Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.
Liebe Gemeinde, heute am Totensonntag gedenken wir. Wir gedenken der Menschen, die uns begleitet und geprägt haben. Namentlich geht es heute um die Menschen, die seit dem letzten Totensonntag gestorben sind. Und natürlich geht es auch darum, dass wir wissen: wir werden einmal sterben. Damit müssen wir zurecht kommen. Meistens denken wir nicht daran. Aber wichtiger noch ist das grundlegende Gefühl, dass wir trotz unserer Vergänglichkeit geborgen sind bei Gott, unserem Ursprung, unserem Schutz, unserem Sinn und Ziel.
Meine Frau und ich haben den Kindern in der Grundschule folgendes Gebet beigebracht:
Gott, sei mir das Haus, das mich schützt
Der Weg, der ins Freie führt
Der Freund, der mir immer nahe bleibt
Die Freundin auf die ich mich verlassen kann
Heute möchte ich dieses Gebet ergänzen um folgenden Satz:
Gott sei mir das Haus, in das ich zurückkehren kann.
In Psalm 23, den wir vorhin zusammen gesprochen haben, heißt es am Ende: und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.
In diesem Psalm wird ein Weg beschrieben. Ein Lebensweg. Gott ist für mich auf diesem Lebensweg ein guter Hirte, der mich begleitet und versorgt und der mich erquickt, wenn ich es brauche. Es gibt auch ein dunkles Tal auf diesem Lebensweg. Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück. Denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Dunkles Tal ist nur ein Abschnitt des Weges. Nach dem dunklen Tal kommt eine Pause, bei der Gott mir voll einschenkt. Ein Aufatmen nach der Zeit des Leidens.
Liebe Gemeinde, wenn wir auf unser Leben schauen, dann können wir beides sehen: Gutes und Barmherzigkeit, die uns ein Leben lang folgen. Und das dunkle Tal, das Leiden. Krankheit. Sorge. Angst. Ärger. Streit. Und dass die Trauer zu viel wird und nicht auszuhalten ist.
Beides ist da. Und nach dem dunklen Tal gibt es andere Lebensabschnitte. Mitten im dunklen Tal gilt auch etwas von dem: Mir wird nichts mangeln. Er erquicket meine Seele. Gott ist ja da im dunklen Tal. Und wie ist Gott? Wie ein guter Hirte. Gott meint es gut mit mir, obwohl dich jetzt durch das dunkle Tal hindurch muss.
Und dann gibt es das dunkle Tal am Ende unseres Lebens, den Tod. Wir alle müssen durch dieses dunkle Tal gehen.
Psalm 23 sagt uns zu: dort im dunklen Tal ist Gott bei uns. Gott, der es gut mit uns meint. Der es uns an nichts mangeln lässt. Von dem Gutes und Barmherzigkeit in unser Leben kommt. Und auch in unseren Tod.
Und am Ende heißt es: ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.
Wir kommen aus unserem Elternhaus. Dort sind wir verbunden. Dort sind wir geborgen. Dort sind wir geschützt.
Wir werden größer und gehen unsere eigenen Wege. Das ist notwendig. Das ist der Lauf des Lebens. Und dort, beim Gehen ist Gott als Schutz mit uns unterwegs. Den Schutz gibt es nicht nur zuhause, sondern auch unterwegs. Und wir wissen ja, dass wir eigentlich Pilger sind hier auf dieser Erde. Dass unser eigentliches Ziel dort ist, in der Ewigkeit. Die Israeliten auf der Flucht hat Gott begleitet als Wolkensäule am Tag und Feuersäule in der Nacht. Später haben sie die Stiftshütte mit den Tafeln der 10 Gebote mit genommen auf den Weg. Wir sind unterwegs und Gott geht mit. Gott geht vor uns her um uns den Weg zu zeigen. Gott steht uns zur Seite um uns zu beschützen vor Angriffen von der Seite. Gott ist hinter uns, damit uns niemand hinterrücks überfallen kann. Gott ist über uns wie ein Schatten am heißen Tag, wie ein sanftes Licht in der Nacht. Gott ist unter uns, um uns aufzufangen, wenn wir fallen.
