Übergänge 12.1.25 Albrecht Burkholz

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Liebe Gemeinde, das neue Jahr 2025 hat begonnen. Manchmal wünscht man sich noch ein gutes neues  Jahr, wenn man sich noch nicht gesehen hat. Aber allmählich fängt der Alltag wieder an. Und das hat ja auch was Gutes, Ruhiges, Beständiges. Je älter ich werde, desto mehr brauche ich mein Gewohntes.

Am 6.  Januar  war Epiphanias. Das Fest der Erscheinung. Gott erscheint. Gott erscheint oft als Licht. An diesem besonderen Tag erschien er den 3 Weisen aus dem Morgenland als Stern, der ihnen den Weg zum Erlöser zeigte. Sie konnten hinter dem Stern her ziehen. Ihr Lebensweg stand unter einem guten Stern. Sie waren von göttlicher Führung begleitet und mit göttlicher Führung gesegnet. Der Himmel war mit ihnen.

Heute am 1. Sonntag nach Epiphanias geht es auch um eine Gotteserscheinung. Gott tritt in das Leben der Menschen in Form eines Wunders.  Bei einem wichtigen Übergang zeigt Gott damit: Ich bin bei euch.

Ich lese Josua 3,5-11.17 5Dann sagte Josua zum Volk:

»Sorgt dafür, dass ihr heilig seid!

Denn morgen wird der Herr unter euch Wunder tun.«

6Und zu den Priestern sagte er:

»Hebt die Bundeslade hoch und zieht vor dem Volk her!«

Da hoben sie die Bundeslade hoch und gingen voraus.

7Der Herr aber sprach zu Josua:

»Heute will ich beginnen,

dich vor den Augen aller Israeliten groß zu machen.

Dann werden sie erkennen, dass ich mit dir bin,

wie ich es mit Mose gewesen bin.

8Du selbst sollst nun den Befehl geben

und zu den Priestern, die die Bundeslade tragen, sagen:

Wenn ihr am Wasser des Jordan angekommen seid,

dann bleibt dort stehen!«

9Schließlich wandte sich Josua an die Israeliten:

»Kommt hierher und hört,

was der Herr, euer Gott, zu sagen hat!«

10Dann sagte Josua:

»Daran sollt ihr erkennen,

dass ihr einen lebendigen Gott in eurer Mitte habt:

Er wird vor euren Augen die Kanaaniter vertreiben,

die Hetiter, Hiwiter, Perisiter, Girgaschiter, Amoriter

und die Jebusiter.

11Seht auf die Bundeslade!

Der Herrscher über die ganze Welt

wird vor euren Augen durch den Jordan ziehen. 17Die Priester, die die Bundeslade des Herrn trugen,

blieben im trockenen Flussbett des Jordan stehen.

So kamen alle Israeliten trockenen Fußes hinüber,

bis der Durchzug durch den Jordan abgeschlossen war.

Das Wunder hier erinnert an den Durchzug durch das Rote Meer. Als die Bundeslade mit den 10 Geboten, getragen von den Priestern, in den Jordan kommt, bleibt das Wasser stehen und die Israeliten  können den Fluss bequem überqueren. 

Josua ist sehr jung und übernimmt das  Amt des großen Gottesmannes Mose. Und die Situation ist beängstigend. Im gelobten Land, dem Ziel  ihrer 40jährigen Wüstenwanderung wohnen Riesen und feindselige Völker. Trotzdem müssen sie  den  Jordan, den Grenzfluss von Osten her überqueren. Sie müssen ja irgendwo wohnen und überall leben feindselige Menschen. So sind ihre Herzen sehr offen und flehend für göttliche Zeichen. Sie werden diesen Weg über den Jordan nie vergessen. Sie gehen damit in die Zukunft. Die Zukunft wird nicht einfach. Sie enthält viele Kämpfe. Aber sie bekommen die Zusage: Gott ist dabei. Gott schützt nicht vor den Schwierigkeit. Gott ist in den Schwierigkeiten dabei. Und manchmal. Manchmal wird sein Beschützen und Helfen besonders sichtbar. Damit wir im Alltag nicht vergessen, wie Gott da ist. Damit wir die Zeichen und Wunder nicht übersehen, sondern dankbar wahrnehmen.

