Exaudi 16.5.21 Albrecht Burkholz

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Ich erinnere mich, wie wir als Kinder um den Küchentisch saßen und meine Mutter Äpfel geschält hat. Wir sind insgesamt 6 Kinder und ich bin der Älteste. Es kam darauf an, schnell die Apfelschnitzen zu greifen, denn wir waren viele. Aber es war ein Spiel, denn es gab genug Äpfel. Wir hatten viele Apfelbäume. Das Konkurrenzspiel war ohne wirklichen Ernst, weil genug da war.

Die Botschaft heute lautet: Es ist genug für alle da. Jesus sagt uns zu: Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen, dessen Durst nach Leben wird wahrhaft gestillt werden. Wir haben heute eine Woche vor Pfingsten, dem Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes, der göttlichen Kraft und der göttlichen Fülle. Die Botschaft heute lautet: Gottes Fülle ist für uns da. Der Heilige Geist wird über die kommen, die mit Jesus verbunden sind und an Jesus glauben. Heiliger Geist, das heißt Gottes Kraft, die unser Leben verändert. Es ist genug da von Gottes Kraft. Genug für uns. Genug für die Probleme dieser Welt.

Jesus ist mit seinen Jüngerinnen und Jüngern in Jerusalem. Dort wird das Laubhüttenfest gefeiert, ein mehrtägiges Erntefest. Dabei bringen die Priester jeden Tag Wasser aus einem Teich in den Tempel. Denn bald beginnt die Regenzeit und wenn es in diesem trockenen Land nicht genug regnet, dann herrscht Hunger.

Das Thema Wasser ist also für die Menschen sehr wichtig.

Da stellt Jesus sich hin und  sagt: Bei mir gibt es Wasser. Glaubt an mich und es gibt nicht nur ein bisschen Wasser. Sondern sehr viel. Ströme fließen von euren Körpern. Als wenn ihr unter einem Wasserfall steht und das fallende Wasser genießt. Und es ist lebendiges Wasser. Frisches wohlschmeckendes Wasser. Kein abgestandenes Wasser, das nicht mehr gut riecht und nicht mehr gut schmeckt.

Wir haben gerade die Lesung aus Johannes 7,37-39 gehört.

 (37Am letzten Tag, dem Höhepunkt des Festes,

trat Jesus vor die Menschenmenge und rief laut:

»Wer Durst hat, soll zu mir kommen.

Und es soll trinken, 38wer an mich glaubt.

So sagt es die Heilige Schrift:

›Ströme von lebendigem Wasser

werden aus seinem Inneren fließen.‹«

39Jesus bezog dies auf den Heiligen Geist.

Den sollten die erhalten,

die zum Glauben an ihn gekommen waren.

Denn der Heilige Geist war noch nicht gekommen,

weil Jesus noch nicht

in seiner Herrlichkeit sichtbar war.)

Da spricht Jesus von lebendigem Wasser im Überfluss.

Jesus predigt zu frommen Juden, die das Laubhüttenfest feiern. Sie wohnen einige Tage in kleinen Hütten aus Zweigen. Und sie nehmen teil an Wasserprozessionen, damit es in der Regenzeit genug Regen gibt. Sie danken für die Ernte und bitten um eine weitere gute Ernte. Er sagt ihnen: Glaubt an mich. Dann werdet ihr genug gutes Wasser haben. Dann wird euer Durst gelöscht werden. Jesus predigt Menschen, die ihren Glauben haben. Die feiern das Laubhüttenfest wie vorgeschrieben. Die hoffen darauf, dass Gott selbst als König die Herrschaft übernimmt und alle Ungerechtigkeit beseitigt. Was möchte Jesus von diesen Menschen? Die sind doch gläubig. Die halten sich an die Regeln. Die feiern die Feste wie vorgeschrieben. Was sollen sie denn sonst noch darüber hinaus tun?

Was ist das Neue, das mit Jesus kommt? Darüber sind viele Bücher geschrieben worden. Was wir hier in unserem Predigttext sehen, ist folgendes. Jesus möchte nicht, dass die Leute etwas über ihre religiösen Pflichten hinaus tun. Jesus geht viel tiefer. Er spricht die Menschen dort an, wo ihre tiefsten Ängste und Wünsche und Hoffnungen liegen. Und er sagt ihnen: ergreift die Gelegenheit. Vor euch liegt göttliche Fülle. Da ist etwas viel mehr und viel größer als alle religiösen Pflichten. Da ist etwas, das ist verändernd und heilend und überraschend. Da ist göttliche Fülle. Genug für alle.

Wenn ihr euch darauf einlasst, wenn ihr diese göttliche Fülle in euer Herz und euer Leben lasst, dann ist unvorhersehbar, was passiert.

