Silvester 31.12.25

Albrecht: Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater uns unserem Herrn Jesus Christus.

Silvester. Die Jahreslosung für 2026 halten Sie in Händen. Siehe ich mache alles neu. Das ist doch der perfekte Satz für Reformer in allen Bereichen, oder?

Elke: Nein, der Kontext spricht dagegen. Der Satz steht ja nicht alleine im Neuen Testament. Er stammt aus der Offenbarung des Johannes, dem letzten Buch der Bibel, das man auch als Apokalypse bezeichnet. Hier geht es gerade nicht um Reformen. Hier geht es um radikale Zerstörung des Alten. Hier wird der Weltuntergang geschildert.

Albrecht: Aber dann kommt etwas Neues. Gott schickt das neue Jerusalem vom Himmel auf die Erde. Und dann ist alles anders.

Elke: Ja, und hier handelt alleine Gott. Die Menschen sind in keiner Weise beteiligt. Diese Jahreslosung kann nicht verwendet werden, um irgendwelche Reformen zu rechtfertigen oder anzumahnen.

Albrecht: Also, was können wir tun, während Gott alles neu macht?

Elke: Gar nichts, bzw abwarten und durchhalten. Das Alte aushalten bis es vollständig zusammenbricht und Platz für etwas anderes macht.

Albrecht: Das ist ein bisschen unbefriedigend, oder?

Elke: Nicht sehr, wenn man sich in der Situation dieser Gemeinde, der Johannes schreibt, befindet. Sie erleiden Verfolgung und fühlen sich entsprechend hilflos. Da bleibt nur zu hoffen, dass Gott dem ein Ende macht.

Albrecht: Ist es hier schon so schlimm, dass wir nur noch darauf hoffen können, dass Gott dem ein Ende macht?

Elke: Nein sicher nicht. Wir leben in einem sehr reichen Land unter für die Meisten guten Bedingungen. Wir wollen gerade nicht, dass sich etwas ändert.

Albrecht: Wir wollen, dass  möglichst viel so bleibt wie es ist. Aber gegenüber all diesen bedrohlichen Veränderungen fühlen wir uns ebenfalls hilflos und machtlos. Wir werden überrollt von Entwicklungen, die wir nicht wollen und an denen wir nichts schätzen.

Elke: Vielleicht ist das der Punkt, an dem wir anknüpfen können. Damals fühlte sich die Gemeinde von Johannes hilflos, überfordert und machtlos. Wer fühlt sich denn nicht hilflos und machtlos, wenn er oder sie die Entwicklungen in der Welt beobachtet. Und wer möchte nicht, dass das aufhört, die Kriege die autoritären Tendenzen, die Zölle, der Klimawandel. Das soll doch alles aufhören.

Albrecht: Aber stellt sich wirklich jemand hin und sagt: Bitte Gott, lass das alles zu Ende gehen und erneuere unsere Welt radikal? Beten wir nicht vielmehr. Bitte Gott, lass sich nicht so viel ändern. Ich habe Angst vor all diesen schnellen Veränderungen. Ich komme da nicht mehr mit.

Elke: Ah ja, ich glaube langsam diese Jahreslosung 2026: Siehe ich mache alles neu, ist eine größere Herausforderung für mich als ich gedacht habe. Ich fand sie schon unerfreulich als ich sie das erste Mal gehört habe. Aber inzwischen finde ich sie noch schlimmer.

Albrecht: Langsam, langsam, lass uns nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. Veränderungen sind nun mal der Lauf der Welt. Sie lassen sich nicht wirklich aufhalten. Und sie beschleunigen sich jetzt schon seit mehreren Jahrhunderten. Für uns Ältere ist es schon lange schwer mit all dem, was sich dauernd ändert, Schritt zu halten.

Elke: Du meinst vielleicht ist es auch gut, dass es jemanden gibt, der das Alte wertschätzt und seine Bedeutung hochhält. Und gerade alte Leute, die nicht jedem Trend hinterher rennen, können wichtiges bewahren und für die nächste Generationen zugänglich erhalten zum Beispiel so unmoderne christliche Werte wie einander helfen und sich umeinander kümmern.

Albrecht: Genau. Die Jahreslosung kann uns daran erinnern, dass das Heil nicht in dem Neuen oder in dem Alten liegt. Es liegt in dem Richtigen, das von Gott kommt.

