Spenden … 26.12.23 Albrecht Burkholz

Die Gnade…

Liebe Gemeinde, unser Predigttext heute lautet:

7Ihr habt doch alles im Überfluss:

Glaube, die Fähigkeit zu reden,

Erkenntnis, großen Einsatz und die gegenseitige Liebe,

die wir in euch geweckt haben.

So sollt ihr auch zu dieser Hilfe für Jerusalem

im Überfluss beitragen.

8Ich sage das nicht als Befehl.

Vielmehr weise ich auf den Einsatz anderer hin,

um zu prüfen, ob eure Liebe echt ist.

9Ihr wisst ja, welche Gnade uns

unser Herr Jesus Christus erwiesen hat:

Obwohl er reich war, wurde er arm für euch.

Denn durch seine Armut solltet ihr reich werden.

2. Kor 8,7-9

Es geht um Kollekte für Jerusalem, die der Apostel Paulus bei den von ihm gegründeten Gemeinden einsammelt.

Dass wir noch heute am Ausgang des Gottesdienstes Kollekte sammeln, ist für Paulus offenbar sehr wichtig und gehört zum christlichen Glauben dringend dazu.

Meine Frau und ich  haben von Anfang an diesen Teil des christlichen Glaubens nicht so hoch gehängt. Wir hatten das Gefühl, wir müssen das Vorurteil ankämpfen: die Kirche will ja nur an unser Geld. Wir mussten gegen übertriebene Geldforderungen und Spendenaufrufen vergangener Pfarrergenerationen ankämpfen. Auch in Messel gab es einen Pfarrer, von dem wir in dieser  Hinsicht einiges gehört haben.

Insgesamt gibt es die Gefahr des Moralismus in christlichen Predigten. Der Druck zu einem bestimmten moralischen Handeln kann sehr groß gemacht werden uns sehr unangenehm und übergefühlig ausgedrückt werden. Eigentlich müssten wir als christliche Kirche gerade vom Apostel Paulus das genaue Gegenteil gelernt haben. Bei Paulus können wir lernen: es kommt nicht auf unser moralisch richtiges Handeln an. Weil wir damit sowieso nicht das Heil bekommen können. Wir werden immer daran scheitern, vollkommen gut zu sein. Wir können uns vor vornherein gleich auf die Gnade Gottes verlassen und uns entspannen. Das, was wir gutes tun können, das soll aus freiem Herzen, ohne Druck, gerne und freiwillig geschehen. Weil wir unser Heil als Geschenk bekommen, können wir als Beschenkte großzügig sein.

Paulus sagt es ja auch hier in unserem Predigttext. Ihr seid reich. Ihr habt alles im Überfluss. Ihr seid mit der Gnade beschenkte. Gott ist großzügig zu euch.

Ja, Paulus macht hier auch moralischen Druck. Er ruft einen Konkurrenzkampf der Gemeinden aus. Wer spendet am meisten?

Paulus selbst ist unter Druck von den anderen Aposteln, die in Jerusalem sind. Sie schauen misstrauisch darauf, dass er die frommen Nichtjuden im Umfeld der Synagogen anspricht und ihnen einen Glauben an Jesus Christus ermöglicht, ohne dass sie sich beschneiden lassen müssen oder die Speisegeboten und den Sabbat einhalten. So können sie so eine Art jüdischen Glauben mit großen Tugenden und großer Hoffnung haben, ohne dass sie sich von ihrer Umwelt isolieren müssen. Die Gemeinde in Jerusalem hatte Gütergemeinschaft gemacht und in Erwartung des baldigen Weltendes die normale Arbeit eingestellt. Jetzt war sie arm und auf Hilfe angewiesen. Zu den Gemeinden, die Paulus gegründet hatte, gehörten Reiche und Arme. Das gab Spannungen, besonders in der großen Hafenstadt Korinth, an die Paulus hier schreibt. Aber das ermöglichte den Gemeinden auch, etwas für die in Jerusalem zu tun und dabei zu hoffen, dass ihr christlicher Glaube ohne starre jüdische Vorschriften von den dortigen Gemeindeleitern und Gemeindegliedern anerkannt wird.

Diese beiden christlichen Haltungen wurden auf Dauer zu einer, aber es gab dabei viele Spannungen. Kirchenpolitische Auseinandersetzungen gab es also von Anfang an. Und das Geld spielte dabei eine große Rolle. Wer Geld hat, dessen Position ist mächtiger. Klar, das ist auch heute noch so.

Schauen wir uns doch etwas genauer an, wieso Paulus es wichtig findet, etwas vom eigenen Geld für andere zu geben.

