8. Sonntag nach Trinitatis 25.7.21

  1. Korinther 6

9Ihr müsst doch wissen: Wer Unrecht tut,

wird keinen Anteil an Gottes Reich erben.

Täuscht euch nicht!

Das betrifft Menschen,

die verbotene sexuelle Beziehungen haben,

die Götzen dienen oder die Ehe brechen.

Das betrifft auch junge Männer,

die sich älteren anbieten,

oder Männer, die mit Männern schlafen.

10Und das betrifft Diebe, Habgierige, Trinker

und Menschen, die andere verleumden oder berauben.

Sie alle werden keinen Anteil am Reich Gottes erben.

11Manche von euch gehörten früher dazu.

Aber ihr seid reingewaschen worden.

Ihr seid zu Heiligen geworden

und von Gott als gerecht anerkannt.

Denn ihr seid im Namen unseres Herrn

Jesus Christus getauft –

und habt den Geist unseres Gottes empfangen.

Unser Körper gehört Gott

12Ihr sagt: »Ich darf alles!« –

Aber das heißt doch nicht,

dass auch alles gut für euch ist.

Ihr sagt: »Ich darf alles!« –

Aber das bedeutet doch nicht,

dass euch irgendetwas beherrschen soll.

13Ihr sagt: »Das Essen ist für den Magen geschaffen

und der Magen für das Essen!

Gott wird sowohl dem einen

als auch dem anderen ein Ende machen.«

Ich antworte euch: Unser Leib ist aber nicht

für verbotene sexuelle Beziehungen geschaffen,

sondern für den Herrn – und der Herr sorgt für ihn.

14Gott hat den Herrn von den Toten auferweckt.

Durch seine Kraft wird er auch uns auferwecken.

19Wisst ihr das etwa nicht:

Euer Leib ist ein Tempel des Heiligen Geistes,

der in euch wirkt.

Gott hat ihn euch geschenkt!

Nun gehört ihr nicht mehr euch selbst.

20Gott hat euch zu einem hohen Preis freigekauft.

Sorgt also dafür, dass euer Leib Gott Ehre erweist!

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

liebe Konfis,

ich entschuldige mich schon mal für diese Predigt, denn es wird in ihr um verbotene sexuelle Beziehungen gehen. Also mir in eurem Alter wäre das ziemlich peinlich gewesen. Und wenn ihr das peinlich findet ist das in Ordnung.

Also Paulus findet, dass die Korinther sich von verbotenen sexuellen Beziehungen fern halten sollen. Er führt zwei Begründungen dafür an:

1. Man wird keinen Anteil am Reich Gottes erben – verspielt damit also das ewige Leben.

2. Unser Körper ist ein Tempel des heiligen Geistes. Und deshalb soll man sorgfältig damit umgehen und ihn nicht entweihen. Nicht nur die Seele gehört zu Gott sondern auch der Körper und damit die Sexualität.

Aber was meint Paulus mit verbotenen sexuellen Beziehungen? Er schließt sich an die damalige jüdische Sexualmoral an. Verboten ist es mit einer verheirateten Frau zu schlafen, die nicht die eigene ist. Wenn Männer mit Männern schlafen. (Das galt damals in Griechenland als die philosophische höhere Form von männlicher Sexualität.) Und natürlich alles was mit Prostitution zu tun hat. Wahrscheinlich gehört dazu auch, die übliche Gastfreundschaft anzunehmen, wo der geehrte Gast häufig die Auswahl unter den Sklavinnen des Hauses hatte.

Paulus spricht hier nur Männer an. Da klar ist, dass Frauen in der damaligen Zeit nicht über ihren eigenen Körper und ihre Sexualität bestimmen durften, werden sie hier auch nicht angesprochen. Paulus verurteilt also nicht Frauen, die sich prostituieren müssen, sondern er verurteilt nur Männer, die sich Frauen kaufen.

