Jubilate 25.4.21

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

Paulus ist in Athen unterwegs. Er ärgert sich über die Tempel und über die selbstsüchtige Religiosität, die er überall findet. Aber er legt seinen Ärger bei Seite. Denn die Menschen sind ihm wichtig. Er weiß, dass auch diesen arroganten philosophieversessenen Griechen – so sieht er das wahrscheinlich als gebildeter Jude – der Ruf Gottes gilt. Und sein Auftrag ist es, ihnen den nahe zu bringen. Und dann überlegt er sich ganz strategisch, wie er das machen soll. Er sucht nach einem Anknüpfungspunkt in ihrer Kultur. Und den findet er in dem Altar für den unbekannten Gott. Also erklärt er ihnen, dass dieser unbekannte Gott der Schöpfer des Himmels und der Erde und aller Völker ist. Und dieser Gott Jesus Christus von den Toten auferweckt hat als Beweis dafür, dass er allen ewiges Leben schenken kann, wen sie umkehren zu einem Leben in Gerechtigkeit.

Viele spotten über diese neuen Ideen. Andere finden sie interessant und wollen immerhin mehr darüber hören. Einige wenige schließen sich Paulus an.

Das haben wir gerade in dem

Predigttext aus Apostelgeschichte 17 gehört, gelesen von Klaus Winkelmann.

(22Paulus trat in die Mitte des Areopags und sagte:

»Ihr Bürger von Athen!

Nach allem, was ich sehe,

seid ihr sehr fromme Leute.

23Ich bin durch die Stadt gegangen

und habe mir eure heiligen Stätten angeschaut.

Dabei habe ich auch einen Altar gefunden,

auf dem stand: ›Für einen unbekannten Gott‹.

Das, was ihr da verehrt, ohne es zu kennen,

das verkünde ich euch.

24Es ist der Gott, der die Welt geschaffen hat

und alles, was in ihr ist.

Er ist der Herr über Himmel und Erde.

Er wohnt nicht in Tempeln,

die von Menschenhand errichtet wurden.

25Er ist auch nicht darauf angewiesen,

von Menschen versorgt zu werden.

Er ist es doch, der uns allen

das Leben, den Atem und alles andere schenkt.

26Er hat aus einem einzigen Menschen

die ganze Menschheit hervorgehen lassen,

damit sie die Erde bewohnt.

Für jedes Volk hat er festgesetzt,

wie lange es bestehen

und in welchen Grenzen es leben soll.

27Er wollte, dass die Menschen nach ihm suchen –

ob sie ihn vielleicht spüren oder entdecken können.

Denn keinem von uns ist er fern.

28Durch ihn leben wir doch,

bewegen wir uns und haben wir unser Dasein.

Oder wie es einige eurer Dichter gesagt haben:

›Wir sind sogar von seiner Art.‹

29Weil wir Menschen also von Gottes Art sind,

dürfen wir uns nicht täuschen:

Die Gottheit gleicht keineswegs

irgendwelchen Bildern aus Gold, Silber oder Stein.

Die sind nur das Ergebnis menschlichen Könnens

und menschlicher Vorstellungskraft.

30Nun – Gott sieht nachsichtig über die Zeiten hinweg,

in denen die Menschen ihn nicht gekannt haben.

Aber jetzt fordert er alle Menschen

an allen Orten auf, ihr Leben zu ändern.

31Denn Gott hat einen Tag festgesetzt,

um über die ganze Welt zu richten.

Dann wird er Gerechtigkeit walten lassen –

durch den Mann, den er dazu bestimmt hat.

Dass dieser Mann wirklich dafür bestimmt ist,

hat Gott allen Menschen

durch dessen Auferstehung von den Toten bewiesen.«

32Als Paulus von der Auferstehung der Toten sprach,

lachten ihn einige seiner Zuhörer aus.

Aber andere sagten:

»Darüber wollen wir ein andermal mehr von dir hören!«

33So verließ Paulus die Versammlung.

34Einige Leute schlossen sich ihm an

und kamen zum Glauben.

Unter ihnen war Dionysius, der dem Areopag angehörte,

eine Frau namens Damaris und noch einige andere.)

Und was fangen wir heute damit an?

