3. Advent 11.12.22 Albrecht Burkholz

Die Gnade…

Liebe Gemeinde am heutigen 3. Advent!

Unser Thema lautet: Wieso wir hoffen können?

Unser Predigttext sagt uns dazu: die schlechte Zeit ist begrenzt. Und das Wort Gottes hat Ewigkeitswert und wirkt bei uns.

Ich lese Jesaja 40, 1-11 das Programm eines Propheten, der ungewöhnlicher Weise keine drohende,  düstere, mahnende Botschaft hat, sondern eine gute Botschaft. Er will sein Volk trösten und verheißt ihm eine gute Zukunft.

Aber hören Sie selbst:

Tröstet, tröstet mein Volk!«,

spricht euer Gott.

2Redet herzlich mit Jerusalem,

sagt über die Stadt:

»Ihre Leidenszeit ist zu Ende,

ihre Schuld ist restlos abgezahlt.

Denn für all ihre Vergehen

wurde sie vom Herrn doppelt bestraft.«

3Eine Stimme ruft:

»Bahnt in der Wüste einen Weg für den Herrn!

Ebnet unserem Gott in der Steppe eine Straße!

4Alle Täler sollen aufgefüllt werden,

Berge und Hügel abgetragen.

Das wellige Gelände soll eben werden

und das hügelige Land flach.

5Der Herr wird in seiner Herrlichkeit erscheinen,

alle Menschen miteinander werden es sehen.

Denn der Herr selbst hat es gesagt.«

6Eine Stimme spricht: »Verkünde!«

Ich fragte: »Was soll ich verkünden?

Alle Menschen sind doch wie Gras.

In ihrer ganzen Schönheit gleichen sie

den Blumen auf dem Feld.

7Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt,

wenn der Wind des Herrn darüberweht.

Nichts als Gras ist das Volk!«

8»Ja, das Gras verdorrt, die Blume verwelkt,

aber das Wort unseres Gottes bleibt für alle Zeit.«

9Steig auf einen hohen Berg,

du Freudenbotin für die Stadt Zion!

Verkünde deine Botschaft mit kraftvoller Stimme,

du Freudenbotin für Jerusalem!

Verkünde sie, hab keine Angst!

Sprich zu den Städten Judas:

»Seht, da kommt euer Gott!

10Seht, Gott, der Herr!

Er kommt mit aller Macht

und herrscht mit starker Hand.

Seht, mit ihm kommt sein Volk!

Die er befreit hat, ziehen vor ihm her.

11Wie ein Hirte weidet er seine Herde:

Die Lämmer nimmt er auf seinen Arm

und trägt sie an seiner Brust.

Die Muttertiere führt er sicher.«

Die Botschaft lautet: die Leidenszeit ist zu Ende. Die Schuld ist restlos abgezahlt. 

Das Volk hat sich nicht an Gottes Gebote gehalten. Arme wurden unterdrückt. Witwen und Waise und Fremde wurden schlecht behandelt. Die Folge war ein verlorener Krieg. Die Hauptstadt Jerusalem war zerstört. Viele Priester und Hofbeamte und die Königsfamilie  sind in die Hauptstadt des Feindes, Babylon, im heutigen Irak, verschleppt worden. Dort ging es ihnen zwar gar nicht so schlecht, aber seit 5 Jahrzehnten müssen sie die Niederlage verarbeiten.

Jetzt tritt der Prophet auf und sagt: die Schuld ist abbezahlt. Die Leidenszeit ist zu Ende.

Was wird geschehen? Das Volk wird  zurück  geführt in die Heimat. So wie damals das Volk aus der Gefangenschaft in Ägypten durch die Wüste geführt wurde, so wird es wieder durch die Wüste zurück in das gelobte Land kommen. Wie ein Hirte wird Gott mit seinem Volk ziehen und die Schafe notfalls tragen.

In Babylon haben die Israeliten die tollen Prozessionsstraßen vor Augen. Da drückt sich die Macht der Eroberer aus, wenn auf den breiten Straßen die Mächtigen durchziehen und das Volk am Rand jubelt.

So wird es auch bei der Rückkehr der Israeliten sein. Gott macht eine Straße durch die Wüste. Schön eben und gerade wird die Straße  sein. Täler werden aufgefüllt. Berge und Hügel abgetragen. Das zeigt die Macht Gottes, größer als die Macht der Feinde. Größer auch als die Götter der Feinde.

So wie  Gott damals geholfen hat aus der Gefangenschaft, so wird auch Gott jetzt helfen aus der Gefangenschaft. Das Wunder wird geschehen. Wir können es uns jetzt schon ausmalen, wie  es sein könnte, wenn das Wunder geschieht.

Aber die Hoffnungslosigkeit und Resignation der Menschen lässt sich nicht so  leicht überwinden. Sie antworten dem Propheten: Alle Menschen sind vergänglich wie das Gras.