Seit der Zeit von Paulus hat sich die Sexualmoral geändert und wir haben andere Vorstellungen, was verbotene sexuelle Beziehungen sind. Dabei gibt ein breites Spektrum von Einstellungen. Einigkeit herrscht heute darüber, dass homosexuelle Partnerschaften ok sind. Wie das bei Paulus ist, verschwimmt ein bisschen. Klar ist, dass er homosexuelle Promiskuität unter die verbotenen sexuellen Beziehungen rechnet. Die Möglichkeit von langfristigen homosexuellen Beziehungen hat er einfach nicht im Blick. Insofern werden die hier auch nicht verurteilt.

Unklar bleibt auch, wie er sexuelle Beziehungen, wenn man nicht verheiratet ist, sieht. Es war durchaus üblich bevor man heiratet mal auszutesten, ob man miteinander Kinder bekommen kann. Denn Fruchtbarkeit war damals sehr wichtig. Ohne Kinder keine Altersversorgung. Das verurteilt Paulus auch nicht.

An einer anderen Stelle im Korintherbrief verurteilt er Sex mit Kindern. Und hier äußert er sich sehr klar gegen Sex mit Prostituierten.

Heute ist fraglich, ob es überhaupt so etwas wie verbotene sexuelle Beziehungen gibt. Französische Filme befassen sich regelmäßig mit Dreiecksbeziehungen. Wenn ein verheiratetes Paar sich auf eine offene Beziehung einigt, gilt das als in Ordnung mit anderen zu schlafen. Und auch gewaltförmige sexuelle Praktiken werden akzeptiert, wenn sie einvernehmlich ausgeübt werden. Dennoch kennt unser Strafgesetzbuch verbotene sexuelle Beziehungen, Sex mit Minderjährigen und Vergewaltigung sind heute bei uns strafbar. Das war zur Zeit des Paulus nicht so klar. Griechische Philosophen fanden es in Ordnung, wenn Schüler ihre Lehrer mit sexuellen Handlungen bezahlten. Und im jüdischen Recht war es so, dass Frauen, die in der Stadt vergewaltigt wurden nicht das Recht hatten, das anzuzeigen, weil ihnen unterstellt wurde, dass sie einverstanden waren, da sie ja um Hilfe hätten rufen können.

Also, wie ist das heute mit der Sexualmoral?

Erst einmal tut es mir leid liebe Konfis, dass ihr in einer Zeit aufwachsen müsst, wo in diesem Bereich so vieles unklar ist. Wenn ihr heute eine Beziehung eingeht, ist halt unklar, was der eine oder die andere erwartet. Und das ist schwierig und beängstigend. Das macht es nicht gerade leichter herauszufinden, was man selber wirklich möchte. Unter anderem deshalb machen heute viele jungen Leute einen Bogen um sexuelle Beziehungen überhaupt. Und ich finde es gut, dass man heute beides darf. Früh eine Freundin oder einen Freund haben oder sich Zeit lassen.

Ja und die Sexualmoral unter Erwachsenen? Bei Traugesprächen sagen mir alle Brautpaare auf die Frage, was die Ehe in Frage stellen würde, wenn er oder sie mich einer anderen einem anderen betrügen würde. Ich sehe das genauso und  kann Paulus an dieser Stelle zustimmen. Ich finde eheliche Treue wichtig. An der Stelle bin ich konservativ. Und ich finde es gut, dass diese Anforderung heute nicht nur für Frauen sondern auch für Männer gilt. Ich finde zwar nicht, dass verbotene sexuelle Beziehungen dazu führen, dass man keinen Anteil am Reich Gottes haben kann. Hier gibt es in anderen Briefen auch andere Äußerungen von Paulus. Aber der Gedanke, dass unser Körper ein Tempel des heiligen Geistes ist, finde ich super. Wir sollen mit unserem Körper und unserer Sexualität so umgehen, dass der heilige Geist sich darin wohlfühlen kann. Was für eine witzige Idee. Den Gedanken finde ich spannend. Sexualität geht nur gut, wenn man einander vertraut und sich miteinander sicher fühlt. Und dann kann sie eine  Erfahrung sein, mit der Gott gelobt wird. Das wäre das Ziel. Und ich finde es ok für sich alles abzulehnen, womit es mir oder dem anderen schlecht geht.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!

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