2. Weihnachtstag 26.12.21 Albrecht Burkholz

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Liebe Gemeinde,

heute am 2. Weihnachtsfeiertag haben wir das zweite Coronaweihnachten fast hinter uns. Die besondere Musik heute macht uns bewusst, wie festlich und groß das ist, was wir zu Weihnachten feiern. Gott ist zu uns gekommen als ein Kind. Und dieses Kind ist Immanuel, Gott bei uns, unser Retter, Beistand, Anwalt, Tröster. Endlich versteht uns jemand. Endlich liest uns jemand unsere Wünsche von den Augen ab. Endlich bringt jemand unser wahres Ich zum Vorschein, mit dem wir zufrieden sein können.

Immanuel – Gott mit uns. Dieses berühmte Wort für Jesus Christus taucht das erste Mal beim Propheten Jesaja auf, Kapitel 7, 10-14. Diese Verheißung von Gott her geschieht also ungefähr im Jahr 735 vor Christus in Jerusalem. Wir haben es gerade als Lesung gehört.

Weiter ließ der Herr Ahas sagen:

11»Bitte den Herrn, deinen Gott,

zur Bestätigung um ein Zeichen.

Du selbst kannst wählen, woher es kommen soll:

vom Totenreich unten bis zum Himmel oben.«

12Ahas aber antwortete:

»Ich will nicht um ein Zeichen bitten,

um den Herrn nicht auf die Probe zu stellen.«

13Da sprach Jesaja:

»Hört, ihr vom Haus David!

Genügt es euch nicht, Menschen müde zu machen?

Müsst ihr auch noch meinen Gott müde machen?

14Darum wird euch der Herr

von sich aus ein Zeichen geben.

Ihr werdet sehen:

Die junge Frau wird schwanger werden

und einen Sohn zur Welt bringen.

Den wird sie Immanuel, ›Gott mit uns‹, nennen.

In Beziehungen ist es ein Problem, dass Menschen nicht sagen, was sie vom anderen wollen. Vielleicht wissen sie selbst es nicht so genau. Vielleicht wissen sie selbst es erst im Nachhinein, was sie vermissen. In der Eheberatung ist das vor allem ein Problem von Frauen. Sie wundern sich, dass ihr Mann nicht merkt, was sie brauchen. Sie haben doch genug Andeutungen gemacht. Sie können sich nicht vorstellen, dass ihr Mann die Andeutungen nicht merkt.

Sie machen sich dabei nicht klar, dass manche Männer nicht über Beziehungsfragen reden, sondern über Fußball, Autos, Technik usw. Sie können die Andeutungen tatsächlich nicht deuten. Da hilft nur: direkt sagen, was man will.

Aber das ist natürlich mühsam.

Eigentlich wünschen wir alle uns jemanden, der sehr nahe ist, der uns versteht, der auf unserer Seite ist und uns die Wünsche von den Augen ablesen kann oder vom Gesichtsausdruck oder von der Körperhaltung. Wir wünschen uns mit einem Wort einen Immanuel.

Wenn Gott der ist, der in die Herzen sieht, dann versteht er uns, bevor wir etwas selbst in Worte fassen können. Dann versteht Gott uns, bevor wir es selbst richtig in Gedanken fassen können. Dann versteht Gott sogar, welche unsere Bitten und Wünsche für uns schädlich wären.

Dass Gott so ist, das macht er uns deutlich, indem er Immanuel wird. Das göttliche Kind Jesus, das dann zum himmlischen König und Richter Jesus Christus wird. Aber vorher braucht dieses göttliche Kind unsere Hilfe. Und das ist überhaupt das Beste.

Wenn wir Gott helfen können, dann können wir uns gut und stark und richtig fühlen. 

Wie können wir Gott helfen? 

Wir können unsere Fähigkeiten einbringen, damit Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung in unserer Welt gelingen. Damit die Hoffnung gestärkt wird, das Vertrauen wächst, die Liebe nicht erkaltet.

Es wäre gut, wenn Menschen erstens merken, was sie brauchen und das klar formulieren. Dazu ist beten ein guter Schritt. Denn ich muss mir genau überlegen, um was ich bete. Und auch das Stille Gebet ohne Worte fließt irgendwann in Worte. Es wäre gut, wenn wir alle hier mutiger und klarer wären. 

Es wäre zweitens gut, wenn Menschen zuhören und entsprechend handeln. Da gibt es unserer Gesellschaft noch einen großen Nachholbedarf. Denn die ganzen Umfragen führen oft nur dazu, dass wir besser manipuliert werden. Und die Daten, die im Netz gesammelt werden, führen nur zu anderer Werbung, aber nicht zur Erfüllung unserer wahren Bedürfnisse.

Auf beiden Seiten, Wünsche formulieren und Wünsche hören, brauchen wir den Immanuel, den Gott mit uns. Wir brauchen Selbstwahrnehmung, um zu merken, was wir wirklich brauchen. Und Selbstwahrnehmung ist nur im Angesicht der Gnade Gottes möglich. Immanuel – Gott mit uns – Gott steht an unserer Seite, obwohl wir so sind wie wir sind. Wir brauchen Mut und Kreativität und Durchsetzungsvermögen, um unsere Wünsche wirksam vorzubringen. Deshalb feiern wir Gottesdienst, um einander zu ermutigen. Der Segen am Ende eines jeden Gottesdienstes ist ein solcher Mutmacher und eine solche Kraftquelle.

Auf der Seite des Zuhörens und entsprechend Handelns brauchen wir den Immanuel, weil er der Weltenrichter ist. Wer hören und handeln kann und es nicht tut, der handelt nicht im Sinne des Gott mit uns Menschen. Natürlich ist die Situation immer kompliziert. Menschen stecken immer in vielen Zwängen. Politiker sind nicht allmächtig und deshalb kann man von ihnen auch nur begrenzte Dinge erwarten. Aber da, wo wir Macht und Ressourcen und Möglichkeiten haben, das Gute zu tun, und es nicht tun, handeln wir nicht im Sinne des Gottes, der Gott mit uns Menschen ist.

Weihnachten ist eine große Chance. Wir werden an die Harmonie erinnert, die die Familien für die kleinen Kinder inszenieren. Eine Harmonie größer als die Wirklichkeit.

Wir werden an Zauber und Geheimnis erinnert, die für Kinder an Weihnachten da ist und all die riesengroßen Erwartungen.

Wenn Gott als Kind zu uns kommt, dann sind wir eingeladen, unsere kindlichen Erwartungen, Hoffnungen und überschießenden Wünsche zu erinnern und uns mit dieser Hoffnungskraft auf den Weg zu machen.

In den Weihnachtsgeschichten und Weihnachtsfilmen finden immer rührende Bekehrungen und Versöhnungen statt. Das ist unser Wunsch. Das ist die Möglichkeit, die Weihnachten uns bietet. Wir können anders werden. Weil Jesus Christus für uns Immanuel ist. Gott mit uns. Der, der uns näher ist als wir uns selbst nahe zu sein vermögen. Der unsere Wünsche sieht und versteht, bevor wir sie versteht. Der uns hilft, zu hören und zu handeln, wo es dran ist. Der uns annimmt und braucht, obwohl wir noch lange nicht so sein sind, wie wir sein sollten. Aber der Immanuel sieht mich schon so an. So mit meinen Möglichkeiten. Damit ich sein werden kann, der ich in seinen liebenden und hoffenden Augen bin.

Und der Friede Gottes…

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