Scheinbar aussichtslos 16.11.25

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

heute am Volkstrauertag denken wir an die Opfer von Kriegen und Gewalt. Wir stellen uns unserer Hoffnungslosigkeit und unserer Angst vor der Zukunft. Wir sehen auf unsere Gesellschaft und wir wissen nicht, was da noch auf uns zukommt. Mit dieser Ungewissheit müssen wir leben. Und ich glaube unser Predigttext heute versteht die Stimmung, in der viele heute sind, gut. Ich lese aus Hiob 14

Hiob 14

1Was ist der Mensch, von einer Frau geboren?

Sein Leben ist kurz und doch voller Unruhe.

2Wie eine Blume blüht er auf und wird abgeschnitten.

Wie ein Schatten flieht er und bleibt nicht hier.

3Trotzdem richtest du deine Augen auf ihn

und gehst mit ihm ins Gericht.

4Gibt es einen Menschen, der von Geburt an rein ist?

Es gibt keinen einzigen!

5Darum sind seine Tage begrenzt,

die Zahl seiner Monate steht fest.

Du hast seinem Leben eine Grenze gesetzt,

die kann er nicht überschreiten.

6Darum schau weg und lass ihn in Ruhe!

Lass ihm doch das bisschen Lebensfreude

wie einem Tagelöhner, der nach der Arbeit ruht.

13Ach, wenn ich mir doch wünschen könnte,

dass du mich eine Weile in der Unterwelt versteckst!

Halte mich verborgen, bis dein Zorn vorbei ist!

Und wenn es so weit ist, denk wieder an mich!

15Du würdest mich rufen und ich dir antworten.

Du würdest dich wieder freuen an deinem Geschöpf.

16Stattdessen überwachst du meine Schritte.

Keinen einzigen Fehltritt siehst du mir nach.

17Für jedes Vergehen kommt ein Steinchen in den Beutel,

so sammelst du meine Schuld und bewahrst sie auf.

Ja, unser Leben ist begrenzt. Wir leiden unter falschen Entscheidungen, die in der Vergangenheit getroffen wurden von uns und von anderen. Und wir können diesen Entscheidungen nicht entkommen. Sie wirken sich auf unser Leben aus. Und Gott? Gott lässt uns in unser Verderben rennen. So fühlt sich Hiob als Gott ihm alles genommen hat, seine Familie, seinen Reichtum, seine Freunde und auch seine Gesundheit. Hiob ist verzweifelt. Und Hiob fühlt sich von Gott verfolgt. Und Hiob hat keine Hoffnung mehr, dass sich etwas zum Besseren wenden wird. Er erwartet von Gott keine Hilfe mehr. Und er erwartet auch für sich keine Zukunft mehr. Eine bleierne Schwere hat sich auf sein Leben gelegt und er fühlt sich vollständig hilflos.

Ich finde unser Predigttext drückt ein Grundgefühl aus, dass sich auch heute immer mehr in unser Leben frisst. Wir sind umgeben von schlechten Nachrichten. Die Autoindustrie schwächelt, unsere Wirtschaft wächst schon lange nicht mehr. Die Menschen werden immer einsamer. Die Arbeitsbelastung wächst zum Teil bis ins Unerträgliche und die Leute sind schlecht gelaunt und unhöflich. Die Gesellschaft altert und das heißt immer mehr Leute haben immer mehr Krankheiten. Kriege in der Ukraine und im Sudan, Leute verschwinden in Tansania. China droht Taiwan zu überfallen. Und wo ist der Ausweg? Irgendwie scheint niemand zu wissen, wie man auch diesem Teufelskreis wieder herauskommt. Bleierne Schwere legt sich auch über unser Land. Und Gott, wer erwartet heutzutage noch Hilfe von Gott?

Wie sich Hiob fühlte, so geht es uns heute auch.

Und was solls. Was soll uns das helfen? Gut, vielleicht fühlen wir uns jetzt besser verstanden. Aber das ist ja auch keine Lösung, oder?

Vielleicht findet sich im Buch Hiob doch ein kleiner Hoffnungsschimmer für uns heute? Unser Predigttext ist im Buch Hiob nämlich eine Momentaufnahme. Das Buch geht noch weiter. Viele Kapitel lang beklagt sich Hiob über die Ungerechtigkeit seines Schicksals. Viele Kapitel lang klagt Hiob Gott an und wehrt sich gegen seine Freunde, die behaupten, er sein an seinem Unglück selbst schuld.