Unvorhersehbar und überraschend ist das, was passiert. Das ist der Kern der Pfingstgeschichte. Die Geschichte von Pfingsten wird in der Bibel so erzählt: Die Jüngerinnen und Jünger in Jerusalem saßen ängstlich in einem Haus und haben sich kaum rausgetraut. Und dann kam der Heilige Geist und sie wurden mutig und redeten und Menschen mit anderen Sprachen konnten sie verstehen. Sie wurden eine neue Gemeinschaft, die die Welt veränderte. Niemand konnte das vorher sehen. Da war eine göttliche Kraft. Und wenn die göttliche Kraft auf die Erde kommt, dann geschieht ungewöhnliches. Unerwartetes. Erstaunliches. Veränderndes. Manchmal auch erschütternd. Aber es ist eine große Geschichte des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung. Es ist nie sinnlos. Es ist gut, ein Teil von dieser großen Geschichte zu sein. Eine Geschichte, wie Gottes Fülle auf die Welt kommt.

Ein erster Schritt für uns könnte vielleicht sein, wie wir mit den Verteilungskämpfen in dieser Welt umgehen, wenn wir wirklich tief im Inneren glauben, dass genug für uns da ist.

Also damals, beim Apfelschälen meiner Mutter war ich der Älteste. Ich habe gute Erinnerungen daran. Ich muss mal meine jüngeren Geschwister fragen, wie es ihnen damit ging. Dummerweise komme ich aber natürlich immer wieder in Situationen, wo der Verteilungskampf und Konkurrenzkampf nicht zu meinen Gunsten ausgeht. Meine Frau ist z.B. besser im Boulespielen als ich. Ich bin besser im Tischfußball, aber wir spielen gerade mehr das, worin sie besser ist. Da ist es wichtig, dass ich meine innere Ruhe nicht verliere. Dass ich mich nicht ärgere. Dass ich den Zugang meinen Spielqualitäten nicht verliere. Das ist ein innerer Prozess. Und dabei hilft mir die Vorstellung. Es ist genug für alle da. Gottes Kraft ist für alle da, so wie Wasser, das vom Körper fließt. Wie unter einer Dusche oder im Spaßbad unter strömendem Wasser. Die göttliche Kraft ist in uns und begleitet uns. Das heißt nicht, dass wir immer gewinnen. Aber dass wir in unseren alltäglichen Niederlagen auf Seite des Siegers Jesus Christus bleiben. Jesus ist ja auch durch die Niederlage des Kreuzes hindurch gegangen. Sein bester Freund leugnete ihn zu kennen. Seine Feinde haben ihn verspottet. Ein Freund hat ihn verraten. Schmerz und Leid haben seine letzten Kräfte gefordert. Und dann kam seine Auferstehung. Jesus ist durch die Niederlage hindurch gegangen und ist nun im Himmel bei Gott. Er versteht unser Leiden, denn er hat es selbst erlebt. Er ist der Auferstandene und Mächtige. Das heißt er ist  viel wirksamer für uns da. Durch das Kreuz hindurch wird Jesus in seiner Herrlichkeit sichtbar. Es wird sichtbar, wer er wirklich ist. Der Sohn Gottes. Durch das Schlimme und die Niederlage hindurch kommt Gottes Wirksamkeit zur Geltung.

Liebe Gemeinde,

das heißt für uns: auch unsere Niederlagen, auch all das Schlimme, das wir aushalten müssen, sind nicht außerhalb von Gottes Wirken. Auch wenn es uns schlecht geht, kann daraus etwas Gutes werden. Gott zeigt sich auch in unseren Schmerzen und tröstet uns. Und am Ende werden wir verstehen, was jetzt für uns unzugänglich bleibt. Auch unser Leid wird verwandelt werden, wie das von Jesus. Hier zeigt sich: Es ist genug für alle da. Von unseren Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen – auch wenn wir uns das gerade nicht vorstellen können. So wird die Fülle Gottes auch in unseren Niederlagen wirksam werden. Unsere Leere ist kein Problem, sondern der Anknüpfungspunkt für Gottes Fülle. Unsere Niederlage ist ein Startpunkt für unsere Entwicklung, bei der etwas Gutes herauskommen kann. Vielleicht müssen wir nur Demut lernen. Vielleicht müssen wir nur unsere Grenzen besser achten. Vielleicht müssen wir nur unsere schwachen Seiten mehr annehmen. Am Ende steht die Chance, dass aus all dem etwas Gutes entsteht. Dass am Ende mehr von Gott zum Vorschein kommt. Dass am Ende dabei rauskommt, dass Gott es sehr gut mit uns meint.

Liebe Gemeinde, ich wünsche Ihnen das für Ihre Situation. Öffnen Sie sich für  das Überraschende, das mit dem göttlichen Geist verbunden ist. Seien Sie offen dafür, dass Gott Ihnen Gutes tun will, durch alles Schwierige hindurch. Wir sind mit Jesus verbunden. Das heißt: für uns ist genug lebendiges Wasser da. Nur einen Schritt des Glaubens von uns entfernt. Und der Friede Gottes…

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