Das wichtigste: ich bin reich. Das mache ich mir damit besonders klar. Ich kann was abgeben, weil ich mehr als genug habe. Dieses Gefühl ist sehr wichtig. Es wirkt meiner Angst entgegen, dass ich benachteiligt werde. Es wirkt meiner Angst entgegen, dass es für mich nicht reicht. Es wirkt meiner Angst entgegen, dass meine Welt und meine Sicherheit zusammenbrechen können.

Wenn die Kollekte, die wir am Ausgang des Gottesdienstes geben, oder die Spenden, die wir oft zu Weihnachten machen, in  uns dieses Vertrauen stärken kann: mir wird nichts mangeln, dann lohnt sich unser Geben.

Ich beobachte bei der Generation, die noch den Krieg und den Mangel danach erlebt hat, dass die Lebensmittel horten im Alter. Dosen mit Lebensmitteln. Oder Schokoladennotration. Das Gefühl des Mangels und der Erschütterung der Sicherheit ist offensichtlich sehr grundlegend.

Ihr Konfis habt die Erschütterung durch Corona erlebt. Dass man plötzlich keine Nudeln mehr bekommen hat im Supermarkt, kein Klopapier, keine Hefe. Und wir wissen nicht, welche Erschütterungen Kriege, Klimawandel und andere Gefahren bringen werden. Ich wünsche uns allen trotzdem das grundlegende Vertrauen: Der Herr ist mein Hirte. Mir wird nichts mangeln. Oder in den Worten unseres Predigttextes: Ihr seid reich. Ihr habt Überfluss. Ihr seid in einem sozialen Netz miteinander in Sicherheit verbunden. Ihr Christen helft euch. Jesus Christus hat für euch seinen Reichtum aufgegeben, um durch seine Armut euch reich zu machen. Zu eurem sozialen Sicherheitsnetz gehört Jesus Christus, der Heiland, der Weltenrichter, der, dem alle Gewalt gegeben ist im Himmel und auf Erden.

Meine Frau und ich versuchen durch unsere Gemeindearbeit etwas davon auszustrahlen: es gibt genug für alle. Wir haben nachher einen kleinen Umtrunk. Es ist für alle was da. Es kostet nichts. Es ist gespendet. Die Musik heute im Gottesdienst. Wir werden damit beschenkt. Wir müssen keinen Eintritt bezahlen. Menschen machen etwas für uns und  beschenken uns. Wir dürfen es annehmen. Wir bedanken uns dann am Ende durch Applaus.

Wir als Evangelische Kirchengemeinde  Messel sind beschenkt. Wir sind reich, weil Menschen sich einbringen und etwas für andere tun. Das entspannt hoffentlich. Das wird dem Gefühl von Mangel entgegen. Das stärkt hoffentlich das Vertrauen in uns allen. Das hilft uns hoffentlich, das Gute und Gelingende zu sehen. In unserem eigenen Leben und in unserer Umgebung.

Aus meiner Jugend kenne ich noch folgende Sätze, die mit entsprechender feierlicher Betonung zum Thema Kollekte gerne zitiert wurden: Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. Und: Gott segne Geber und Gabe. Das Geben wurde also ordentlich inszeniert. Das haben wir heute heruntergefahren. Die Witze über die moralisierenden Kollektenreden wie z.B. man sollte nichts hören, weil besser Scheine eingeworfen werden, haben uns gezeigt: da sollte man  etwas modernisieren. Aber was tatsächlich stimmt: es liegt ein Segen auf dem Geben. Den ersten Segen haben wir benannt: ich mache mir meinen Überfluss klar und wirke so der Angst vor Mangel entgegen. Der zweite Segen: das Netzwerk, das für alle eine Sicherheit ist, wird gestärkt. Und mit Jesus Christus verbunden.

Meine Frau und ich haben von Anfang an eine Pfarrstelle geteilt. Das bedeutet natürlich weniger Geld, auch wenn wir pensioniert werden.  Wir haben damit der Kirche etwas gespendet, vor allem der Kirchengemeinde Messel. Weil wir mehr gearbeitet haben. Aber wir haben auch etwas davon: ein entspannteres und gutes Leben. Ich finde, es lag und liegt Segen auf dieser Spende.

Wir brauchen es dringend als Gesellschaft, dass Menschen etwas für andere tun. Eine Form der Spende ist auch die ehrenamtliche Arbeit. Wir haben uns sehr gefreut, dass man ganz unbürokratisch zur Waldweihnacht an Strom auf dem Heimkehrerplatz kommt, weil eine Gruppe Senioren unbürokratisch und auf dem kurzen Dienstweg Verantwortung übernimmt. Was wären wir als Gesellschaft ohne diese Bereitschaft, Geld und Zeit zu spenden? So wird der Zusammenhalt gestärkt. Auf dem Geben liegt Segen.

Und der Friede….