Volkstrauertag 19.11.23 Albrecht Burkholz

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen  Geistes sei mit euch allen. Amen.

Liebe Gemeinde am Volkstrauertag,

am Kriegerdenkmal draußen vor der Kirche stehen die Namen der gefallenen und vermissten Soldaten aus den beiden Weltkriegen 1914-1918 und 1939-1945. Das ist zum Glück lange her. Wir haben nach der Zerstörung der zerbombten Städte und der erschreckenden Bilder aus den Konzentrationslagern nun solange Frieden und Wohlstand. Aber die  Kriegsbilder sind im Fernsehen sehr nahe. Wir geben mehr Geld für die Kriegstüchtigkeit aus und wir diskutieren über einen Veteranentag, weil ja auch bei den Auslandseinsätzen der Bundeswehr Menschen ums Leben kommen.

Ich stelle mir heute vor, wie  das war damals in Messel als junger Mann. Plötzlich war Krieg und dann begann die Gefahr und das Grauen. Das Leben war in seinen Grundfesten erschüttert. Es gab nicht mehr das normale Leben.

In all dem, was uns erschüttert, in  all dem, was  es bei uns an Zerstörung gibt, suchen wir Trost und Hilfe in dem, was ewig ist. In Gottes Wort. Unser Predigttext heute ist eine Rede von Jesus. Es geht um die Frage, wie Gott am Ende die Menschen bewertet und wonach er sie bewertet. Und das bringt einen neuen Blick in unsere Unterscheidungen und Bewertungen. Ich lese Matthäus 25,31-46.

Wonach der Menschensohn die Menschen beurteilt

31»Der Menschensohn wird wiederkommen

in seiner Herrlichkeit mit allen Engeln.

Dann wird er sich auf seinen Herrscherthron setzen.

32Alle Völker werden vor dem Menschensohn versammelt.

Er wird sie in zwei Gruppen aufteilen – wie ein Hirte,

der die jungen Ziegenböcke von der Herde trennt.

33Die Herde wird er rechts von sich aufstellen

und die jungen Ziegenböcke links.

34Dann wird der König zu denen rechts von sich sagen:

›Kommt her! Euch hat mein Vater gesegnet!

Nehmt das Reich in Besitz,

das Gott seit der Erschaffung der Welt

für euch vorbereitet hat.

35Denn ich war hungrig,

und ihr habt mir zu essen gegeben.

Ich war durstig,

und ihr habt mir zu trinken gegeben.

Ich war ein Fremder,

und ihr habt mich als Gast aufgenommen.

36Ich war nackt,

und ihr habt mir Kleider gegeben.

Ich war krank,

und ihr habt euch um mich gekümmert.

Ich war im Gefängnis,

und ihr habt mich besucht.‹

37Dann werden die Gerechten fragen:

›Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen

und haben dir zu essen gegeben?

Oder durstig und haben dir zu trinken gegeben?

38Wann warst du ein Fremder

und wir haben dich als Gast aufgenommen?

Wann warst du nackt

und wir haben dir Kleider gegeben?

39Wann warst du krank oder im Gefängnis

und wir haben dich besucht?‹

40Und der König wird ihnen antworten:

›Amen, das sage ich euch:

Was ihr für einen meiner Brüder

oder eine meiner Schwestern getan habt

– und wenn sie noch so unbedeutend sind –,

das habt ihr für mich getan.‹

41Dann wird er zu denen links von sich sagen:

›Geht weg von mir! Gott hat euch verflucht.

Ihr gehört in das ewige Feuer,

das für den Teufel und seine Engel vorbereitet ist.

42Denn ich war hungrig,

und ihr habt mir nichts zu essen gegeben.

Ich war durstig,

und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben.

43Ich war ein Fremder,

und ihr habt mich nicht als Gast aufgenommen.

Ich war nackt,

und ihr habt mir keine Kleider gegeben.

Ich war krank und im Gefängnis,

und ihr habt euch nicht um mich gekümmert.‹

44Dann werden auch sie antworten:

›Herr, wann haben wir dich hungrig

oder durstig gesehen?

Oder als Fremden oder nackt

oder krank oder im Gefängnis?

Wann haben wir nicht für dich gesorgt?‹

45Da wird er ihnen antworten:

›Amen, das sage ich euch:

Was ihr für andere nicht getan habt

– und wenn sie noch so unbedeutend waren –,

das habt ihr für mich nicht getan!‹

46Auf diese Menschen wartet die ewige Strafe.

Aber die Gerechten empfangen das ewige Leben.«

Eine Frage, liebe Gemeinde: haben Sie schon jemandem geholfen?….Dann gehören Sie zu den Gerechten. Dann sind Sie auf der richtigen Seite.

Eine weitere Frage: haben Sie schon jemandem nicht geholfen?…..Dann gehören Sie zu der falschen Seite, die ihre Strafe bekommt.

Wir merken: wir könnten zu beiden Seiten gehören. Mal helfen wir, mal nicht. Nach welcher Situation wird Jesus als der himmlische Richter beim jüngsten Gericht am Ende aller Tage entscheiden?

Wir sind auf die Barmherzigkeit Jesu angewiesen. Darauf, dass Jesus zu uns freundlicher und unterstützender ist als wir es verdient haben.

Unser Predigttext wird auch als das Hohelied der Barmherzigkeit bezeichnet. Es ist die Rede von 6 Werken der Barmherzigkeit: 

Hungrigen Essen geben

Durstigen Trinken geben

Zu Fremden gastfreundlich sein

Nackten Kleider geben

Sich um Kranke kümmern

Gefangene besuchen

Aus dem Buch Tobit wurde das noch gerne ergänzt um die Aufgabe, Tote zu begraben, und so ergab das 7 Werke der Barmherzigkeit, die man dann in der Kunst darstellen konnte, so in vielen mittelalterlichen Kirchen.