Elke: Genau, Gott macht alles neu, nicht wir. Von Gott kommt uns etwas entgegen, was wir uns noch nicht mal vorstellen können. Eine Welt, die all unsere Phantasie übersteigt, eine Welt, die so anders ist und soviel besser als alles, was wir selbst herstellen können.

Albrecht:  Und im Vergleich dazu ist sowohl das Alte, was wir gerne bewahren würden als auch das Neue, dass die nächste Generation einführen möchte, das Falsche.

Elke: Das müssen wir uns auch als Kirche immer wieder klar machen. Das Gute, das Heil kommt nicht von uns. Klar ist unsere Aufgabe möglichst wirksame Strukturen zu schaffen, in der Kirche in der Politik überhaupt in der ganzen Welt.

Albrecht: Aber diese Strukturen sind immer nur vorläufig und sie sind immer beides: eine Chance etwas besser zu machen und das Risiko etwas zu verschlechtern.

Elke: Es kommt nicht darauf an, ob etwas alt oder neu ist, es kommt darauf an, ob es gut oder schlecht ist. Und wir müssen damit rechnen, dass es immer ein bisschen von beidem ist.

Albrecht: Wenn Gott spricht: Siehe ich mache alles neu, welches Gefühl hast du dann zu diesem Satz jetzt nachdem wir auseinander gesetzt haben, dass es nicht um Reformen oder Konservatismus geht. 

Elke: Da ich schon altersbedingt eher zu Konservativem neige, bin ich immer noch etwas misstrauisch gegenüber diesem Satz.

Albrecht: Halt halt, du bist doch diejenige, die sich immer wieder etwas Neues einfallen lässt, während ich das Gewohnheitstier bin, das eigentlich immer alles genauso wie immer machen möchte. Überprüfe deine Gefühle noch mal.

Elke: Na gut. Wenn Gott alles neu macht, dann wird endlich Frieden herrschen, dann werden die Menschen sich untereinander verstehen, dann gibt es kein Mobbing mehr, keine Ausgrenzung. Dann wird es gerecht zugehen in der Welt. Dann wird niemand mehr an Gott glauben.

Albrecht: Hä, wieso wird niemand mehr an Gott glauben?

Elke: Das steht doch auch in der Offenbarung des Johannes über die ideale Stadt, das neue Jerusalem, dass aus dem Wolken hernieder kommt. Diese Stadt wird keinen Tempel mehr brauchen, denn Gott wohnt mitten unter den Menschen. Jeder kann ihn sehen. Alle können immer mit ihm reden. Niemand muss mehr an Gott glauben, weil alle ihn direkt vor Augen haben und ihn erfahren.

Albrecht: Ok, langsam ändern sich meine Gefühle gegenüber der Jahreslosung auch. Das wäre schon traumhaft schön. Wenn es das ist, auf das wir zugehen, dann freue ich mich auf die Zukunft.

Elke: Naja vermutlich steht der Weltuntergang nicht schon 2026 bevor. Aber wer weiß. Jesus sagt dazu: Ihr kennt weder Zeit noch Stunde. Und es gibt ja nicht nur den allgemeinen Weltuntergang, von dem die physikalische Forschung sagt, dass er spätestens dann kommt, wenn die Sonne in den nächsten Entwicklungszyklus geht und die Erde zerstört wird. Es gibt ja auch für uns alle den persönlichen Weltuntergang wenn wir diese Erde verlassen müssen.

Albrecht: He he, klar ist das Neue der Untergang des Alten. Aber die Hoffnung ist doch, dass wir etwas aus unserer Welt mitnehmen in das neue Leben bei Gott. Das Gute, dass wir getan haben und das Gute,  das wir erlebt haben, wird nicht verloren gehen. Denn Gott verschwendet nichts. Gott kann auch aus dem Bösen noch etwas Gutes machen. Alles ist sein Material, um die neue Welt, auf die wir zugehen, entstehen zu lassen.

Elke: Erheben wir unsere Häupter, blicken nach vorne und sehen auf Gott, der nichts verloren gehen lässt und alles neu machen wird, auch diejenigen unter uns, die schon etwas älter sind.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben.