Sieg 1.4.24 Albrecht Burkholz

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft  des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Liebe Gemeinde, unser Predigttext heute stammt aus dem großen Auferstehungskapitel des Apostels Paulus 1. Korinther 15. Ich lese die Verse 50-58.

Eins muss ich euch aber sagen, Brüder und Schwestern:

Menschen aus Fleisch und Blut

können das Reich Gottes nicht erben.

Was vergänglich ist, kann nicht unsterblich werden.

51Seht doch,

ich weihe euch hier wirklich in ein Geheimnis ein:

Wir werden nicht alle sterben,

wir werden aber alle verwandelt werden.

52Das geschieht ganz plötzlich, in einem Augenblick,

beim letzten Trompetenstoß.

Die Trompete wird erschallen –

da werden die Toten

zu unvergänglichem Leben erweckt.

Wir aber werden verwandelt.

53Denn was vergänglich ist,

muss sich in Unvergänglichkeit kleiden.

Und was sterblich ist,

muss sich in Unsterblichkeit kleiden.

54So hüllt sich das Vergängliche in Unvergänglichkeit

und das Sterbliche in Unsterblichkeit.

Wenn das geschieht, geht das Wort in Erfüllung,

das in der Heiligen Schrift steht:

»Der Tod ist vernichtet!

Der Sieg ist vollkommen!

55Tod, wo ist dein Sieg?

Tod, wo ist dein Stachel?«

56Der Stachel des Todes ist die Sünde.

Aber die Sünde erhält ihre Macht erst durch das Gesetz.

57Dank sei Gott!

Denn er schenkt uns den Sieg

durch unseren Herrn Jesus Christus.

58Meine lieben Brüder und Schwestern,

haltet am Glauben fest.

Seid unerschütterlich.

Setzt euch mit aller Kraft für die Sache des Herrn ein!

Ihr wisst ja: Was ihr für den Herrn tut, ist nicht vergeblich.

Liebe Ostergemeinde, mich spricht dieses Jahr der letzte Satz besonders an. Was ihr für den Herrn tut, ist nicht vergeblich. Das Ende unserer Berufszeit naht. Offiziell ist meine Frau ab heute in Pension und ich habe noch3einhalb Jahre auf der vollen Pfarrstelle Messel. Dabei wird es viel Veränderung geben. Ab 1. Januar bin ich beim Dekanat angestellt und mit den 2 Kollegen und2 Kolleginnen für den ganzen Nachbarschaftsraum von Groß-Zimmern bis nach Altheim und Harpertshausen zuständig. Wir sind  5 Menschen über 60, die für bisher 8 Pfarrstellen zuständig sind. Und das während des Schrumpfens unserer Kirche. In diese Situation hinein höre ich die Ermutigung unseres Predigttextes. Was ihr für den Herrn tut, ist nicht vergeblich. Seid unerschütterlich. Gott schenkt uns den Sieg. Sogar der Tod wird besiegt. Endgültig dann, beim Schall der Posaune.

Für Musiker ist das sicher faszinierend. Musik hat sicher eine große Wirkung. Aber die letzte Posaune, die den Sieg über den  Tod bedeutet, Auferweckung beziehungsweise Verwandlung der dann Lebenden in eine himmlische, unvergängliche neue Wirklichkeit hinein.

Ich hatte überlegt, meine Trompete mitzubringen und  sie erschallen zu  lassen. Vermutlich ist aber ein Widderhorn, das geblasen, im historischen Hintergrund, nicht unsere moderne Trompete. Das Horn, das beim Tempelgottesdienst geblasen wurde. Die gottesdienstliche Musik hat also eine große Bedeutung. Wenn wir im Gottesdienst singen und musizieren, dann scheint etwas von der kommenden Wirklichkeit auf. Vom Himmel, der unsere Vergänglichkeit aufhebt. Wir richten uns damit zum Himmel hin. Wir werden dem Irdischen,Vergänglichen, Sorgenverhafteten enthoben. Ein wenig kommt der Himmel zur Erde, wenn wir Gottesdienst feiern.

