Versuchung 18.2.24

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Liebe Gemeinde, am Beginn der Passionszeit geht es um die erste Leidenszeit Jesu. Am Beginn seines Wirkens kurz nach seiner Taufe fastet er 40 Tage und 40 Nächte in der Wüste, so wie Mose damals 40 Tage und 40 Nächte in der Wolke auf dem  Gottesberg blieb, bevor er die Gebotstafeln mit den 10 Geboten von Gott empfangen hat. 40 Tage fastet Jesus in der Wüste: und dann wird er vom Teufel versucht. Er muss seine erste große Probe bestehen.

Wir haben die Geschichte gerade als Evangelienlesung gehört. Das Erstaunliche ist: die Versuchung besteht nicht in etwas Sexuellem, sondern in Macht oder besser gesagt in Machtmissbrauch. Die Macht aus Steinen Brot zu machen. Die Macht, vom Tempeldach zu springen, ohne dass Jesus sich dabei verletzt. Die Herrschaft über alle Völker der Welt. Und der Teufel ist  so mächtig, dass er die Macht über die Welt vergeben kann. Und der Teufel kann sogar die Bibel zitieren. Aus Psalm 91, den wir vorhin im Wechsel gesprochen haben, zitiert der Teufel: Er wird seinen Engeln für dich Befehl geben, und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.

Jesus besteht die Probe. Er fällt nicht auf den Teufel herein. Er bleibt Gott treu. Der Versucher, der Durcheinanderwerfer, der Böse hat keine Macht über ihn. So kann Jesus der werden, der größer ist als Mose. Er befreit nicht nur sein Volk, sondern die ganze Menschheit. Er lehrt beten im Vaterunser: Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Und so gewinnt Jesus am Ende doch die Macht über alle. Am Ende des Matthäusevangeliums schickt Jesus seine Jünger in die ganze Welt, um Zuversicht und Hoffnung in allen Menschen durch den Glauben zu stärken. Er sagt ihnen: mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Und er verspricht seinen Boten: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Nicht die Macht ist böse, sondern wie sie gebraucht wird. Die Menschen müssen frei sein und nur so ganz der Segen und Schutz von Gott richtig und heilsam bei ihnen wirken.

Liebe Gemeinde, in einem Leben gibt es viele Versuchungen. Viele Gefahren, wie wir uns selbst schädigen. Wie wir unser Leben verfehlen. Wie wir unsere Chancen nicht nutzen. Wie wir anderen schaden, vielleicht ohne große böse Absicht. Wie wir als Gemeinwesen auf die schiefe Bahn geraten.

Die Gefahren verändern sich. Mit dem Smartphone gibt es viele neue Chancen, aber auch viele neue Gefahren. Wir müssen miteinander im Gespräch, um die Gefahren wahrzunehmen und wenn möglich zu vermindern.

Eigentlich ist mit dem Vaterunser alles gesagt, was wir aus der Versuchungsgeschichte mitnehmen können für unser Leben.

Wir beten: unser täglich Brot gib uns heute. Wir wissen damit: wir sind auf die richtigen Umstände angewiesen. Wir sind in einem Netzwerk eingebunden. Und wir denken an die, die aus dem Netzwerk rausfallen, weil wir selbst auf die Gnade Gottes angewiesen sind. Weil wir eben nicht alles selbst machen können und alles selbst in der Hand haben. Unsere Macht ist begrenzt. Aber die Macht, die wir haben, wollen wir gut nutzen. Die Versuchung ist der Machtmissbrauch. Also Lebensmittelverschwendung. Nicht teilen mit denen, die nicht genug zu essen haben. Usw.

Wir beten: Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Wir leben im Vertrauen, dass Gott uns beschützt. Aber wir überfordern unsere Schutzengel nicht mutwillig. Wenn wir in Geschwindigkeitsrausch geraten beim Skifahren oder beim Autofahren, dann könnten wir an Jesus denken, der sich nicht vom Tempeldach stürzt, obwohl er sicher beschützt worden wäre. Wir wenden unseren Blick ein wenig weg vom eigenen Vergnügen und eigenen Interesse. Es geht um Gottes Sache auf dieser Welt. Dass sich Gottes Reich durchsetzt. Das Reich von Glaube, Hoffnung und Liebe. Wir helfen mit, dass die Hoffnung wächst mitten unter uns, trotz allem Schlimmem was geschieht.

