Pfingstmontag 24.5.21 Albrecht Burkholz

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Liebe Gemeinde am Pfingstmontag,

unser Thema heute lautet:

Wir sind verschieden – das ist das Problem.

Wir sind verschieden – das ist die Lösung.

Damals in der griechischen Hafenstadt Korinth im Jahr 52 nach Christus gab es in der kleinen christlichen Gemeinde viel Streit. Der Apostel Paulus hatte diese Gemeinde erst vor 2 Jahren gegründet. Manche konnten dort Zungenreden, also in Ekstase unverständlich singen. Das galt als besonders heilig, weil das nur geschehen konnte, weil der Heilige Geist in den Menschen war. Die, die Zungenreden konnten, waren eingebildet und hielten sich für etwas besseres. In diese Situation hinein schreibt Paulus das, was wir eben aus dem 1. Korintherbrief 12,4-11 gehört haben.

4Es gibt zwar verschiedene Gaben,

aber es ist immer derselbe Geist.

5Es gibt verschiedene Aufgaben,

aber es ist immer derselbe Herr.

6Es gibt verschiedene Kräfte,

aber es ist immer derselbe Gott.

Er bewirkt das alles in allen Menschen.

7Das Wirken des Geistes zeigt sich bei jedem

auf eine andere Weise.

Es geht aber immer um den Nutzen für alle.

8Der eine ist durch den Geist in der Lage,

mit Weisheit zu reden.

Ein anderer kann Einsicht vermitteln –

durch denselben Geist!

9Einem Dritten wird durch denselben Geist

ein besonders starker Glauben gegeben.

Wieder ein anderer hat durch den einen Geist

die Gabe zu heilen.

10Ein anderer hat die Fähigkeit, Wunder zu tun.

Ein anderer kann als Prophet reden.

Und wieder ein anderer kann die Geister unterscheiden.

Der Nächste redet

in verschiedenen unbekannten Sprachen,

ein weiterer kann diese Sprachen deuten.

11Aber das alles bewirkt ein und derselbe Geist.

Er teilt jedem eine Fähigkeit zu,

ganz so, wie er es will.

Wir sind verschieden. Die Menschen haben unterschiedliche Fähigkeiten. Der Heilige Geist hilft den Menschen, ihre Fähigkeiten zu entwickeln und gut anzuwenden zum Nutzen von allen. Niemand soll sich auf seine Fähigkeiten etwas einbilden. Niemand soll sich für besser halten als andere. Was der Heilige Geist bewirkt, ist zum Nutzen von allen. Die Gemeinschaft ist das, was zählt.

In unserer Gesellschaft gibt es einen Verteilungskampf. Den gibt es immer, aber er ist jetzt in Coronazeiten verschärft. Wer ist systemrelevant? Wer wird wann geimpft? Welche Meinung findet welche Aufmerksamkeit? Das führt dazu, dass alle ganz laut schreien: Ich bin wichtig. Meine Wichtigkeit wird nicht gebührend beachtet.

Dieser Dauerstreit führt zu Stress. Die Nerven liegen blank. Der Tonfall wird härter. Wir sind verschieden und haben verschiedene Interessen. Das ist das Problem. Wenn ich schneller geimpft werde, wird jemand anders langsamer geimpft. Erst wenn genug für alle da ist, entspannt sich die Lage.

Kommen wir zum zweiten Teil des Themas. Wir sind verschieden – und das ist die Lösung.

Martin Luther war als Schüler sehr beeindruckt von einem Lehrer. Der kam morgens in die Schule und zog seinen Hut vor den Schülern. Er sagte zu einem: Du wirst vielleicht Bürgermeister. Ich ziehe meinen Hut vor dir. Er ging zum anderen: Du wirst vielleicht der wichtige Berater des Landgrafen. Ich ziehe meinen Hut vor dir. Er ging zu einem dritten: Du wirst vielleicht Bischof. Ich ziehe meinen Hut vor dir. In der Schule wurde man sonst überhaupt nicht respektvoll behandelt. Aber dieses Hutziehen in Hinblick auf die Zukunft hat Martin Luther sehr beeindruckt. Es machte ihm klar: in mir schlummern Gaben und Fähigkeiten. Ich muss sie nur entwickeln. Und dann kann ich meinen wichtigen Beitrag zur Gemeinschaft leisten.

Dass wir verschieden sind, ist die Lösung. Die Musiker haben verschiedene Instrumente. Sie spielen zusammen, weil sie sich auf ein Stück geeinigt haben und auf ein gemeinsames Tempo. Sie arbeiten zusammen, damit zum Wohle der Gemeinschaft schöne Musik erklingt. Sie kooperieren. Dafür ist es gut, wenn jemand das Stück aussucht und den Übetermin und den Aufnahmetermin macht. Das war in diesem Fall unser Organist Hans Pfaff. Er hat mit seiner Tochter Christine und mit Viola Tonn den Termin ausgemacht. Hinter dieser Musikaufnahme steht eine lange Zeit des Übens bei den einzelnen Musikern. Alle drei haben ihre Fähigkeiten weiterentwickelt. Ihr Instrument gekauft und sich mit diesem ihren Instrument vertraut gemacht. Und die drei haben auch schon eine jahrelange Geschichte der Kooperation.

