Zweiter Sonntag der Passionszeit 13.3.22 Albrecht Burkholz

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.

Liebe Gemeinde, 

heute geht es um die Angst Jesu im Garten Gethsemane. 

Ich lese Matthäus 26,36-46

36Dann kam Jesus mit seinen Jüngern zu einem Garten,

der Getsemani hieß.

Dort sagte er zu seinen Jüngern: »Bleibt hier sitzen.

Ich gehe dort hinüber und bete.«

37Er nahm Petrus und die beiden Söhne des Zebedäus mit.

Plötzlich wurde er sehr traurig,

und Angst überfiel ihn.

38Da sagte er zu ihnen:

»Ich bin verzweifelt und voller Todesangst.

Wartet hier und wacht mit mir.«

39Jesus selbst ging noch ein paar Schritte weiter.

Dort warf er sich zu Boden und betete:

»Mein Vater, wenn es möglich ist,

dann erspare es mir, diesen Kelch auszutrinken!

Aber nicht das, was ich will, soll geschehen –

sondern das, was du willst!«

40Jesus kam zu den drei Jüngern zurück und sah,

dass sie eingeschlafen waren.

Da sagte er zu Petrus:

»Könnt ihr nicht diese eine Stunde

mit mir wach bleiben?

41Bleibt wach und betet,

damit ihr die kommende Prüfung besteht!

Der Geist ist willig,

aber die menschliche Natur ist schwach.«

42Dann ging er ein zweites Mal einige Schritte weg

und betete:

»Mein Vater, wenn es nicht anders möglich ist,

dann trinke ich diesen Kelch.

Es soll geschehen, was du willst.«

43Als er zurückkam, sah er,

dass seine Jünger wieder eingeschlafen waren.

Die Augen waren ihnen zugefallen.

44Jesus ließ sie schlafen.

Wieder ging er weg und betete ein drittes Mal

mit den gleichen Worten wie vorher.

45Dann ging er zu den Jüngern zurück

und sagte zu ihnen:

»Schlaft ihr immer noch und ruht euch aus?

Seht: Die Stunde ist da!

Jetzt wird der Menschensohn

in die Hände der Sünder ausgeliefert.

46Steht auf, wir wollen gehen.

Seht: Der mich verrät, ist schon da!«

Jesus weiß, was auf ihn zukommt. Indem er nach Jerusalem gegangen ist, hat er sich schon dafür entschieden. Aber jetzt wird die Angst noch einmal sehr stark und er versucht, mit Gott zu verhandeln. Er bittet Gott, den Kelch des Leidens an ihm vorübergehen zu lassen.

Deshalb habe ich hier unseren Abendmahlskelch. Am letzten Sonntag stand er auf dem Altar und war für uns der Kelch des Heils. Er war für uns der Kelch des Heils, weil Jesus damals im Garten Gethsemane den Kelch des Leidens auf sich genommen hat. Der Kelch des bitteren Leidens, vor dem Jesus solche Angst hatte, er wurde verwandelt in den Kelch des Heils für alle Menschen, die sich für dieses Heil öffnen. Ein Heil, das uns hilft in der Angst. 

Jesus hat viele Anhänger. Viele Frauen unterstützen ihn, auch reiche Frauen. Mit ihm laufen viele durch das Land. Besonders wichtig sind die 12 Apostel, die für die 12 Stämme des Gottesvolkes stehen. Und dann gibt es noch die drei, die seine ersten Jünger waren, die aus seiner Heimat: Petrus und Jakobus und Johannes. Die waren in allen wichtigen Situationen an seiner Seite. Und diese drei sind bei ihm jetzt in der Zeit der größten Angst. Aber sie schlafen. Sie schlafen dauern ein, statt mit ihm zu wachen und zu beten. Gut, es ist mitten in der Nacht. Jesus betet leidenschaftlich ein Stückchen von ihnen weg. Aber trotzdem. Ihr Freund und Lehrer ist in größter Gefahr. Dreimal hat er ihnen gesagt, dass er gekreuzigt werden wird und am dritten Tag auferstehen wird. Aber sie können oder wollen nicht wahrhaben, dass Jesus gekreuzigt werden wird.  Vor lauter Angst verschließen sie die Augen. Sie verdrängen es.

Aus Angst die Augen verschließen, das kennen wir. Wie die drei Affen. Der eine hält die Augen zu und kann deshalb nicht sehen. Der andere verschließt die Ohren und kann deshalb nicht hören. Der dritte hält die Hände vor den Mund und will nicht reden. Die sind ja sogar bei den Emojis im Smartphone.

Dieser Umgang mit der Angst bei den drei Jüngern, die schlafen statt mit Jesus zu beten, führt zu Schuld. Jesus tadelt sie nur mild. Später am Kreuz werden sie ihn im Stich lassen. Petrus wird drei mal so tun, als würde er Jesus nicht kennen. Nur die Frauen sind bei Jesus am Kreuz. Mit dieser Schuld müssen Petrus, Jakobus und Johannes später leben. Der Kelch des Heils wird ihnen dabei helfen.

