Ruhe finden für die Seele 14.6.26

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

heute werden die neuen Konfis im Gottesdienst eingeführt. Sie haben schon erzählt wie sie heißen und was sie glücklich macht. Es ist wichtig zu wissen, was einen glücklich macht, weil man dann sein Verhalten danach ausrichten kann. Jesus formuliert das, was Menschen glücklich macht, auch inhaltlich. Er verspricht: Ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. Ich finde das ist etwas sehr Ähnliches wie glücklich werden. Und in dem heutigen Predigttext erklärt Jesus, wie wir das erleben können, Ruhe finden für unsere Seele.

Ich lese Matthäus 11,25-30

Danach rief Jesus aus: »Ich preise dich, Vater,

du Herr über den Himmel und die Erde!

Denn du hast das alles

vor den Weisen und Klugen verborgen.

Aber den einfachen Leuten hast du es offenbart.

Ja, Vater, so hast du es gewollt!

Alles hat mir mein Vater übergeben.

Niemand kennt den Sohn, nur der Vater.

Und niemand kennt den Vater, nur der Sohn –

und die Menschen,

denen der Sohn den Vater zeigen will.«

»Kommt zu mir, ihr alle,

die ihr euch abmüht und belastet seid!

Ich will euch Ruhe schenken.

Nehmt das Joch auf euch, das ich euch gebe.

Lernt von mir: Ich meine es gut mit euch

und sehe auf niemanden herab.

Dann werden eure Seelen Ruhe finden.

Denn mein Joch ist leicht.

Und was ich euch zu tragen gebe, ist keine Last.«

Als erstes fällt mir an dem Text auf, dass Jesus sagt: Es ist ganz einfach. Ich kann euch zeigen wie es geht: Ruhe für die eigene Seele zu finden. Ihr müsst dafür nur meiner Lehre folgen. Joch auf sich nehmen, das war damals der Fachausdruck für „der Lehre eines Rabbis folgen“.  Also: Folgt meiner Lehre und ihr findet Ruhe für eure Seele. Meine Lehre, sagt Jesus, ist nicht kompliziert. Und es ist nicht schwer ihr zu folgen. Ich respektiere euch und ich mute euch nichts Unnötiges zu. Und ich meine es gut mit euch.

Dafür ist das Konfijahr da. Wir werden herausfinden, was Jesus lehrt. Wir werden uns mit den Inhalten des christlichen Glaubens auseinandersetzen. Das wird nicht schwer. Wir werden jede Menge Spaß dabei haben. Und ihr liebe Konfis, werdet ganz nebenbei dabei lernen, dass Gott und Jesus uns etwas schenkt, was uns auch in schweren Zeiten weiterhelfen wird.

Was das ist, dazu komme ich gleich.

Sehen wir uns erst einmal an, was uns heute daran hindert, Ruhe für unsere Seele zu finden.

Meines Erachtens sind das drei hauptsächliche Seelenverfassungen, die unsere Seele in Unruhe versetzen: Stress, Angst und Einsamkeit.

Also ich kennen niemanden, der ein stressfreies Leben führt. Die Kinder leiden unter Schulstress, nicht genug Zeit für die Hausaufgaben, Klassenarbeiten, die sich in wenigen Wochen ballen. Eltern haben selten so viel Zeit für ihre Familie wie sie gerne hätten, weil die Arbeit sich so verdichtet hat, dass man sich sehr lange hintereinander konzentrieren muss. Die Augen leiden unter den langen Bildschirmzeiten. Und der Weg zur Arbeit ist oft lange und stressig. Und wir Älteren sind gestresst, weil wir langsamer werden und einfach nicht mehr so viel schaffen wie wir es von früher gewöhnt sind. Und auch wir lassen uns von unseren Handys und den vielen Nachrichten jagen und machen uns Sorgen um die folgenden Generationen. Die Nachrichten, die auf uns einströmen machen uns Angst. Und Angst davor, dass die unvermeidlichen Krankheiten schlimmer werden, haben wir im Alter sowieso.

Ja, und die Einsamkeit. Einsamkeit scheint kein nicht nur die sehr alten Menschen zu betreffen. Da für viele junge Frauen und Männer romantische Beziehungen oft nicht mehr funktionieren, leiden gerade junge Leute oft unter Einsamkeit. Soweit so bekannt.