Ja, antwortet der Prophet, die Menschen sind vergänglich. Aber das Wort unseres Gottes bleibt für alle Zeit. Und dieses Wort ist an euch ergangen. Ihr könnt so hoffnungslos sein wie ihr wollt. Gottes Wort wirkt. Gottes Wort wirkt an euch. Gott wird sein Werk der Befreiung  ausführen und vollenden. Ihr könnt ihn dabei unterstützen, indem ihr euch auf die Hoffnung einlasst. Oder ihr könnt Gottes Werk behindern, indem ihr in der Hoffnungslosigkeit verharrt, dickköpfig wie ein Kind im Trotzalter. Aber Gott wird sein Befreiungswerk ausführen. Das Wort unseres Gottes bleibt für alle Zeit. Und es wirkt für alle Zeit. 

Das Wort  Gottes „Tröstet, tröstet mein Volk“  gilt auch für uns heute. Auch wir Christen gehören wie Juden zum Volk Gottes. Schuld wird vergeben. Gefangensein wird beendet. Unsere Weg führt in die Heimat, ins Ankommen, ins  Geborgensein. Weihnachten, auf das wir uns vorbereiten, ist ein Fest, das in die Kindheit scheint.

Wie wird diese Freudenbotschaft bei uns wirksam?

Indem wir Weihnachten feiern, ganz normal, so normal wie es unter diesen besonderen Umständen dieses Jahr möglich ist. Da begehen wir einen Weg in die Heimat. Ganz wörtlich: unsere Töchter kommen zu uns. Unsere Freunde und ihr Tochter, mit denen wir oft in Urlaub gefahren sind, kommen zu uns. Da ist ein Zurück in die Hoffnungskraft vergangener Zeiten.

Wir Menschen deuten unser Leben. In der Psychotherapie kann man rausbekommen, welche Sätze unser Leben im tiefsten Inneren prägen. Und da wäre es gut, wenn befreiende und hoffnungsstärkende Sätze uns prägen.

Ich habe leider erst zu spät den wunderbaren Satz: Gott, ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin, entdeckt. Diesen Satz hätte ich als Jugendlicher  gebraucht. Dann hätte ich mich mit all dem, was mich ausmacht, leichter annehmen können. Ich möchte diesen Satz aus Psalm 139 deshalb heute ich Konfis zusagen: Ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin. Lasst euch nicht von irgendwelchen bearbeiteten Fotos in der Werbung oder auf Instagram einreden, dass bei euch etwas nicht  in Ordnung wäre. Nehmt euch selbst an, so wie ihr seid, mit ganz normalen menschlichen Schwächen und Grenzen. Sagt euch diesen Satz, z.B. wenn ihr in den Spiegel seht: Ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin. Vielleicht könnt ihr das auch irgendwann fühlen. 

Welcher Satz für mich der richtige ist, der mich befreit und meine Hoffnung stärkt, das ist nicht ganz einfach rauszukriegen. In meiner Herkunftsfamilie kann man ganz gut verdrängen und plant nicht so stark für die Zukunft und bereitet nicht sorgfältig das Zukünftige vor. Wir lieben den Satz: Alle eure Sorgen werft auf ihn, denn er sorgt für euch. Ein schöner Satz, aber wenn er bei mir  die Schlamperei verstärkt, ist er schädlich. Da müsste ich einen Satz hören, der mein Pflichtbewusstsein und meine Sorgfalt stärkt. Vielleicht der Bibelvers aus der Bergpredigt Matthäus 5 Vers 20: Denn ich sage euch, eure Gerechtigkeit muss größer sein als die der Schriftgelehrten und Pharisäer. Sonst werdet ihr niemals in das Himmelreich kommen.

Das ist ein Bibelvers, den mag ich nicht. Den würde ich mir niemals selbst aussuchen. Aber vielleicht ist es manchmal nötig, dass wir einen Satz gesagt bekommen, den wir nicht gerne hören. Damit wir auf den richtigen Weg kommen.

Ein guter Freund oder eine gute Freundin sagen ja auch nicht nur das, was der Freund oder die Freundin hören wollen. Sie reden einem nicht nach dem Mund. Sie hören gut zu. Sie sind einfühlsam. Sie sind mit ihren Gefühlen beim Freund oder der Freundin. Aber manchmal sagen sie auch Dinge, die nicht gerne gehört werden. Das ist ein Risiko  für die Freundschaft. Aber  es  ist  notwendig.

So ist es auch mit Gott. Gott ist unser Freund. Er will unsere Befreiung. Er will unsere Hoffnung  stärken. Dazu ist es nötig, Dinge zu hören, die wir nicht so gerne hören. Denn wir müssen uns entwickeln. Und je nach Situation müssen wir anderes hören.

In der Trauer brauchen wir Trost. Wenn wir Schmerzen haben, brauchen wir medizinische Hilfe und Geduld und Ablenkung. Wenn wir Liebeskummer haben, brauchen wir Rückzug und traurige Musik. Und zu Weihnachten brauchen  wir Romantik und Herzerwärmendes.

Liebe Konfis, ihr sucht demnächst eure Konfisprüche aus. Ich wünsche euch dabei gutes Gelingen. Damit ihr Bibelverse findet, die euch ein Leben  lang begleiten.  Und in denen etwas ist von diesem: Das Wort unseres Gottes bleibt für alle Zeit. Ewigkeitswert mitten in der Vergänglichkeit.  Etwas, das euch mit dem Himmel verbindet.

Und der Friede Gottes…

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