen.7 Sprecht eure Gebete nicht gedankenlos vor euch hin –so machen es die Heiden!Denn sie meinen,ihr Gebet wird erhört,weil sie viele Worte machen.8 Macht es nicht so wie sie!Denn euer Vater weiß,was ihr braucht,noch bevor ihr ihn darum bittet.9 So sollt ihr beten:›Unser Vater im Himmel,dein Name soll geheiligt werden.10 Dein Reich soll kommen.Dein Wille soll geschehen.Wie er im Himmel geschieht,so soll er auch auf der Erde Wirklichkeit werden.11 Gib uns das Brot,das wir für heute brauchen!12 Und vergib uns unsere Schuld –so wie wir denen vergeben haben,die uns gegenüber schuldig geworden sind.13 Und stelle uns nicht auf die Probe,*sondern rette uns vor dem Bösen.‹14 Wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt,dann wird euer himmlischer Vater euch auch vergeben.15 Wenn ihr den Menschen aber nicht vergebt,dann wird euer Vater euch eure Verfehlungen auch nicht vergeben.«

Jesus warnt davor, nur wegen der anderen Leute fromm zu tun und einen auf großer Beter zu machen. Ich glaube, in der Gefahr sind wir heute nicht mehr. Denn in unserer Gesellschaft ist man mit großer Christlichkeit nicht in. Wie wird man erfolgreich im Internet? Mit Schminktipps. Mit einem lockeren Ich erklär euch die Welt. Mit Tieren und mit witzigen Szenen. Berühmt wird man bei uns als Sportler oder Firmengründer, aber nicht als großer Beter. Die Gefahr haben wir also schon mal nicht. Es ist nicht wahrscheinlich, dass wir uns auf den Rathausplatz oder vor den Netto stellen, und laut 5 mal das Vaterunser beten, damit man uns für besonders christlich hält.

Dann sagt Jesus, man soll nicht viele Worte machen. Gott weiß, was wir brauchen. Es ist wie in einer Familie oder unter guten Freunden. Da muss man nicht viele Worte machen, weil man einander kennt. Jesus empfiehlt als Gebet das Vaterunser, das wir in jedem Gottesdienst und bei jeder Beerdigung beten. 

Ungewöhnlich ist die Anrede. Die betont nicht wie mächtig Gott ist. Also nicht allmächtiger Gott, Schöpfer des Himmels und der Erde. Sondern Vater. Unser Vater. Eigentlich müsste man sogar Papa sagen. Es ist ein vertrautes Wort aus der Familie. Wir gehören zur Familie Gottes. Wir sind Kinder Gottes. Und die mit uns das Vaterunser sprechen und beten, sind unsere Schwestern und Brüdern im Glauben. Deshalb ist es so wichtig, dass die, die da miteinander beten, sich auch vergeben. Das betont Jesus zum Schluss noch einmal extra. Darum geht es also im Vaterunser. Wir als Geschwister reden mit unserem himmlischen Vater.  Und wir sollen uns dabei als Geschwister vertragen. 

Das ist ein großer Anspruch. Schauen wir uns das Vaterunser etwas genauer an. Nehmen wir dazu den Text, den wir nachher zusammen sprechen werden. Der sich gut sprechen und merken lässt.

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. In den ersten 3 Bitten geht es um Gott. Das ist heilsam für mich. Ich schaue weg von dem, was mich jetzt beschäftigt und merke, dass ich in einen großen Zusammenhang gehöre. Etwas von Gott soll auf die Erde kommen. Und ich gehöre dazu. Die nächsten 3 Bitten gehen um uns und um das, was wir brauchen. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Hier geht es um das, was wir zu einem guten Leben brauchen. Versorgung. Ein entspanntes Miteinander. Und mit den Gefahren des Lebens klarzukommen. Der himmlische Vater, den wir darum bitten, will, dass es uns gut geht. Es geht nicht darum, dass wir leiden. Es geht nicht darum, dass die Welt den Bach runtergeht und wir noch mal möglichst viel für uns rausholen. Es geht darum, der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit keinen Raum zu geben. Gott will ein gutes Leben für uns. Brot. Vergebung. Befreiung von dem, was uns bindet und schadet.

Indem wir darum bitten, machen wir uns klar, was wir dafür tun können. Und dann handeln wir entsprechend.

Es sind ganz alltägliche Bitten für ein ganz normales Leben. Wir bitten nicht um einen Lottogewinn und Berühmtheit und ein langes, gesundes Leben oder darum, dass meine Fußballmannschaft gewinnt. Das können wir auch für uns tun. In dem Gebet, das Jesus uns gelehrt hat, um es als christliche Gemeinde zusammen zu beten, geht es um das ganz alltägliche normale Leben. Dass wir uns sicher fühlen (also genug Brot und alles andere haben). Dass wir uns wohl fühlen (dafür ist die Vergebung wichtig). Dass wir uns nicht selbst ein Bein stellen (dafür müssen wir uns klar machen, wo die Gefahren des Lebens für uns sind, und das ist schon der erste Schritt sie zu vermeiden).

Dann kommt zum Schluss noch der Lobpreis, der in den frühen Handschriften fehlt: Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Das umschließt das ganze Gebet. Gott steht am Anfang und am Ende. Gott wird dafür sorgen, dass etwas von ihm auf der Erde geschieht. Etwas Heilsames. Bei uns. Mitten unter uns. Mitten in unserem ganz alltäglichen Leben. Mitten in Corona-Zeiten.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen, seligen Leben. Amen.

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