Und gegen all diese Probleme soll der christliche Glaube und die Lehre Jesu helfen?

Vielleicht denken Sie jetzt, das sind doch moderne Probleme. Jesus hat in einer ganz anderen Zeit mit ganz anderen Problemen gelebt. Wie soll denn eine so alte Vorstellungswelt unserer Seele heute Ruhe schenken?

Ja, wie?

Die Lehre von Jesus lässt sich in einem einfachen Satz zusammenfassen. Er lautet: Liebe Gott und liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Ich nenne es das Dreifachgebot der Liebe. Gott lieben, den Nächsten lieben, sich selbst lieben. Und das soll all unsere Probleme lösen?

Ja, ich denke schon. Liebe ist tatsächlich das, was die Welt heute braucht. Es ist das, was gegen Stress, Angst, Einsamkeit, Wut, Rassismus, Beleidigungen, Egoismus und so weiter hilft. Jesus sagt: Ich meine es gut mit euch, ich sehe auf niemanden herab. Ich respektiere euch alle. Das ist die grundlegende evangelische Botschaft. Von Gott geht Liebe für jeden und für jede aus. Es gibt so viel Liebe für uns alle, dass sie uns mit Zufriedenheit und Selbstbewusstsein erfüllen kann. Das kann man im Gebet erfahren. Das kann man überall in der Bibel lesen. Das zeigt einem jeder Gottesdienst. Und so erfüllt mit Liebe, die von Gott zu uns kommt, können wir es schaffen auch uns selbst zu akzeptieren, uns selbst zu lieben. Es gibt um uns herum einen Schutzschild aus Liebe, von dem wir alles abprallen lassen können, was uns abwertet und beleidigt und uns Angst macht. Diesen Schirm können wir jederzeit um uns herum hochziehen, wenn wir Gott darum bitten, uns seine Liebe zu zeigen.

Und wenn wir so Ruhe für unsere Seele gefunden haben, dann wird diese Ruhe auch von uns ausgehen. Und dann wird es ganz mühelos und selbstverständlich sein, dass wir auch mit anderen so umgehen wie Gott mit uns umgeht. Dann ist das keine Anstrengung den Nächsten zu lieben sondern einfach etwas, was von selbst passiert. Das meint Jesus mit: Mein Joch ist leicht, und es ist keine Last.

Ja, wenn es doch so einfach wäre. Alle beten, lesen in der Bibel, gehen in den Gottesdienst und treten in die Kirche ein und folgen der Lehre von Jesus.  Und wir bekommen eine liebevolle ideale Gesellschaft in der sich alle umeinander kümmern, einander nicht beneiden und den ganzen Tag freundlich und zuvorkommend und liebevoll sind. Leider ist das so nicht vorstellbar. Schade eigentlich.

Wir werden es immer damit zu tun haben, dass wir unter Bedingungen leben müssen, die alles andere als ideal sind. Wir leben in einer hektischen Arbeitswelt, gehen in eine herausfordernde Schule, begegnen Männern und Frauen, die uns ausnutzen wollen, oder ihren Ärger unberechtigterweise an uns auslassen, haben Suchtprobleme, und wenn wir Glück haben, werden wir alt und klapprig. Und die Aufgabe ist, trotzdem Ruhe für unsere Seele zu finden. So einfach wie Jesus das sagt, scheint es doch nicht zu sein. Den klugen und Weisen ist dieser Weg verborgen. Sagt Jesus. Aber den einfachen Leuten ist es offenbar. Es gibt heute viel psychologische Hilfe bei allem Möglichen. Und das ist auch gut so. Aber als ich jünger war, habe ich viele ältere Frauen besucht, die an ihrem nicht runden Geburtstag alleine waren. Und einige von ihnen haben mir ihre Lebensphilosophie erklärt: Es kommt darauf an einander zu helfen und freundlich zueinander zu sein, hat eine gesagt. Damals fand ich das na ja keine gewaltige Erkenntnis. Heute denke ich: Sie hatte recht. Und ich war zu jung um es zu verstehen. Sie ist ihr Leben lang Jesus gefolgt. Und ich hatte halt noch einen langen Weg vor mir. Manche Dinge sind zwar einfach, aber doch schwer zu befolgen. Und die Ruhe für unsere Seele ist halt nicht ein für alle Mal erreicht. Aber jede Minute, in der wir in ihr leben, ist kostbar.

und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!