Silvester mit Dialog zur Jahreslosung 2022

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.
Liebe Gemeinde,
E: Wie immer predigen wir heute über Jahreslosung des nächsten Jahres. Sie lautet: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen. Johannes 6,37.
A: Die Angst abgewiesen zu werden, das kenne ich.
E: Ja, erzähl.
A: Als ich noch jugendlich war, war ich extrem verliebt in ein Mädchen in der Schule. Immer, wenn ich in ihre Richtung geblickt habe, bin ich rot geworden. Und wenn ich ihr im Gang begegnet bin, dann bin ich schnell weggelaufen. Sie hat schon auch mal zu mir rübergeguckt. Und ich glaube sie hat sich oft dort aufgehalten, wo ich vorbei kommen musste. Aber ich habe mich nicht getraut, mit ihr zu reden. Denn ich hatte eine furchtbare Angst abgewiesen zu werden. Das hätte ich nicht ausgehalten. Ich war zwar sonst nicht schüchtern. Aber da hätte ich mich nie getraut etwas zu unternehmen.
E: Ja, ich kenne das auch. Im Gegensatz zu dir bin ich schon schüchtern. Ich finde es nicht einfach, jemanden anzusprechen oder zu besuchen oder von mir aus anzurufen. Da ist immer die Angst im Hintergrund, der oder die könnte das komisch finden. Ich habe auch Angst abgelehnt zu werden auch noch im Alter von 63 Jahren.
A: Man soll zwar in Predigten nichts verallgemeinern. Aber ich glaube es gibt kaum jemanden, der diese Angst nicht kennt.
E: Ja, das glaube ich auch. Und wenn bedenke wieviele Möglichkeiten mir dadurch entgangen sind, dass ich mich einfach nicht getraut habe, jemanden anzusprechen, dann ärgere ich mich ziemlich. Aber es hat keinen Sinn über entgangene Chancen zu trauern. Was war ist vorbei. Die Frage ist, wie ich da mutiger werden könnte.
A: Mutiger die Chancen nutzen, die sich einem bieten ist gar nicht so schwer. Ich finde wenn man über 60 ist, hat man doch schon ein bisschen Erfahrung damit, wie es ist abgewiesen zu werden. Man hat die Stelle nicht bekommen, auf die man sich beworben hat. Oder als Pfarrer muss man damit klar kommen, dass Leute die man selbst konfirmiert hat und wo man dachte man hätte einen guten Kontakt aus der Kirche austreten.
E: Oder man versucht so gut es geht interessante Veranstaltungen anzubieten und dann kommen nur wenige. Oder ich lade zu einem Fest ein, und viele sagen ab, weil ihnen der Termin nicht passt oder es ihnen nicht so wichtig ist wie etwas anderes. Oder ich versuche jemandem zu helfen. Aber der will sich partout nicht helfen lassen sondern alles alleine schaffen oder er fühlt sich sogar von mir bedrängt.
A: Genau, in unserem Alter hat man einfach vielfältige Erfahrungen mit dem abgewiesen werden. Und oft ist es nicht mal etwas Persönliches. Aber trotzdem entmutigt es mich.
E: Ja, das tut es. Aber andererseits, was ist denn Schlimmes passiert als du abgewiesen wurdest?
A: Nun, es war mir peinlich. Ich habe mich falsch und ungenügend gefühlt. Ich habe mich manchmal geärgert – über den anderen und mich selbst.
E: Und war das schlimm oder ganz und gar gefährlich?
A: Nein, eigentlich nicht. Gerade bei so etwas wie einer Stelle, die ich nicht bekommen habe, habe ich später dann gedacht: Das war eigentlich gut. Da bin ich vor einer schwierigen Situation bewahrt worden.
E: Ja, ich erinnere mich an einige peinliche Situationen, wo ich Fehler gemacht habe und deshalb abgewiesen wurde. Und? Das war nicht schön. Aber was solls? Das Leben geht weiter. Und das ist die wichtige Erfahrung. Es schmerzt manchmal abgewiesen zu werden. Und es ist schade. Und es kratzt am Selbstbewusstsein. Aber meistens überlebt man es ganz gut. Und manchmal ist es eine Chance sich neu zu orientieren und einen besseren Weg zu finden.
A: Also man sollte sich nicht davon entmutigen lassen, wenn man abgewiesen wird und dann halt auf andere Weise versuchen seine Ziele zu erreichen oder sich andere Ziele suchen, die besser zu einem passen.
E: Alles klar, aber jetzt haben wir noch gar nicht über die Jahreslosung gesprochen: Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.
A: doch wir haben über die Jahreslosung gesprochen. Bei Jesus Christus passiert uns das alles nicht, was im Umgang mit Menschen ganz normal ist. Zu ihm zu kommen, ist nicht peinlich. Wenn man im Umgang mit ihm Fehler macht, dann wird er einen trotzdem nicht abweisen. Wenn ich mich bei Jesus Christus bewerbe, bekomme ich die Stelle. Er kann mit jedem und jeder etwas anfangen. Jesus Christus baut mein Selbstbewusstsein auf und schickt es nicht in den Keller. Wenn ich ihn anspreche, weist er mich nicht ab. Wenn ich ihn zum Fest einlade, dann kommt er. Er eröffnet mir Möglichkeiten, die ich noch gar nicht sehe und schenkt mir eine Zukunft, die ich mir gar nicht zutraue.
E: Ja, das klingt gut. Aber stimmt es auch mit deinen Erfahrungen überein, was die Jahreslosung sagt: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen?
A: Wie meinst du das?
E: Ich kenne Leute, die haben jahrelang dafür gebetet, dass ihre Schmerzen aufhören. Und sie haben nicht aufgehört. Das fühlt sich doch an als würden sie von Jesus Christus abgewiesen – oder?
A: Ja, du hast Recht. Gott erhört nicht alle Gebete und er erfüllt auch nicht alle unsere Wünsche. Aber heißt das, dass er uns abweist?
E: Zumindest fühlt es sich so an. Und wie oft sagen Leute: Ich kann nicht an Gott glauben. Ich bekomme keinen Zugang, obwohl ich gerne glauben würde. Aber die Welt fühlt sich einfach leer an.
A: Ich weiß, was du meinst. In einer Kultur, in der der Glaube nicht mehr selbstverständlich ist, ist es schwer geworden an Gott festzuhalten. Und auch die gläubigsten Menschen überfallen manchmal Zweifel daran, dass Gott überhaupt existiert oder wenn er existiert, dass er uns hilft.
E: Weil das so ist, ist es wichtig, das nächste Jahr bewusst mit dieser Jahreslosung zu verbringen und die Zusage von Jesus Christus immer wieder zu hören und sich zu vergegenwärtigen: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen. Ja, manchmal ist das nicht eine gegenwärtige Erfahrung. Manchmal ist es nicht mehr als eine Hoffnung oder ein Wunsch oder eine Sehnsucht. Und dann bin ich einfach sehnsüchtig nach Gott und warte auf eine Antwort.
A: Na ja, du bist jetzt 63 Jahre alt. Und vielleicht findet sich in deinem Schatz von Erfahrungen noch etwas mehr als Sehnsucht. Erinnere dich daran, wie Gott dir in gefährlichen und schwierigen Situationen geholfen hat. Und dann kannst du vielleicht sagen: Ja, es stimmt, was die Jahreslosung uns zusagt: Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen. Ich finde darauf können wir uns sicher verlassen und getrost in das neue Jahr 2022 gehen.
und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!

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