Das ist ein wichtiger Grund dafür, dass die Arbeit von uns als Pfarrerehepaar nicht vergeblich war, ist und sein wird. Denn was im Herrn geschieht, ist nicht vergeblich. Dieser Herr Jesus Christus ist der Herr, der kommt, während die Herren der Erde gehen. Wenn wir Christen uns Jesus Christus zuwenden, dann der Macht, die schon gesiegt hat und dann beim Schall der Posaune endgültig siegen wird. Wir gehören schon jetzt zum Sieger Jesus Christus.

Jemand hat folgendes Bild dafür gebraucht. Wir sind in einer Schlacht mit dem Bösen. Wir sind dabei zu gewinnen. Das Böse ist auf dem Rückzug. Was jetzt geschieht, sind Rückzugsgefechte. Die  sind gefährlich. Da kann noch viel Schlimmes passieren. Aber eigentlich ist der entscheidende Schlag gegen das Böse schon geschehen.

Das Problem ist: wie bekomme ich diese Kraft in meine Lebenssituation, die sich nicht  so siegreich anfühlt?

Wir feiern Gottesdienst. Wir hören. Wir denken nach. Die Musik wirkt auf uns. Wir beten. Wir werden gesegnet. Wir singen und dabei beten wir doppelt. Wir machen uns klar, dass wir zu weltweiten Christenheit gehören, die wächst. Und dabei kommt hoffentlich etwas von dem Sieg von Jesus Christus in unsere Wirklichkeit. Das wenige, was wir heute umsetzen, verstehen und mitnehmen können. Und wenn es nur ein Satz ist. Z.B. Seid unerschütterlich. Was ihr für den Herrn tut, ist nicht vergeblich.

Ich wende es beispielhaft auf mich an. Wie ich über meine Situation denke und fühle – das  ist ja im Fluss. Wankend. Veränderlich. Da ist Spiel drin. Ich arbeite da sowieso ständig dran. Ich deute. Ich versuche, Handlungsmöglichkeiten zu finden. Ich versuche, etwas von der Kirche der Zukunft zu sehen und zu stärken. Das ist schwer und unscharf. Aber meine Gefühle können sich in einem Gottesdienst verändern. Ich kann richtung unerschütterlich gehen. Richtung unerschütterlich an den Sieg glauben. An Ostermontag ist das ja besonders naheliegend.

Wir wissen ja, es sah aussichtslos aus. Jesus tot. Die Jünger zerstreut und verzweifelt. Judas, der Verräter, hat sich erhängt. Petrus, der Verleugner, weint bitterlich. Vor dem Grab ist der große Felsblock.

Und dann kam Ostern. Beides, Tod und Auferweckung sind mit Erdbeben verbunden. Große Erschütterungen der ganzen  Welt sind mit diesem Geschehen verbunden. Und uns Christinnen und Christen ist ein Heilsraum eröffnet. Ein Heilsraum, der wirksam ist gegen unsere Verzweiflung, Verbitterung, Verkrampfung. Unser Verkrümmtsein in sich selbst, das mit Rückzug und Aufgeben verbunden ist.

Dagegen feiern wir Gottesdienst, damit der Heilsraum für uns wirksam und spürbar wird. Eine Segenskraft geht mit uns.

Das Tröstliche ist: wir müssen es nicht machen. Es ist da. Wir müssen es nur an uns geschehen lassen.

Und dann kommt es auf unsere Phantasie und Tatkraft an. Selbstverständlich. Aber der Sieg ist errungen. Die Kraft des Auferstanden ist in uns als Gemeinde Jesu Christi. Und wo zwei oder drei versammelt sind, da ist dieser auferstandene Sieger mitten unter ihnen.

Nach dem Gottesdienst ist die Wirklichkeit unverändert. Aber ich bin hoffentlich verändert. Und das verändert auf Dauer die Wirklichkeit.

Liebe Gemeinde, die  Zukunft ist offen. Wir empfinden da vieles als bedrohlich. Hinter dem, was wir als bedrohlich empfinden, wartet der Schall der Posaune. Die große Verwandlung hinein in den Sieg Christi.

Wir haben jetzt schon etwas davon, indem wir uns für die Wirkung dieses Siegs öffnen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen, seligen Leben.