6. Sonntag nach Trinitatis 11.7.21

Matthäus 28,16-20

16Die elf Jünger gingen nach Galiläa.

Sie stiegen auf den Berg,

wohin Jesus sie bestellt hatte.

17Als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder.

Aber einige hatten auch Zweifel.

18Jesus kam zu ihnen und sagte:

»Gott hat mir alle Macht gegeben,

im Himmel und auf der Erde.

19Geht nun hin zu allen Völkern

und ladet die Menschen ein,

meine Jünger und Jüngerinnen zu werden.

Tauft sie im Namen

des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes!

20Und lehrt sie, alles zu tun, was ich euch geboten habe!

Seid gewiss: Ich bin immer bei euch,

jeden Tag, bis zum Ende der Welt.«

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

Mission war ein Wort, das man nicht mehr in den Mund nehmen durfte. Es war verbunden mit Zwangstaufen, Kolonialismus, Rassismus und Ausbeutung der 2/3 Welt. Und dann kamen die amerikanischen Filme, in denen Agenten, die ihre Mission erfüllten, das Böse besiegten. Und in den Firmen wird immer öfter die Frage gestellt, was ist unsere Mission? Und dann begannen auch hier Jugendliche sich zu fragen, was ist meine Mission in diesem Leben? Ich stelle fest, man darf wieder über Mission reden. Aber ist das nicht etwas sehr unterschiedliches, was wir heute unter Mission verstehen und was damals im 19. Jahrhundert, dem Zeitalter der Kolonialismus unter Mission verstanden wurde? Und noch einmal etwas anderes, was unser Predigttext heute sagt, der ja auch als der Missionsbefehl bekannt ist.

Fangen wir mit dem Predigttext an: Ich nenne ihn lieber das Taufevangelium. Jesus, der Auferstandene, fordert seine Schülerinnen und Schüler auf zu allen Völkern zu gehen und Leuten das weiterzugeben, was er sie gelehrt hat und die Menschen zu taufen. Daran ist nichts kolonialistisch oder rassistisch. Die Freundinnen und Freunde von Jesus hatten keine Macht und auch kein Militär zur Verfügung und wären nie auf die Idee gekommen, dass man jemanden dazu zwingen kann, ihre Überzeugungen anzunehmen. Sie hatten ein Evangelium, eine frohe Botschaft, und das wollten sie nicht für sich behalten sondern mit allen anderen teilen. Das war für jüdische Vorstellungen damals sehr ungewöhnlich, weil man sich als kleines Volk um die anderen Völker eher nicht gekümmert hat. Insofern formuliert hier Jesus einen neuen Anspruch: Seine Lehre ist für die ganze Welt wichtig. Und niemand ist von der Liebe Gottes für die Menschen ausgenommen. Und das ist im Christentum immer geltende Lehre geblieben.

Insofern ist es naheliegend, dass im 19. Jahrhundert als die Europäischen Staaten die Welt unter sich aufgeteilt haben und überall Kolonien erobert haben, die Missionsgesellschaften aufblühten und man den christlichen Glauben auch in den Kolonien verbreiten wollte. Allerdings waren dabei die Evangelischen Landeskirchen sehr zurückhaltend. Die Initiative für die Missionen ging eher von kleinen frommen Gruppen aus und wurde von einzelnen Gemeinden aber nicht von den Kirchen als Ganzen unterstützt. Die Missionare waren oft junge Handwerker und Bauernsöhne, ihre Ehefrauen kamen auch aus solchen Haushalten. Was hat sie bewegt? Ihr Glaube! Abenteuerlust! Keine Chance auf ein Erbe von Land und Betrieb der Eltern. Und natürlich haben sie ihre Kultur und ihre Vorstellungen von einem richtigen Leben mit nach Afrika, Asien oder Mittelamerika mitgenommen. Aber sie waren keine Kolonialisten und mit Sicherheit weniger rassistisch als es damals in ihren Gesellschaften üblich war. Die Händler blieben in den Städten unter dem Schutz des Militärs. Die Farmer beuteten die schwarzen Arbeiter aus. Aber die Missionare gingen zu den Menschen, lernten ihre Sprache, lebten mit ihnen und teilten ihre handwerklichen, medizinischen und landwirtschaftlichen Kenntnisse. Sie gründeten Krankenhäuser und Schulen. Und sie befanden sich immer in einem Spannungsverhältnis zwischen der Kolonialverwaltung auf der einen Seite und ihren Gemeindemitgliedern auf der anderen Seite. Die erste Generation der Staatsgründer in Afrika war durchweg in Missionsschulen ausgebildet worden. Noch heute werden in den Kirchen dort die ersten Missionare als Helden verehrt. Und die Missionare zahlten einen hohen Preis für ihre Mission. Viele überlebten noch nicht einmal die Reise ins Missionsgebiet, sie starben an Krankheiten und Schlangenbissen. Und sie mussten ihre Kinder, wenn sie ins schulfähige Alter kamen alleine zurück in die Heimat schicken.