Paulus ist es gelungen, die Philosophen in Athen auf dem Areopag für seine Lehren zu interessieren. Und ich glaube, dass es uns heute auch gelingen kann, Menschen, die nach einem Sinn für ihr Leben suchen, für das Christentum zu interessieren.

Wenn ich mit Leuten über ihre Arbeit rede, dann sind ziemlich viele verzweifelt darüber, dass ihre Firmen sinnlose Arbeit verlangen, die oberen Leitungspersonen den Kontakt zu den normalen Arbeitenden verloren haben, und nicht nachvollziehbare Entscheidungen getroffen werden. Auch in den großen Firmen wächst die Bürokratie. Und immer mehr Menschen fragen sich, was soll ich hier eigentlich?

Menschen möchten etwas Sinnvolles tun. Sie möchten Teil eines Ganzen sein, das etwas Gutes für viele bewirkt. Es macht ihnen etwas aus, wenn sie viele Stunden ihres Tages mit Dingen verbringen, deren Nutzen sie nicht sehen können – oder schlimmer noch, von denen sie wissen, dass sie der Allgemeinheit schaden.

Wie kann der christliche Glaube hier helfen? Paulus sagt: Gott wird Gerechtigkeit walten lassen – durch Jesus Christus. Darauf kann ich hoffen. Darauf kann ich mich verlassen. Diese Hoffnung motiviert mich, die Inseln von Sinn und Gerechtigkeit, die es heute auch in den Firmen gibt, zu finden und sie zu verstärken.

Vielleicht bezweifeln Sie, dass man als normale Arbeitnehmerin in dieser ungerechten Wirtschaftswelt überhaupt etwas Sinnvolles erreichen kann?

Ich glaube, dass das möglich ist.  Auch wenn ich die Gesamtpolitik meiner Firma nicht ändern kann, auch wenn ich nicht dafür sorgen kann, dass etwas Gutes hergestellt wird, oder dass die Abläufe vernünftig und effektiv gestaltet werden. Ich kann immerhin meiner Kollegin zuhören, wenn sie sich Sorgen um ihre Kinder macht. Ich kann Vorschläge machen, vielleicht merkt sich ja jemand etwas davon und es wird umgesetzt, wenn ich schon längst im Ruhestand bin. Ich kann zu den Kunden freundlich sein und versuchen ihnen beim Lösen ihrer Probleme zu helfen anstatt sie abzuwimmeln.

In jeder noch so ungerechten Welt gibt es die Möglichkeiten Kleinigkeiten gerechter zu gestalten, mehr auf das Wir als auf die eigenen Vorteile zu setzen.

Und wenn Sie denken für Paulus war das damals leichter als für uns heute. Dann irren Sie sich. Paulus hat in einer Welt gelebt, die im Vergleich zu unserer Welt heute sehr viel brutaler und ungerechter war. Damals war die Mehrheit der Bevölkerung Sklavinnen und Sklaven. Frauen und Kinder hatten überhaupt keine Rechte. Sexueller Mißbrauch wurde als das gute Recht der freien Männer betrachtet. Es gab Hungersnöte und die meisten Menschen wurden nicht alt. Und trotzdem und vielleicht auch deshalb ist Paulus durch den Mittelmeerraum gezogen und hat den Leuten gesagt: Der Gott, der Himmel und Erde und alle Völker geschaffen hat, eröffnet euch einen neuen Raum von Sinn und Gerechtigkeit und ewigem Leben. Jetzt habt ihr die Möglichkeit, eurem Leben einen Sinn zu geben, der nicht vergeht. Schließt euch Gottes Mission für Gerechtigkeit in der Welt an, und ihr werdet diese Gerechtigkeit aufblühen sehen.

Wenn wir die Welt heute nach 2000 Jahre Christentum mit der Welt damals vergleichen, ist das ein Riesensprung in die richtige Richtung.

Und wir als Christinnen und Christen sind ein Teil dieser sinnvollen Veränderung. Das können wir jeden Tag feiern. Auch wenn es noch viel zu tun gibt.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!

Gott segne euch und behüte euch, Gott lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig, Gott erhebe sein Angesicht auf euch und schenke euch Frieden. Amen

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