Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.
Liebe Gemeinde,
Wir feiern Weihnachten. Mittendrin im Fest ergründen wir das Geheimnis von Gottes Weg zu uns Menschen. Das Johannesevangelium hat keine Geburtsgeschichte von Jesus. Aber es hat eine Einordnung dieser Geburt in die Geschichte der Welt. Ich lese Johannes 1
1Von Anfang an gab es den, der das Wort ist.
Er, das Wort, gehörte zu Gott.
Und er, das Wort, war Gott in allem gleich.
2Dieses Wort gehörte von Anfang an zu Gott.
3Alles wurde durch dieses Wort geschaffen.
Und nichts, das geschaffen ist,
ist ohne dieses Wort entstanden.
4Er, das Wort, war zugleich das Leben in Person.
Und das Leben war das Licht für die Menschen.
5Das Licht leuchtet in der Finsternis,
aber die Finsternis hat es nicht angenommen.
9Er, das Wort, war das wahre Licht.
Es ist in die Welt gekommen
und leuchtet für alle Menschen.
10Er, das Wort, war schon immer in der Welt.
Die Welt ist ja durch ihn entstanden.
Aber sie erkannte ihn nicht.
11Er kam in die Welt, die ihm gehört.
Aber die Menschen dort nahmen ihn nicht auf.
12Aber denen, die ihn aufnahmen,
verlieh er das Recht, Kinder Gottes zu werden.
– Das sind alle, die an ihn glauben. –
13Kinder Gottes wurden sie nicht durch ihre Abstammung.
Sie wurden es auch nicht, weil ein Mensch es wollte
oder weil sie einen Mann zum Vater haben.
Kinder Gottes wurden sie allein dadurch,
dass Gott ihnen das wahre Leben schenkte.
Das Wort Gottes ist Mensch geworden
14Er, das Wort, wurde ein Mensch.
Er lebte bei uns, und wir sahen seine Herrlichkeit.
Es war die Herrlichkeit,
die ihm der Vater gegeben hat –
ihm, seinem einzigen Sohn.
Er war ganz erfüllt von Gottes Gnade und Wahrheit.
Hier beschreibt das Johannesevangelium die Bedeutung von Jesus Christus vom Anfang bis zum Ende der Welt. Jesus Christus ist wie Gott. Als göttliches Wort ist Jesus Christus, das von Gott, was nach außen geht und wirkt. Durch ihn wurde die Welt geschaffen. Durch ihn wirkt Gott in der Welt. Das Johannesevangelium sieht Jesus nicht als einen außergewöhnlichen Menschen oder einen Propheten oder irgendetwas, was es schon mal gegeben hat. Es sieht ihn als einen Aspekt Gottes, als die Form wie Gott sich den Menschen und der Welt zuwendet. Das ist eine universelle Aussage. Hier gibt es einen weltumspannenden Anspruch. Für das Johannesevangelium ist Jesus nicht die Stifterfigur einer bestimmten Religion unter anderen Religionen. Er ist das Licht der Welt, die göttliche Wirksamkeit in der Welt.
Und gleichzeitig ist das Johannesevangelium erstaunt, dass die Menschheit das nicht mitbekommt. Gott ist gegenwärtig und stößt überall auf Ablehnung. Wie kann das sein? Wie kann es sein, dass die Menschen das größtmögliche Geschenk Gottes ablehnen. Gott bietet uns an, selbst Kinder Gottes zu werden. Gott bietet uns die engstmögliche Beziehung zu sich an, das wahre Leben, ganz erfüllt von Gnade und Wahrheit und wir als Menschheit sagen dazu: Ach nein, das brauche ich nicht.
Wie kann das sein?
Und das ist ja auch wirklich erstaunlich. Das Licht leuchtet in die Finsternis. Aber die Finsternis hat es nicht angenommen. Das ist ein schräges Bild. Haben Sie mal versucht eine Kerze anzuzünden und sie in einen dunklen Raum zu stellen. Hat der dunkle Raum eine Chance dann dunkel zu bleiben? Ich glaube nicht. Wenn ein Licht scheint, dann verdrängt es die Dunkelheit. Und dagegen kann man überhaupt nichts tun. Wie kann das also sein, dass die Finsternis das Licht nicht angenommen hat? Wie kann es sein, dass die Menschheit das Angebot Gottes seine oder ihre Kinder zu werden ablehnen kann?
Das ist im Grunde nicht möglich.
Und vielleicht ist das ja die gute Nachricht unseres Bibeltextes. Er sagt uns: Ihr versucht etwas Unmögliches. Ihr versucht, dem Licht der Welt zu entfliehen. Aber das könnt ihr gar nicht. Denn die Welt gehört Gott und damit auch dem Licht der Welt Jesus Christus. Diese Welt ist sein Eigentum. Man kann sich zwar damit befassen dieser Tatsache zu entkommen. Man kann versuchen Gott aus dem Weg zu gehen. Aber letztendlich ist das nicht möglich.