Einen anderen Umgang mit der Angst sehen wir bei Jesus. Jesus betet von ganzem Herzen. Er zittert dabei. Er hat Todesangst. Er bittet Gott: wenn es möglich ist, lass diesen Kelch des Leidens an mir vorübergehen. Aber er sagt zugleich nicht wie ich will, sondern wie du willst, das soll geschehen. Im Vaterunser heißt es ja auch: Dein Wille geschehe! Jesus hat seine Freunde das Vaterunser gelehrt gehabt und es oft mit ihnen gebetet. Die geprägten Worte beruhigen ihn und sind eine Erinnerung an das gemeinsame Gebet. Dann geht Jesus zurück und weckt seine Freunde. Er ist besorgt, weil sie so schwach sind. Werden sie ohne ihn auskommen? Und wieder geht er beten, und sie schlafen wieder ein. Das ganze wiederholt sich dreimal.

Vielleicht waren diese schlafenden engen Freunde für Jesus sehr wichtig. So fand er aus der Todesangst in die Rolle des Lehrers und Mahners zurück. Und er fand zu einer Zustimmung zum Leiden. Und dann beginnt das Erlösungsgeschehen mit Kreuz und Auferstehung. Wir haben es am Altar vor Augen. Der gekreuzigte Jesus, mit dem wir uns im Gottesdienst verbinden. Und damit können auch wir verwandelt werden. Der Kelch des Leidens kann auch für uns Kelch des Heils werden. Wir können uns unseren Ängsten stellen und uns dabei öffnen für die große Kraft der Liebe Gottes, die uns und die Welt verändert. Wir können der Liebe Raum geben, Gottes Nähe feiern, Gott tief in uns hinein wirken lassen. Dafür feiern wir Gottesdienst. Dafür feiern wir zusammen Abendmahl. Dafür lernt ihr Konfis die Sache mit dem Glauben und mit Gott besser kennen. Dafür empfangt ihr einen besonderen Konfirmationssegen. Das alles dient dazu, dass wir persönlich und unsere Welt als Ganzes die Haltung und Denkweise der Angst überwinden und die Haltung und Denkweise der Liebe lernen und anwenden und leben.

Der Kelch des Leidens soll und kann verwandelt werden in den Kelch des Heils.

Was der Kelch des Leidens ist, das ist für verschiedene Menschen sehr unterschiedlich. Bei manchen ist es eine Krankheit oder die Angst vorm Älterwerden. Bei anderen sind es schwierige Beziehungen im Beruf, in der Familie, mit Nachbarn oder Bekannten. Bei den dritten ist es eine schwierige Verhaltensweise und Gewohnheit, schlimmstenfalls ein Sucht, die Probleme macht. Bei anderen ist es ein Gefühl von Sinnlosigkeit und Einsamkeit. Bei wieder andern das Gefühl, dass ich so wenig kann und die anderen so viel.

Die Möglichkeiten sind unendlich. Wir Menschen sind sehr phantasievoll dabei, uns selbst ein Bein stellen.

Das muss nicht sein. Das muss nicht so bleiben. Es gibt Lösungen. Es gibt Hilfe. Der Kelch des Leidens kann auch in unserem persönlichen Leben zum Kelch des Heils werden. 

Oft ist da, wo das Problem ist, auch die Lösung. Aber es dauert. Ihr Konfis seid jahrelang in der Schule. Aber ihr wisst ja, dass man heute sein Leben lang lernt. 

So ist es auch mit dem christlichen Glauben. Wir sind ein Leben lang am Lernen. Und am Einüben. Wir sollen ja Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüte und mit all unseren Kräften, den Nächsten lieben, uns selbst lieben und die Feinde lieben. 

Ich kenne niemanden, der da perfekt ist.

Ich spiele jetzt jahrelang Klavier und Orgel. Ich neige dazu, wenn es schwierig wird, zu schnell und zu hektisch zu werden. Das kann ich durch Training verbessern, aber es ist ein langes und mühsames Geschäft. Es ist Knochenarbeit.

Das Verlernen der Denkweise der Angst und das Einüben in die Denkweise der Liebe, das ist unser Aufgabe. Wir scheitern dabei, alle. Zum Glück gibt es Petrus in der Bibel. Der hat hier in unserer Geschichte dreimal geschlafen, statt mit Jesus und für Jesus zu beten. Dann hat er dreimal so getan, als würde er Jesus nicht kennen. Er hat Jesus dreimal verleugnet. Und der wurde dann der Leiter der ersten christlichen Gemeinde in Jerusalem. Dann können auch wir mit unseren Schwächen vom Kelch des Heils trinken. Wenn selbst Petrus so schlimme Fehler macht, dann sollten wir auch nicht von uns selbst erwarten, dass wir immer alles richtig machen.

Und dieser Kelch des Heils, den wir beim Abendmahl trinken, ist ein Kelch der Vergebung. Uns wird vergeben, was wir falsch gemacht haben. Damit wir mit neuer Kraft daran gehen können, die Denkweise der Liebe in uns und zwischen uns stärker werden zu lassen.

Gott helfe uns, dass in unserem Leben die Verwandlung gelingt. Dass der Kelch des Leidens zum Kelch des Heils wird.  

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere menschliche Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen, seligen Leben. Amen.

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