Silvester 31.12.23

Elke: Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

Sie halten den Kalender mit der Jahreslosung für 2024 in Händen. Die Jahreslosung lautet: Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe. Meine erste Reaktion auf diese Losung war: Ein typischer Spruch für Sonntagsreden. Dazu kann man stundenlang reden ohne etwas zu sagen. Und natürlich wird dem niemand widersprechen. Und das soll jetzt das Motto für 2024 sein, über das wir ein Jahr lang nachdenken sollen.

Albrecht: Da werde ich dir doch gleich mal widersprechen. Über die Liebe sind Millionen von Büchern geschrieben worden und wahrscheinlich ebensoviele Filme gedreht worden. Über dieses Thema kann man ein Jahrtausend nachdenken, ohne dass einem die Ideen ausgehen nicht nur ein Jahr.

Elke: Na gut. Immerhin ist die Formulierung ungewöhnlich. Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe. Das hat einen aktiven Teil: Alles, was ihr tut. Und einen passiven Teil, geschehe oder lasst geschehen in einer anderen Übersetzung. Das ist dann nichts, was man aktiv tun kann, sondern etwas, was man geschehen lassen soll ohne, dass man es selbst bewirken kann. Und dann ist der ganze Satz auch noch als Aufforderung formuliert.

Albrecht: Und deshalb fragen wir uns jetzt: Wie macht man das. Etwas in der Liebe geschehen lassen.

Elke: Meine erste Idee ist, ich rufe mir die Liebe, die in mir ist, ins Bewusstsein und dann mache ich, was wir einfällt.

Albrecht: Und wenn in dir keine Liebe ist sondern nur Angst und Erschöpfung?

Elke: Ja, das kenne ich. Angst und Liebe das passt tatsächlich schlecht zusammen. Um mir die Liebe ins Bewusstsein rufen zu können, muss ich wenigstens ein bisschen entspannt sein. Und wenn ich erschöpft bin, dann brauche ich Abstand von allem und jedem, um mich erholen zu können, dann ist kein Raum für die Liebe.

Albrecht: Wir fühlen uns halt nicht immer liebevoll sondern oft auch wütend und verärgert und dann?

Elke: Dann müssen wir erst mit unserer Wut und unserem Ärger klar kommen, bevor wir irgend etwas in Liebe geschehen lassen können. Und mal abgesehen davon ist Liebe nichts, was wir in der Hand haben. Wir können uns nicht entscheiden, Liebe zu fühlen, die nicht da ist.

Albrecht: Deshalb die passive Formulierung in dem Satz, in Liebe geschehen lassen. Liebe ist nicht in uns, weil wir liebevolle und friedliche und gute Menschen sind und alles richtig gemacht haben. Liebe ist ein Geschenk von Gott. Es ist etwas, was der heilige Geist in unsere Herzen legt oder halt auch nicht. Denn der heilige Geist weht wo er will und wir können nichts, was die heilige Geistkraft tut, erzwingen.

Elke: Erzwingen ist ein gutes Stichwort. Wir können uns noch so anstrengen liebevoll zu handeln. Es geht einfach nicht durch Anstrengung. Liebe ist ein Geschenk Gottes und wir können nichts anderes tun als sie geschehen zu lassen. Wir können sie nicht herstellen, aber wir können sie sehr wohl ablehnen und verhindern.

Albrecht: Da bin ich mir gar nichts so sicher. Manchmal ist die göttliche Liebe so überwältigend, dass jeder Widerstand zwecklos ist.

Elke: Das klingt ein Zitat aus Star Trek, Raumschiff Enterprise: Wir sind die Borg, Sie werden assimiliert. Widerstand ist zwecklos. Die Borg sind eine Zivilisation in der Zukunft von Wesen, die zum Teil aus Maschinen und zum Teil aus Lebewesen bestehen und die Planeten erobern und ihre Bewohner in Borg umwandeln und ihnen damit ihre persönliche Identität nehmen und sie willenlos in ihr Kollektiv integrieren.

Albrecht: Du hast recht. Gott ist keine Borgkönigin, die uns den eigenen Willen nimmt. Gott legt wert auf unsere Entscheidungen. Und wenn die heilige Geistkraft uns mit Liebe erfüllt, dann nur weil wir das so wollen und unser Einverständnis dazu geben.