Liebe Gemeinde, vor uns liegen immer Übergänge in die Zukunft. In der Kirche reden wir jetzt von Transformation. Das ist nur ein Fremdwort dafür. Wir gehen in die Zukunft hinein und wir gehen damit ins Ungewisse. Wie man in einer unbekannten Gegend im Nebel langsam vorwärts geht. Und neben mir ist jemand, der kennt den Weg. Es ist sinnvoll, wenn ich mich an dieser Person ausrichte. Ich muss trotzdem aufpassen, wohin ich meinen Fuß setze. Ich muss sehr aufmerksam sein,  damit ich mitbekomme, was diese Person neben mir macht. Und ich darf weder zu ängstlich sein noch zu unaufmerksam noch zu sehr meinen Gedanken nachhängen oder mich von Gefühlsstürmen ablenken lassen. Ich muss ganz da sein in der Situation. Und aufmerksam auf die sanften Impulse des Menschen neben mir, der den Weg weist.

So ist das auch mit dem Leiten Gottes. Normalerweise, in unserem Alltag, ist das Leiten Gottes alltäglich. Ich sehe eine Situation. Ich sehe: das muss gemacht werden. Und dann mache ich es. Das ist so klar, da braucht Gott nicht besonders tätig zu sein. Das mache ich mit meiner Alltagsvernunft.

Dann gibt es Situationen, da muss ich mich entscheiden. Studiere ich das oder das? Oder mache ich diese Ausbildung? Traue ich mich, diese Person zu fragen, ob sie eine Beziehung mit mir eingeht? Welche Stelle nehme ich und welche Wohnung? Mit wem und mit was verbringe ich meine Zeit? Welche Kaufentscheidung treffe ich? Wie gestalte ich meinen Alltag bezüglich Essen und Sport und Schlafen? Schaffe ich mir einen Hund an und welchen?

Da kann ich im Gespräch mit einer Vertrauensperson abwägen. Was sind die Folgen? Vorteile und Nachteile? Wo stelle ich mir selbst ein Bein und kann ich das überwinden? Was sind meine schlechten Gewohnheiten und Schattenseiten und kann ich sie überwinden?

Ich kann Beratungsbücher lesen und Fragebögen ausfüllen. Aber irgendwann muss ich entscheiden. Ich empfehle hierfür: darüber beten. Darüber schlafen. Und oft erscheint am Morgen eine Klarheit. In einem Lied in unserem Gesangbuch nach einem alten Prophetentext heißt es: Er weckt mich alle Morgen, er  weckt mir selbst das Ohr, Gott hält sich nicht verborgen führt mir den Tag empor.

Mir hilft es auch, Gesangbuchlieder zu singen. Die alten Texte wirken in mir. Man kann auch die Losungen lesen oder die tägliche Bibellese. Manche Menschen machen auch Bibelstechen. Sie haben eine bestimmte Frage. Sie bitten Gott um Antwort. Sie schlagen mit geschlossenen Augen die Bibel auf und  deuten auf eine Stelle. Und dann kommt es auf das Deuten an. 

Man kann auch eine Münze werfen und sich dann kurz vorm Fallen der Münze entscheiden. Wichtig ist, dass wir Zugang zu unsrer Intuition bekommen. Im Unbewussten wissen wir mehr. Und dort kann es die kleinen Signale geben, mit denen Gott da ist.

Liebe Gemeinde,

für all die Übergänge, die in diesem Jahr für sie dran sind, wünsche ich Ihnen eine Offenheit dafür, dass Gott da ist. Da sind Zeichen und Wunder in unserem Leben. Wir müssen sie nur sehen und deuten und dankbar annehmen. Und dann zuversichtlich unseren Weg gehen.

Wir alle gehen in Unbekanntes. Das  ist das Wesen unseres Lebens und das ist ja auch Reizvoll. Anders wäre es ja langweilig.

In einem Beerdigungsgespräch hat jemand gesagt: Gut, dass wir Menschen nicht bestimmen können, wann wir sterben. Sonst gäbe es noch Streit um bestimmte Termine. 

Es ist gut, dass die Zukunft unbekannt ist. Trotzdem ist es nicht einfach auszuhalten. Deshalb ist es gut, dass in uns Menschen große Gaben liegen: Glaube, Liebe und Hoffnung. Das sind sehr große Gaben, mit denen wir Großes leisten können.

Ich wünsche uns heute, dass wir diese Gaben anwenden können. Dass wir die Zukunft als große Chance annehmen und gestalten. Auch im Alter, wenn Fähigkeiten abnehmen.

Im folgenden Lied heißt es: Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist. Das heißt auch, wir sollen von den Wegen lassen, die der Herr uns nicht weist. Dafür offen zu sein, dazu helfe uns Gott, der mit uns geht. Gott ist da an den besonderen Übergängen und auch im Alltag. Manchmal wie durch ein Wunder und manchmal in dem er unsere ganz alltägliche Tätigkeit mit Gelingen segnet.

Und der Friede Gottes….