Kantate 2.5.21 Albrecht Burkholz

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!

Liebe Gemeinde an den Bildschirmen oder die Sie diesen Text als E-Mail oder ausgedruckt von einer Patin eingeworfen lesen,

bald werden wir wieder Gottesdienste im Freien feiern. Bald werden wir Corona so überwunden haben, dass wir auch wieder zusammen singen können.

Ich als Sänger im Kirchenchor habe das sehr vermisst. Ich bin inzwischen geimpft und da ich zu den Jüngsten im Kirchenchor gehöre, müssten bald alle geimpft sein.

Heute ist der Sonntag Kantate, Singt. Immer der 4. Sonntag nach Ostern ist besonders dem Singen und der Kirchenmusik gewidmet. Und schon zum zweiten Mal können wir dabei nicht singen.

Ich übe beim Klavierspielen und Orgelspielen. Ich entdecke die Kirchenlieder, alt oder neu, ganz anders. Unsere normale Zeit mit ihrem Takt ist nicht mehr vorhanden. Wir bekommen so einen neuen Blick auf all das, was war. Wir überlegen, was wir davon wiederhaben wollen. Wir schätzen es neu, wenn wir einander wieder richtig begegnen können, mit Handgeben und miteinander im Gottesdienst singen.

In unserem heutigen Predigttext spielt das Singen eine große Rolle. Wir haben es gerade von der stellvertretenden Kirchenvorstandsvorsitzenden Margit Buxbaum-Elstner gehört. Lukas 19,37-40

37So kam Jesus zu der Stelle,

wo der Weg vom Ölberg nach Jerusalem hinabführt.

Da brach die ganze Schar der Jüngerinnen und Jünger

in lauten Jubel aus.

Sie lobten Gott für all die Wunder,

die sie miterlebt hatten.

38Sie riefen:

»Gesegnet ist der König, der im Namen des Herrn kommt!

Friede herrscht im Himmel

und Herrlichkeit erfüllt die Himmelshöhe!«

39Es waren auch einige Pharisäer unter der Volksmenge.

Die riefen ihm zu: »Lehrer,

bring doch deine Jünger zur Vernunft!«

40Jesus antwortete ihnen: »Das sage ich euch:

Wenn sie schweigen, dann werden die Steine schreien!«

Wir erleben hier etwas mit, das kurz vor der Kreuzigung geschieht. Jesus zieht in Jerusalem ein. Er weiß, es ist gefährlich. Er weiß, das ist eine Zuspitzung der Lage. Er bricht dabei ein Tabu. Er benennt den weißen Elefanten, den niemand zu benennen wagt. Seine Jünger singen, als wenn der neue König einzieht. Damit ist die Frage gestellt, wer die Macht hat und ob die, jetzt die Macht haben, das machen, was gut ist für die Menschen oder ob sie sie nur manipulieren.

Die Pharisäer wollen wie Jesus alle zum Glauben ermutigen. Gerade weil sie Jesus so nahestehen, streitet er sich mit ihnen am meisten. Er wirft ihnen Heuchelei vor. Denn auch sie manipulieren die Leute und lassen sich auf die Machthaber ein. Trotzdem wollen die Pharisäer die Zuspitzung verhindern, vielleicht auch um Jesus zu schützen. Sie fordern Jesus auf, die Jünger zum Schweigen zu bringen. Jesus sagt ihnen: die Steine würden stattdessen schreien. Das Gotteslob will gesungen werden, weil der neue König einzieht, mit dem eine Zeit des Friedens im ganzen Universum beginnt. Das, was da beginnt, ist so stark, dass es sich von nichts und niemandem aufhalten lässt. Weder von ein paar Pharisäern noch von dem Kreuzigen des Friedenskönigs.

Es beginnt etwas, das uns einstimmen lässt in den Jubel des ganzen Universums.

Diesen Ruf singen wir in der Abendmahlsliturgie. Wir machen uns damit bereit, damit der König des Friedens in unser Herz und in unser Leben einzieht. So singen wir:

Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll. Hosianna in der Höhe. Gelobet sei, der da kommt in Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe.

Wir erleben gerade in der Kirchenpolitik, dass man uns möglichst nicht zuhört. Acht verschiedene Personen haben sehr verschiedene E-Mails dagegen geschrieben, dass das Gemeindehaus geschlossen werden soll. Die zuständige Frau in der Kirchenverwaltung hat die gleiche Standardantwort an alle geschrieben. Vielleicht müssen die Steine schreien, damit wir gehört werden.