Und dann passiert etwas. Gott beginnt mit Hiob zu reden. Und Gott sagt zu Hiob sinngemäß: Du kannst  mich nicht verstehen. Ich bin soviel größer als du begreifen kannst. Meine Taten sind für dich unfassbar und unglaublich. Du kannst einfach nicht beurteilen, warum ich etwas tue oder nicht tue. Und Hiob gibt auf, sich zu beklagen. Und Hiob versteht, dass es für ihn keine Alternative dazu gibt, diesem unbegreiflichen Gott einfach zu vertrauen, dass er schon weiß, was er tut und dass alles irgendwie zu etwas Gutem führen wird. Der entscheidende Satz in der Rede des Hiob lautet:

5Ja, bis dahin kannte ich dich nur vom Hörensagen.

Doch jetzt hat mein Auge dich wirklich gesehen.

6Darum bereue ich meine Worte und finde Trost,

so wie ich hier in Staub und Asche sitze. Es ist die Begegnung mit Gott, die Hiob tröstet und Hiob dazu bringt wieder Hoffnung zu schöpfen, Und Hiob versteht, dass er die Wege Gottes nie verstehen wird. Aber dass er sich entscheiden kann Gott trotzdem zu vertrauen. Das Buch Hiob endet damit, dass Gott Hiob wieder zurück gibt, was er ihm genommen hatte.

Ich finde, wir können das 14. Kapitel des Buches Hiob heute von dem Ende des Buches Hiob her lesen.

Es ist nicht möglich, Gottes Wege zu verstehen. Es ist schwer in unserer Situation einen Ausweg zu finden. Wir wissen nicht wie es mit der Welt weiter geht. Wir wissen nicht wie es mit unserem Leben weiter geht. Wir wissen auch nicht wie es mit unserem Land weiter geht. Aber Wir sollten trotzdem weiter für alles und alle hoffen. Ja, die falschen Entscheidungen der Vergangenheit belasten uns. Und die Folgen davon verfolgen uns. Aber das heißt nicht, dass es keine Auswege gibt. Das heißt nicht, dass alles verloren ist. Ja, es sieht übel aus. Unsere Erde erwärmt sich und es wird schwer diese Erwärmung auch nur einigermaßen zu begrenzen, ja vieles funktioniert immer schlechter in unserem Land. Die Folgen falscher Entscheidungen verfolgen uns. Aber das heißt nicht, dass wir keine Chance mehr haben. Es heißt nur, dass wir uns in Zukunft um bessere Entscheidungen bemühen sollten. Die Zukunft ist ungewiss, Gottes Wege sind für uns unverständlich. Aber Gott ist da. Wie Hiob können wir uns Gott wieder zuwenden. Wie Hiob können wir anfangen Gott wieder zu vertrauen, dass er alles zum Guten wenden wird. Und wir können uns überlegen, wie unsere Entscheidungen dazu beitragen können, dass Gott uns hilft. Die Macht Gottes ist immer noch wichtig in unserer Welt. Das Vertrauen auf Gott kann immer noch viel bewirken. Unsere Aufgabe heute ist es, diesen Weg auch für die nächsten Generationen frei und offen zu halten. Damit auch die nächsten Generationen diese Erfahrung machen können, die Hiob in Staub und Asche sitzend getröstet hat. Damit auch in Zukunft Leute Gott erfahren können und damit erleben: Für mich gibt es Hoffnung und Zukunft. Ich verstehe zwar die Wege Gottes nicht, aber ich kann ihm vertrauen und dann wird vieles sich zum Besseren wenden. Ich finde wir als Christinnen und Christen haben heute die Aufgabe, die Verzweiflung, die sich bei uns ausbreitet zu begrenzen und den Menschen zu zeigen, dass bei Gott Hilfe ist. Unsere Gesellschaft braucht heute mehr denn je Vertrauen und das Gefühl etwas Gutes bewirken zu können und die Hoffnung, dass diese Welt noch viele Entwicklungsmöglichkeiten hat. Und dass Gott diese Welt schützt und erhält und sie keineswegs aufgegeben hat. Gott wird uns durch alle Krisen hindurch leiten. Darauf können wir uns verlassen

und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!