Unser Lebensweg führt ins Freie. Wir können nicht in der Geborgenheit der Kindheit bleiben. Wir gewinnen dabei die Freiheit. Wir entdecken uns selbst. Wir entdecken andere Menschen. Wir finden unsere Aufgaben. Wir müssen durch Scheitern und Niederlagen hindurch gehen. Wir entwickeln Fähigkeiten und wir machen Fehler. Wir verletzen andere Menschen und werden von anderen Menschen verletzt. Das alles gehört zur Freiheit unseres Lebensweges. Und Gott unser gute Hirte ist dabei und hilft uns, Fähigkeiten zu entwickeln, Niederlagen zu verarbeiten,
vorsichtiger zu sein, damit wir weniger verletzen,
mit den Verletzungen umzugehen
Aufgaben zu entdecken, die unseren Fähigkeiten entsprechen
Unseren Ort im Leben zu finden, unseren sozialen Ort, unseren Sinn, unsere Wirkungsmacht
Gott ist uns auf diesem Lebensweg wie ein guter Freund, wie eine gute Freundin. Wenn uns sonst niemand versteht, wenn wir uns selbst nicht verstehen, Gott sieht und versteht uns, weil er uns sieht, wie wir gedacht sind und wie wir einmal sein werden, dort
Wenn wir uns einsam fühlen – Gott ist uns näher als wir uns selbst je nahe zu sein vermögen
Wenn wir uns selbst nicht verzeihen können, weil wir Fehler gemacht, deren Wirkung wir nicht mehr korrigieren können – Gott vergibt uns und hilft uns, uns selbst zu verzeihen, auch wenn das ein langer und schwieriger Weg ist und manchmal sogar die Altersweisheit dazu nicht ausreicht
Wenn wir anderen Menschen nicht verzeihen können und uns damit selbst schaden, weil wir die Kränkung nicht loslassen und hintan stellen können – Gott hilft uns auch zur Feindesliebe um unseres Seelenheils willen. Dazu hilft uns das Bild aus Psalm 23: Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Gott gibt mir mein Recht. Da wo ich verleumdet werde – Gott sieht die Wahrheit. Und ich kann die Rache Gott überlassen und mein Herz auf Loslassen polen. Ich kann damit aufhören, diesen Kampf zu kämpfen, der mir nur schadet.
Auch das ist höhere Weisheit, für die manchmal noch nicht mal Altersweisheit reicht. Aber der Geist Gottes weht wo er will und kann Wunder bewirken. Auch bei uns. Das Wunder des Himmels ist nur ein Gebet weit entfernt.
Gott, mein Hirte, begleitet mich auf meinem Lebensweg. Auch dann, wenn ich es gar nicht merke. Auch dann, wenn ich gar nicht daran denke. Auch dann, wenn ich meine Gottesbeziehung nicht pflege. Wir sind verbunden mit Gott, dem Grund allen Seins, dem grundlegenden Sinn von allem, unserem Schöpfer und unserem ewigen Ziel. Diese Verknüpfung und Verbundenheit ist da und nur ein Gebet weit entfernt. Vielleicht ist die Trauer um unsere Verstorbenen ein Anlass, diesen Trost in unser Herz zu lassen.
In einem alten Lied wird Gott als der allerheilsamste Tröster bezeichnet. Da ist eine Kraft für uns da, die durch die schwere Zeit der Trauer hindurch hilft. Ein sanftes Begleiten, das durch das dunkle Tal hindurch hilft. Öffnen wir unsere Herzen dafür.
Der Lebensweg, auf dem Gott uns begleitet, hat ein Ende. Ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar. Am Ende gehen wir wieder in die Geborgenheit ein, aus der wir kommen. Der Kreis schließt sich. Gott, die Liebe selbst, nimmt uns in den Arm. Alles, was war, geht ein in die Ewigkeit.
Ich schließe mit dem Kindergebet, ergänzt um die Totensonntagszeile:
Gott sei mir das Haus, das mich schützt
Der Weg, der ins Freie führt
Der Freund, der mir immer nahe bleibt
Die Freundin, auf die ich mich verlassen kann Das Haus, in das ich zurückkehren kann.