Wir beten: Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit. Manchmal sieht es so aus, als wäre wirklich die Welt des Teufels. Als würde alles auf schiefe Bahn geraten. Als gäbe es keine Hoffnung wäre. Als wäre alles zu spät. 5 vor 12 oder 5 nach 12. Und manchmal denken wir auch: Gott, wenn du mächtig bist, dann schlag doch mal richtig drein. Hindre all  die Schurken an ihrem schädlichen Tun.

Wir beten: dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. Gott hat am Ende die Macht. Und Gottes Macht wird sich am Ende durchsetzen. Am Ende wird Gott sein alles in allem. Das ist uns verheißen.

Wir denken manchmal: Wie lange noch? Und wieviel Katastrophen müssen wir noch aushalten? Und doch beten wir das Vaterunser und hoffentlich wird unser Vertrauen damit gestärkt.

Unsere christliche Hoffnung ist eine Hoffnung wider alle Hoffnung. Jesus ist gekreuzigt worden. Und doch war das nicht das letzte Wort Gottes. Danach kam die Auferstehung und die Ausgießung des Heiligen Geistes auf die Glaubenden und die Verbreitung des christlichen Glaubens. Die Hoffnung wächst, werden wir gleich in der letzten Strophe des Abendmahlliedes singen. 

Ich habe gerade in der aktuellen Wochenzeitung Die Zeit einen Artikel gelesen in der Rubrik „Wissen“. Es geht um die Suche nach Wegen aus der großen Erschöpfung. Viele fühlen sich erschöpft, weil Krise auf Krise folgt. Dort wurde das Buch empfohlen von Benjamin Bratton: Die Realität schlägt zurück. Politik für eine postpandemische Welt. Benjamin Bratton lehrt in San Diego in Kalifornien Technikphilosophie und  spekulatives Design. Er sagt: Ich glaube, dass die Dinge besser werden. Und zwar nicht durch heroisches Engagement, sondern auf eine  langsame und langweilige Art.“ Er meint, dass man die Datenströme für bessere Verteilung von  Impfstoffen, für kluge Aufbau von erneuerbaren Energien und entsprechenden Netzen verwenden kann. Dass die Menschheit es so schafft, die Welt zu reparieren.

Die Hoffnung wächst. Das sage ich gegen viele vorhandene Gefühle. Das werden wir  gleich singen. Und unser Predigttext sagt uns: Jesus, unser Erlöser und Freund, war stärker als der Teufel. Er hat die Versuchung bestanden. Er musste durch das Fasten hindurch gehen, aber dann haben ihm die Engel gedient. Er musste  durch Leiden und Tod hindurch  gehen, aber dann gab es Auferstehung und Himmelfahrt und nun sitzt er zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters. Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toden. Das  ist wirklich mächtig. Und diese Macht stammt nicht vom  Teufel.

Ja, der Teufel  denkt, er könne die Macht über alle Völker vergeben. Aber er stürzt schon vom Himmel. Seine Macht ist erschüttert. Das Böse ist nur noch bei Rückzugsgefechten ab und zu mal erfolgreich. Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit gibt es noch viel zu sehr. Sie sind zwischendrin nötig. Z.B. als ein Teil  der Trauerarbeit, die unsere Seelen leisten müssen. Und doch gilt das, was im Hintergrund geschieht und stärker wird: die Hoffnung wächst.

Und wenn wir ganz normale Menschen der Versuchung erliegen? Wenn wir uns selbst schädigen oder andere schädigen?

Auch dazu gibt es ein Gebet im Vaterunser: Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Wir müssen nicht im Sumpf der Selbstanklage stecken bleiben. Es gibt einen Weg. Jesus, der der Versuchung widerstanden hat, lehrt uns dieses Gebet. Wir müssen es nur nachbeten. Und seinen Weg gehen. Den Weg, der die Hoffnung wachsen lässt unter uns.

Möge unser Weg gelingen. Jesus, unser Freund und Erlöser geht mit uns. Und wenn wir stolpern und fallen, richtet er uns auf.

Und der Friede Gottes…