Wir sind heute in einer ähnlichen Situation wie die ersten Christen in der Gemeinde, aus der das Johannesevangelium kommt. Sie wussten, dass sie eine überwältigende gute Nachricht für ihre Umgebung hatten und waren völlig überrascht, dass ihre Umgebung das nicht weiter interessiert hat. Im Gegenteil, die römische Herrschaft legte ihnen Steine in den Weg so gut es ging. Und ihre Nachbarn und Bekannte dachten: Was ist das für eine merkwürdige neue Religion? Ist das Judentum oder nicht? Und ihre jüdische Gemeinde entschied sich für „eher nicht“ und hat die Christen rausgeworfen.
Jesus Christus ist in die Welt gekommen und hat die Welt grundlegend verändert. Das haben die ersten Christen geglaubt. Und es war schwer es weiter zu glauben, wenn alle das anderes sehen. Die ersten Christen hatten damit zu kämpfen, dass Menschen die ihnen nahe stehen, es einfach nicht kapiert haben, was sie für ein tolles Angebot bekommen.
Wir sind heute wieder in einer Situation, dass viele denken: Ich komme ganz gut ohne den christlichen Glauben aus. Und es ist schwer sich nicht in diese Einstellung hineinziehen zu lassen.
Wie schaffen wir das?
Drei Wege:
- Wir machen uns klar, was für eine gute Nachricht das ist, an die wir glauben.
- Wir erinnern uns daran, wo unser Glaube uns schon geholfen hat.
- Wir verdeutlichen uns, wie furchtbar es ist, ohne das Licht der Welt und das wahre Leben auskommen zu müssen.
1. Also, wir glauben einer guten Nachricht. Und welche Nachricht könnte besser sein als, dass Gott uns ein erfülltes Leben schenkt und uns so behandelt wie Eltern ihre Kinder behandeln möchten. Diese Botschaft zu glauben bedeutet, einen sicheren und vertrauensvollen Zugang zur Welt. Wir können uns hier zu Hause fühlen und wissen, dass wir es nicht mit einem grausamen unverfügbaren Schicksal sondern mit einem liebenden Gott zu tun haben. Das verleiht uns innere Stärke und lässt uns hoffnungsvoll in die Zukunft blicken.
2. Ich erinnere mich an vieles, bei dem mir der Glaube schon geholfen hat. Gerade an Krisen und Situationen, die zum Verzweifeln waren. Aber jetzt erzähle ich von etwas aus meiner Konfizeit. Es war Heiligabend. Alle sind ins Bett gegangen und nur ich war noch auf. Da habe ich die Glocken läuten gehört und dachte. Ja, das wäre jetzt schön. Es klang so heimatlich durch die dunkle Nacht. Und da bin ich alleine in die Kirche in den Spätgottesdienst um 23 Uhr gegangen. Die Orgel spielte. Und ich war sehr traurig, weil meine Uroma gestorben war. Und plötzlich hatte ich das Gefühl, dass ich nicht alleine bin. Die Tanne duftet. Die Kerzen werfen ein warmes Licht auf die versammelte Gemeinde und ich habe gemerkt. Meiner Uroma geht es gut und ich werde sie wiedersehen. Ich weiß nicht mehr welche Lieder wir gesungen haben oder was der Inhalt der Predigt war. Aber ich bin getröstet aus diesem Gottesdienst nach Hause gegangen. Der Ort der Geborgenheit, der meine Uroma für mich gewesen war, hatte sich erweitert und ich habe in dieser Nacht gut geschlafen.
3. Es ist furchtbar ohne das Licht der Welt und das wahre Leben auskommen zu müssen. Ja, das ist es. Denn das säkulare Weltbild finde ich zum Verzweifeln. Allein und zufällig in einem unendlichen oder doch sehr großen Universum ohne Sinn und ohne einen Plan und nichts und niemand interessiert sich dafür wie das alles ausgeht. Eine kurze Zeit in der Geschichte des Universums gibt es eine Art auf der Erde, die wieder vergeht und es ist ohne jede Bedeutung, was sie tut. Ehrlich wer kann mit so einem Weltbild wirklich leben?
Wenn Sie jetzt sagen, das ist aber eine arrogante Position, sage ich: Ja, aber sie hilft Widerstandskraft zu entwickeln. Und da ist das Neue Testament sich einig. Widerstandskraft ist wichtig und notwendig. Und dafür müssen wir daran glauben, dass unser Leben hier eine Bedeutung hat, die weit über die kurze Zeit dieses Lebens hinausgeht. Wir sind als Menschen so eingerichtet, dass wir das brauchen und deshalb brauchen wir den Glauben an Gott auch wenn viele denken, dass sie ohne auskommen.
und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!