Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.
Liebe Gemeinde,
in der Bibel gibt es Propheten. Was machen diese Propheten?
Sie hören auf Gottes Stimme. Und dann sagen sie weiter, was sie von Gott gehört haben. Sie sind also Boten Gottes. Sie geben eine Nachricht von Gott weiter. Oft ist es eine Mahnung: wenn ihr das schlechte weitermacht, dann wird das zu etwas schlimmem führen.
Die ersten Propheten, von denen wir in der Bibel lesen, haben noch mehr gehandelt als geredet. Sie haben z.B. gesagt: wenn der König fremde Götter anbetet, wird es nicht mehr regnen. Dann mussten sie fliehen vor dem König und seinen Soldaten. Und dann haben sie bei einer großen Volksversammlung erfolgreich um Regen gebetet.
Später gibt es die Propheten, die mehr geredet haben. Von denen haben wir Bücher in der Bibel. Die haben sie nicht selbst geschrieben, aber ihre Freundinnen und Freunde.
Auch wir Christen heute haben Prophetenaufgaben. Wir sollen Gottes Botschaft sagen. Wir sollen durch unser Verhalten und unsere Worte ausdrücken: christlicher Glaube ist wichtig. Die Sache mit Gott ist wichtig. Nächstenliebe ist wichtig. Wir sind christliche Boten Gottes.
Deshalb ist es wichtig für uns, was wir in dem heutigen Predigttext über die Prophetenaufgabe lernen können. Wir befinden uns ungefähr im Jahr 740 vor Christus in Jerusalem, der Hauptstadt von Israel. In diesem Jahr stirbt der König Usija. Im Tempel ist ein Priester. Der heißt Jesaja. Und Jesaja hat eine Vision, so etwas wie einen Wachtraum. Mitten im Beten vor dem Altar sieht er etwas. Und das ist so stark, dass er ab nun ein Prophet ist. Unser Predigttext Jesaja 6 Vers 1-8 ist die Berufung von Jesaja zum Propheten.
Es war in dem Jahr, als König Usija starb. Da sah ich den Herrn; er saß auf einem sehr hohen Thron. Der Saum seines Mantels füllte den ganzen Tempel.
2Er war umgeben von mächtigen Engeln. Jeder von ihnen hatte sechs Flügel; mit zweien bedeckte er sein Gesicht, mit zweien den Leib, zwei hatte er zum Fliegen.
3Die Engel riefen einander zu:
»Heilig, heilig, heilig ist der Herr,
der Herrscher der Welt,
die ganze Erde bezeugt seine Macht!«
4Von ihrem Rufen bebten die Fundamente des Tempels und das Haus füllte sich mit Rauch.
5Vor Angst schrie ich auf: »Ich bin verloren! Ich bin unwürdig, den Herrn zu preisen, und lebe unter einem Volk, das genauso unwürdig ist. Und ich habe den König gesehen, den Herrscher der Welt!«
6Da kam einer der mächtigen Engel zu mir geflogen. Er hatte eine glühende Kohle, die er mit der Zange vom Altar genommen hatte. 7Damit berührte er meinen Mund und sagte: »Die Glut hat deine Lippen berührt. Jetzt bist du von deiner Schuld befreit, deine Sünde ist dir vergeben.«
8Dann hörte ich, wie der Herr sagte: »Wen soll ich senden? Wer ist bereit, unser Bote zu sein?«
Ich antwortete: »Ich bin bereit, sende mich!«
Wie wird Jesaja zum Propheten? Schauen wir uns das nach und nach an und überlegen uns, was das für unsere prophetische Aufgabe heute bedeuten könnte.
Jesaja ist beim Tempelgottesdienst. Das ist die Voraussetzung. Wir heute sind auch im Gottesdienst. Irgendwie muss die Stimme von Gott oder das Bild, das uns bewegt, zu uns kommen. Natürlich kann Gott überall zu uns reden. Vielen erscheint Gott nachts im Traum oder in den Zeiten, in denen man halbwach Gedanken wälzt. In der Bibel gibt es die Beobachtung, dass am frühen Morgen die Stimme Gottes besonders nah ist. Deshalb gibt es oft in der Christentumsgeschichte ein Morgengebet oder eine Morgenandacht. Ich gehe gerne mit dem ersten Kaffee zur Orgel und singe Lieder aus dem Gesangbuch. In der Nacht hat unser Unbewusstes gearbeitet und morgens sind wir bereit für Neues. Natürlich gibt es auch Morgenmuffel, für die ist das nichts. Da muss jeder seinen eigenen Ort finden und seine eigene Zeit. Und das ändert sich im Lauf des Lebens je nach den Umständen. Wichtig ist nur: wir müssen uns dem göttlichen Wort aussetzen und Ohren und Herz dafür öffnen. Dafür sind Gottesdienste gute Orte. Manchmal kommen Menschen lange nicht dazu einen Gottesdienst zu besuchen. Und dann sind sie bei einer Taufe, einer Trauung, einer Konfirmation oder einer Beerdigung eingeladen und dann spricht sie etwas besonders an, weil das jetzt für sie dran ist. Oder im Urlaub besucht man eine Kirche und da spricht einen etwas besonders an. Menschen brauchen Gottes Wort und Gottes Wort findet seinen Weg. Wir sollten unser Herz davor nicht verschließen, damit dieses Wort, das wir jetzt brauchen und hören, bei uns wirken kann.