Meine Frau und ich teilen uns die Pfarrstelle von Anfang an. Wir mussten die Kooperation lange einüben. Wir haben nacheinander die praktische Ausbildung im Vikariat gemacht. Wir haben einen Kalender zusammen. Wir reden sehr viel miteinander. Privates und Dienstliches ist bei uns nicht scharf getrennt. Und in dieser Aufnahme steckt die Fähigkeit meiner Frau, Videos aufzunehmen, zu bearbeiten und auf ihren Youtube-Kanal zu stellen. Das hat sie sich im letzten halben Jahr erarbeitet. Sie mag gerne, sich am Computer etwas neues beizubringen. Für mich wäre das viel anstrengender.

Meinen Fähigkeiten entspricht es, Kandidatinnen und Kandidaten für die Kirchenvorstandswahl anzusprechen. Deshalb bin ich stolz, dass wir so tolle Kandidaten haben. 16 Frauen und 2 Männer stehen zur Wahl. Sie sind sehr unterschiedlich – und das ist gut so.

Natürlich muss jede neue Zusammensetzung von Personen sich finden. Es gibt Beobachtungen, wie das vor sich geht und Empfehlungen. Aber am Ende kommt es darauf an, dass alle ihre Fähigkeit zum Wohle der Gemeinschaft einbringen. Manchmal muss man brachliegende Fähigkeiten wiederbeleben. Manchmal braucht man eine Ermutigung, eine Fortbildung zu machen. Manchmal ist man vielleicht noch nicht im richtigen Gebiet oder in der richtigen Gruppe. Unsere Fähigkeiten können entwickelt werden. Hören wir auf unsere innere Stimme und auf die Hinweise der Menschen, die uns kennen. Und beten wir:  Zeige mir, Gott, deinen Weg. Den Weg, der für mich gut ist. Den Weg, der zum Nutzen aller ist.

Damit wir alle möglichst fruchtbar unsere Gaben einsetzen können, ist es nötig, dass wir Zeit haben zum Reden und Nachdenken. Wer zusammenarbeitet – das muss freiwillig sein. Niemand darf überlastet werden. Jeder Beitrag muss anerkannt werden.

Es gilt immer beides. Wir sind verschieden – das ist das Problem. Wir sind verschieden – das ist die Lösung. Damit möglichst viel zum Nutzen aller geschieht, müssen wir das Problem verkleinern und die Lösung vergrößern. Damit das gelingt, brauchen wir die Mithilfe von allen. Und wir brauchen den Segen. Wir brauchen es, dass Gott in uns und zwischen uns wirkt. Und dass der Heilige Geist, die göttliche verändernde Kraft, Menschen dazu bringt, über sich hinaus zu wachsen, indem sie ungeahnte Fähigkeiten entwickeln. Oder indem der Heilige Geist Menschen dazu bringt, etwas mehr wahrzunehmen und sich vielleicht manchmal zurückzuhalten, damit andere einen Anreiz haben, etwas zu tun. Wir brauchen es, dass wir auf einander achten. Dass wir einander wahrnehmen. Dass wir andere wertschätzen und es auch ausdrücken.

Wenn eine Verständigung passiert, obwohl wir mitten im Stress des Verteilungskampfs sind, dann ist das ein Wunder.

Aber Wunder sind häufiger als man denkt. Und der Heilige Geist weht, wo er will. Und manchmal geschieht etwas Gutes – obwohl wir ziemlich viel verkehrt gemacht haben.

Zum Glück liegt es nicht nur an uns, dass die Gemeinschaft der Christinnen und Christen gelingt. Da gibt es eine Kraft, die trotz unserer Fehler für die christliche Gemeinschaft sorgt. Eine Kraft, die von der Zukunft her denkt. Was können wir noch werden? Wie können wir noch fruchtbar werden? Wie kann mitten unter uns etwas von Gott geschehen?

Wir alle sind aufgerufen, dafür offen zu sein und dafür unsere Fähigkeiten einzubringen.

Manchmal reicht dazu wenig. Ich weiß von einer Konfirmandin, die das Wählen des Kirchenvorstands sehr ernst nimmt. Das finde ich sehr gut. Denn manchmal kann es an einer Stimme hängen. Wir alle haben mehr Macht, als wir denken. Was wir tun, was wir sagen oder was wir unterlassen – das spielt eine Rolle.

Gott will, dass etwas geschieht zum Nutzen aller. Von uns als Christinnen und Christen kann etwas ausgehen, das diese Gesellschaft entspannt und was den Zusammenhalt fördert. Alle können dazu beitragen, indem sie ihre Fähigkeiten entwickeln und einbringen und andere in ihren Fähigkeiten ermutigen und stärken.

Ein Beispiel, das uns sehr viel Mut und Hoffnung macht: Bei uns in der Kirche sind wir jetzt gerade sehr froh, dass viele Kirchengemeinden im Dekanat mit uns den Antrag einbringen, mit mehr Zeit über die geplanten Kürzungen nachzudenken. Das ist ein gutes Zeichen, dass Menschen bereit sind, für ihre Gemeinschaft vor Ort einzutreten. Weil sie wichtig ist. Weil sie zum Nutzen aller in diesem Ort ist.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere menschliche Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben.

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