Wir sollen Barmherzigkeit lernen, weil wir selbst auf Barmherzigkeit angewiesen sind.

Erstaunlicherweise sind die Zuhörer Jesu diejenigen, die helfen und nicht die, die Hilfe benötigen. Dabei wissen wir von den ersten Christinnen und Christen, dass sie durchaus oft arm waren. Wenn Jesus seine Zuhörerinnen und  Zuhörer ermutigt und auffordert,  anderen zu helfen, dann stärkt er sie auch. Sie sind die, die helfen können, obwohl sie arm sind und wegen ihres Glaubens noch zusätzlichen Ärger bekommen. Aber sie sind die, die helfen. Und sie sind die, im jüngsten Gericht, wenn die Machtverhältnisse sich ändern, auf der richtigen Seite stehen werden. Ja, sie sind jetzt schon auf der richtigen Seite. Jesus, ihr Seelenfreund und Erlöser, wird der Weltenrichter sein.

Liebe Gemeinde,

wir alle haben die  Erfahrung gemacht. Es tut uns gut zu helfen. Das stärkt uns.. 

An Volkstrauertag erinnern wir uns an Situationen der Ohnmacht. Soldaten, die in den Krieg ziehen müssen. Explosionen, die Menschen verletzen und töten. Trauer um geliebte Menschen, die uns aufgenötigt wird. Ohnmacht.

Wir können auch in Situationen der Ohnmacht helfen. Das stärkt uns. Das hilft uns raus aus der Ohnmacht. Soldaten im Schützengraben haben sich gegenseitig geholfen und das war oft eine starke, lebenslange Gemeinschaft, die dabei entstanden ist. Helfen hilft uns, den Helfern.

Deshalb heute mein Tipp an Sie: lassen Sie sich helfen. Bitten Sie um Hilfe. Den Helfenden tut das gut.

Und wenn wir als christliche Gemeinde eine Gemeinschaft der Helfenden sind, dann tut uns das allen gut. Wir sind stolz darauf, dass wir so viel Menschen in der Gemeinde haben, die etwas ehrenamtlich machen. Menschen, die helfen, damit ein Gemeinwesen gut funktioniert.

Liebe Gemeinde,

wir als Christinnen und Christen werden weniger ist dieser Gesellschaft. Wir fühlen uns manchmal mit unserer Christlichkeit ganz schön schwach und an den Rand gedrängt.

Unser Predigttext sagt: dieser Jesus, zu dem ihr betet, mit dem ihr verbunden seid, mit dem ihr euch beschäftigt in euren Gottesdiensten und Gebeten, dieser Jesus ist der Mächtigste überhaupt. Der endzeitliche Richter. 

Der Menschensohn wird wiederkommen in seiner Herrlichkeit mit allen Engeln. Dann wird er sich auf seinen Herrscherthron setzen. Alle Völker werden vor dem Herrscherthron versammelt.

Mit diesem mächtigen Jesus haben wir es zu tun. Mag unsere evangelische Kirche schrumpfen. Mögen sich viele Menschen gar nicht mehr groß kümmern um Religion. Dieser Jesus ist der Weltenrichter. Der uns zu Barmherzigkeit ermutigt. Und auf dessen Barmherzigkeit wir angewiesen sind. 

Jesus Christus ist der endzeitliche Richter über alle Menschen. Auch über die, die mit dem christlichen Glauben nichts anfangen können. Die uns dafür angreifen, dass wir an so etwas Veraltetem festhalten. Die sich für Klüger und Fortschrittlicher und moderner und vernünftiger halten, weil sie nicht glauben.

Alle werden vor dem Richter stehen. Und der Maßstab ist: wo waren die Menschen barmherzig. Wo haben sie geholfen. Nach diesem Maßstab werden alle Menschen bewertet werden. Das wird Überraschungen enthalten.

Wir Christinnen und Christen gehören zu Jesus Christus, unserem Erlöser. Aber unser Glaube muss sich im Helfen bewähren. In den Werken der Barmherzigkeit. Und da wir mal so handeln und mal so, mal helfen und mal nicht helfen, sind wir auf die Barmherzigkeit von Jesus Christus, dem Weltenrichter, angewiesen. Wir wissen etwas von Jesus Christus und wissen deshalb, dass er sanftmütig ist und ein guter Hirte. Wir können auf seine Barmherzigkeit hoffen.

Denen, die mit  dem Glauben nichts anfangen können, und die es deshalb schwerer haben im Leben, können wir nur empfehlen: da ist etwas, das hilft zu leben. Die Kirche steht offen für alle. Nutzt das. Denn wir alle brauchen es, dass wir einander helfen und miteinander barmherzig sind.

Von uns als Christen sollte etwas soziales ausgehen: helfen. Von uns als Christen sollte etwas religiöses ausgehen: Zugang zu Gott als Geheimnis der Welt. Hinter all dem, was die Menschen beschäftigt, steht ihr Hunger nach Gott, auch wenn sie  das selbst nicht verstehen und noch nicht einmal eine Sprache dafür haben.

Deshalb sind unsere Kirchen und  die aktiven Kirchengemeinden so wichtig für unsere Gesellschaft. Auch, damit nicht neue Namen auf Kriegerdenkmale kommen. 

Und der Friede  Gottes..