Die pauschale Verurteilung der christlichen Mission im 19. Jahrhundert als kolonialistisch ist sehr ungerecht. Wenn man genauer hinsieht, ist das Bild bunter.

Aber mal abgesehen von der Geschichte. Wie ist das mit unserer Mission heute? Verlangt Jesus von uns, alle Menschen zum christlichen Glauben zu bekehren und zu taufen?

Hm…

Also ich finde es gut, wenn Eltern ihre Kinder taufen lassen. Und ich gestalte sehr gerne Taufgottesdienste. Und wenn Erwachsene, die noch nicht getauft sind, sich taufen lassen wollen, dann freue ich mich sehr.

Aber andere zum christlichen Glauben bekehren, das kann niemand und das wünsche ich mir auch nicht.

Aber ich teile meine Überzeugungen und meinen Glauben gerne, weil ich finde, dass man damit gut leben kann. Und wenn mich jemand danach fragt, dann gebe ich gerne Auskunft darüber, was ich glaube. Und natürlich versuche ich entsprechend meines Glaubens zu leben und bin auch bereit zuzugeben, wenn mir das nicht gelingt. Und ich mache auch deutlich, dass meine Fehler nicht die Fehler des christlichen Glaubens sind, sondern halt meine Unfähigkeit und Begrenztheit. Und genau das ist ok so, weil der christliche Glaube nicht von mir verlangt perfekt oder auch nur besonders gut zu sein.

Und ich finde, dass das Evangelium, die gute Botschaft von der Liebe Gottes zu allen Menschen es wert ist verbreitet zu werden. Aber ich finde es nicht gut die ganze Zeit herumzulaufen und zu erklären: Jesus liebt dich. Ich schätze Aufdringlichkeit nicht, egal bei wem und egal zu welchem Zweck.

Ich finde die christliche Mission ist die Freiheit zu leben, zu der Christus uns berufen hat. Dazu gehört zu antworten, wenn man nach seinem Glauben gefragt wird, auf die Leute zuzugehen und ihnen zuzuhören, freundlich und hilfsbereit zu sein und versuchen herauszufinden, was die eigene Mission und die göttliche Berufung im eigenen Leben ist. Diese Mission spielt sich normalerweise eher nicht in der Kirche ab, sondern im Alltag, im Beruf, in der Familie, unter Freunden und es ist eher das womit man sich wohlfühlt und nicht das, was einem schwer fällt. Und es ist völlig unabhängig vom Alter. Wenn man jung ist, geht es eher um die Berufswahl oder die Schulwahl, wenn man älter wird eher darum wie, man mit seinem Lebensweg zufrieden werden kann. Auf jeden Fall ist es etwas, was man selbst herausfinden muss, und was niemand für einen tun kann. Und es ist toll, wenn man die eigene Mission findet und darin lebt. Und dann ist man nahe dran am Evangelium der Botschaft von der Liebe Gottes für diese Welt. und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!

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