Elke: Kommen wir zurück auf die eigentliche Frage: Wie geht das alle Dinge in der Liebe geschehen zu lassen?

Albrecht: Im Grunde ist das ganz einfach. Und weil es so einfach ist, ist es schwer zu beschreiben. Gott ist Liebe, sagt das Johannesevangelium. Also müssen wir nur Gott durch uns wirken lassen, und dann ist alles gut.

Elke: Und das findest du jetzt einfach.

Albrecht: Im Grunde ja. Wir müssen nichts anderes tun als uns an die gute Nachricht von der Liebe Gottes zu uns durch Jesus Christus zu erinnern. Und aus der Dankbarkeit, die dadurch entsteht, handeln.

Elke: Wir haben ganz unverdient Gottes Liebe geschenkt bekommen, und weil wir geliebt sind und uns geliebt fühlen dürfen, wollen wir ganz von selbst das weitergeben, was wir empfangen haben.

Albrecht: So meine ich das.

Elke: Und wenn mein Chef mich ärgert, meine Nachbarin soviel Krach macht, dass ich nicht schlafen kann und ich einfach nicht verstehe, warum meine Geschwister wieder gemein zu mir sind. Oder ich einem Freund etwas Gutes getan habe und er mir jetzt immer ausweicht. Ich bin dann gar nicht liebevoll drauf. Und ich würde gerne etwas herumschreien oder vor Wut heulen.

Albrecht: Das ist normal. Es ist nichts dagegen zu sagen wütend oder enttäuscht zu sein und sauer auf jemanden.

Elke: Ach ja, und wie soll ich dann alle Dinge in der Liebe geschehen lassen?

Albrecht: Indem du inneren Abstand von dem, was du erlebst, gewinnst. Ärgere dich ein Weilchen und dann lass den Ärger los.

Elke: Ah ja, einfach so.

Albrecht: Willst du den Ärger weiter mit dir rumschleppen und dir selbst den Tag verderben?

Elke: Nein, das will ich nicht. Aber der Ärger schwelt weiter in mir, und ich kann das nicht einfach vergessen, worüber ich mich geärgert habe.

Albrecht: Du musst es nicht vergessen. Aber du kannst es vergeben.

Elke: Aber dann passiert es nur immer wieder. Dann macht meine Nachbarin weiter Krach und ich kann nicht schlafen und mein Chef ist weiter gemein und so weiter. Dann ändert sich nichts.

Albrecht: Vergeben ist nur der erste Schritt. Wenn du ihnen vergeben hast, dann kannst du entspannt mit ihnen über das Problem reden und dann verstehst du vielleicht besser, was passiert ist. Vielleicht hat dein Chef sich über etwas geärgert, was du getan hast. Vielleicht sind deine Geschwister einfach nur eifersüchtig, weil du erfolgreicher bist als sie. Vielleicht meidet dein Freund dich, weil er dir das nicht zurückgeben kann, was du ihm gegeben hast. Und du musst dich über all das gar nicht ärgern sondern kannst das alles entspannter sehen. Und Missverständnisse lösen sich auf.

Elke: Du meinst die Liebe Gottes, die er in unsere Herzen gelegt hat, beschützt auch uns und hilft uns Abstand zu den Dingen zu gewinnen, die uns ärgern.

Albrecht: Ja, ich glaube die wichtige Gabe des heiligen Geistes ans uns ist Freiheit.

Elke: Wie meinst du das?

Albrecht: Wir müssen nicht unseren Gefühlen folgen. Durch die Liebe, die Gott uns schenkt, sind wir nicht mehr unserer Angst und unserer Wut ausgeliefert. Wir bekommen inneren Abstand und können von außen draufgucken und so handeln wie es gut für uns und gut für die anderen ist. Wir können aus Teufelskreisen aussteigen und Überraschendes tun oder auch gar nichts tun. Dadurch gewinnen wir Freiheit.

Elke: Und können Dinge in der Liebe geschehen lassen, wenn die Liebe uns gegeben wird und wenn nicht, dann können wir drauf warten. Das ist auch in Ordnung.

Albrecht: und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!