Lieder zu hören und mitzusingen kann auch eine Form sein, wie die wichtige göttliche Botschaft zu uns kommen kann. Man könnte auch Gedichte lesen, aber Lieder hören führt auch dazu, dass wir innerlich offen werden.
Und Grußkarten mit schönen kurzen Texten können uns auch weiterhelfen und etwas in uns ansprechen, was dran ist.
Jesaja ist im Tempelgottesdienst vor dem Altar. Da öffnet sich diese Welt und er sieht die Welt dahinter. Er sieht: Gott ist viel größer. Mächtige Engel rufen Heilig, heilig, heilig. Jesaja erschrickt und merkt: ich bin sündig. Mein Volk ist sündig. Gott ist so mächtig, dass ich sterben müsste.
Dieses Erschrecken beschreiben viele Menschen im Angesicht Gottes. Für mich ist Gott der menschenfreundliche Gott. Aber ich kann verstehen, wieso es so viele Filme und Serien gibt, die vom Ende der Welt mit vielen Katastrophen reden und uns gehörig zum Erschrecken bringen wollen. Ja, die Lage ist zum Erschrecken.
Erst dieses Erschrecken, diese Erschütterung macht auf Dauer Jesaja zum Propheten. Wir alle müssen im Leben durch Erschütterungen hindurch gehen, die unser Leben grundlegend verändern. Und diese Erschütterungen bringen uns dazu, uns Gott in besonderer Weise zuzuwenden. An den Wendepunkten des Lebens ist die Kirche besonders da: Taufe, Konfirmation, Trauung, Beerdigung.
Die Erschütterungen unseres Lebens bringen uns hoffentlich dazu, uns Gott besonders zuzuwenden. Denn darin liegt die Möglichkeit, dass wir unseren Weg und unseren Auftrag finden.
Der mächtige Engel legt Jesaja eine feurige Kohle auf die Lippen und reinigt ihn so. Er sagt: Deine Sünden sind dir vergeben.
Das finde ich sehr tröstlich am christlichen Glauben. Ich habe Mist gemacht. Ich kann das sehen, was ich für einen Mist gemacht habe und wie schädliche Auswirkungen das hat. Aber es ist nicht Hopfen und Malz bei mir verloren. Es gibt einen mächtigen Engel, der meinen Mund mit einem Stück feuriger Kohle berührt und mir sagt: Deine Sünde ist vergeben. Das klingt schmerzhaft und das ist es auch. Aber das ist die Chance. Die Chance neu anzufangen. Und diese Chance gibt es. Das wissen wir. Das glauben wir. Das haben viele Menschen schon erlebt. Dazu muss man nicht eine solche Vision haben wie Jesaja. Es reicht, wenn man betet: Herr Jesus Christus, vergib mir. Denn in Jesus Christus gilt die Vergebung für alle. Der Schmerz ist schon für alle erlitten.
Und dann kommt die Frage: wer will Bote sein? Und Jesaja antwortet: Ich will.
Liebe Konfis, in der Schule empfiehlt es sich ja oft, wenn die Lehrer fragen, sich bedeckt zu halten und nicht so schnell zu melden. Und Prophet zu sein ist nicht einfach. Laut Bibel hören die Leute oft nicht auf einen. Und es ist mit Ärger und Leid verbunden.
Aber es ja nicht Sinn und Zweck unseres Lebens, möglichst bequem zu leben. Wir brauchen ja einen Sinn und eine Aufgabe. Nur das macht das Leben spannend.
Die Empfehlung ist also: wenn wir die Frage Gottes für uns hören: wer will mein Bote sein – ja sagen.
Wir wissen ja im allgemeinen ganz gut, wann es gilt für das Gute und Richtige einzutreten. Das erfordert Mut und Entschlossenheit. Oft genug schaffen wir das nicht.
Manchmal gelingt es uns ja zu sagen zu unserer Aufgabe, Bote Gottes zu sein. Und oft genug gelingt es uns nicht und das gehört dann zu den Sünden, die vergeben werden müssen.
Aber genau dazu feiern wir Gottesdienst, um dem göttlichen Wort Raum zu geben und demnächst vielleicht ein wenig mehr unsere prophetische Aufgabe zu erfüllen. Und je mehr wir das tun, desto weniger haben die Schreckensbilder von den drohenden Katastrophen ihr Recht. Gott ist mit uns auf dem Weg. Und Gott ist sehr, sehr mächtig. Wir gehören zu diesem mächtigen Gott. Und was wir tun oder reden ist wichtig. Weil es zu dem Plan Gottes für diese Welt gehört.
Und der Friede Gottes…