Was da mit Jesus beginnt, überwindet alle Widerstände. Der König des Friedens beginnt seine Friedensepoche. Ein wenig davon ist eingetreten. Aber vieles davon steht noch aus. Aber in uns und zwischen uns wirkt, was die Hoffnung stärkt und uns heilsam verändert, durch alle Widerstände und Niederlagen hindurch.

Deshalb ist unser Symbol das Kreuz. Das Kreuz zeigt den Widerstand an. Den Versuch, zum Schweigen zu bringen. Die große Verdrängungs- und Manipulationsenergie derer, die nicht wirklich im Sinne der Menschen handeln. Das Kreuz ist nicht das letzte. Kreuz und Auferstehung gehören zusammen. Von Jesus Christus aus beginnt ein Friedenslied, das das ganze Universum erfasst und sogar notfalls die Steine zum Erklingen bringt.

Die schreienden Steine – das ist auch ein düsterer Ausblick. Jerusalem wird im Jahre 70 zerstört werden von den Römern. Der Tempel, auf den alle so stolz sind und der viel Geld verschlungen hat, wird zerstört werden.

Diejenigen, die eine falsche Politik fortsetzen und dazu den Friedenskönig umbringen, reißen alle ins Verderben. Hoffen wir, dass es bei uns heute nicht so ist. Weder in der Kirchenpolitik noch in der Klimapolitik. In vielen anderen Bereichen unserer Gesellschaft gibt es das Gefühl, nicht gehört zu werden. Weil zu viel Energie in Manipulation geht. Und zu wenig Energie ins Zuhören. Das ist geradezu klassische Firmenpolitik. Fast alle Menschen, mit denen ich über Ihre Arbeit rede, sehen das so. Das ist erschreckend. Manchmal hilft nur noch bitterer Humor. Ein Ingenieur hat mir gerade Dilbert empfohlen, einen Comic, der die Firmenpolitik aufs Korn nimmt und unter Ingenieuren verbreitet ist.

Zum Glück finden wir Gehör. Gott ist nur ein Gebet weit von uns entfernt. In einem Lied wird Gott bezeichnet als der Abgrund der Wunder. Es ist mehr möglich, als wir uns im Alltag so vorstellen. Sogar Steine können das Gotteslob schreien, wenn Menschen zum Verstummen gebracht werden.

Das Gotteslob findet im Himmel statt. Friede herrscht im Himmel und Herrlichkeit erfüllt die Himmelshöhe. Wegen Corona habe ich mehr Zeit, Bücher zu lesen. Ich habe gerade das Buch „Licht im Dunkeln“ von Heino Falcke gelesen. Der war an dem Bild vom Schatten des Schwarzen Lochs beteiligt, das in einer weltweiten Aktion gelungen ist. Er beschreibt gut lesbar unsere heutige Vorstellung vom Weltall. Wir sind nur auf einem kleinen Planeten am Rand unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße. Die Galaxien, die weiter von uns entfernt, bewegen sich schneller von uns weg, als die, die näher sind. Theoretisch ist es denkbar, dass etwas in ein schwarzes Loch hineingezogen wird und an einer anderen Stelle des Universums aus einem Weißen Loch wieder herauskommt. Jedenfalls wissen wir ziemlich wenig über diese Welt. Dunkle Materie und dunkle Energie machen den größten Teil der Welt und darüber können wir nur spekulieren. Je mehr wir wissen, desto größer wird der Bereich des Nichtwissens. Das ist für mich Gelegenheit zu Staunen und demütig zu werden. Und wieder einmal zu erkennen, dass Glauben und Wissenschaft überhaupt keine Gegensätze sitzt. Heino Falcke ist Prädikant der Rheinischen Kirche und seine Tochter ist Vikarin.

Wenn wir in das Gotteslob einstimmen, dann klingen wir mit dem, was im Himmel erklingt. Was jetzt unsere Kämpfe sind, ist nur ein winzig kleiner Teil in Gottes Weg mit dieser Welt. Und dieser Weg führt zum Frieden, egal wer uns nicht hören nicht will. Egal, wer uns zum Verstummen bringen wir. Wir singen weiter. Der Himmel singt mit uns. Was hier Gottes Sache entgegensteht wird letztendlich scheitern an dem, der der Wunder Abgrund ist.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere menschliche Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen, seligen Leben.

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